Eine Holzkugel ohne Oberfläche

Friendorfer konstruiert mit „Schuppel“ Sportgerät für Jugendliche

Raffinierte Erfindung: Oswald Schnell aus Lenderscheid hat ein Sportgerät namens Schuppel erfunden. Die bodenflexible Holzkugel „rollt wie verrückt“, wie der 86-Jährige berichtet. Fotos: Haaß

Lenderscheid. Wie an einer Schnur gezogen rollt die ungewöhnliche Holzkonstruktion über den holprigen Rasen und findet sicher ihr anvisiertes Ziel: Oswald Schnell hat vielleicht nicht das Rad neu erfunden, aber eine besondere Form der Kugel.

Schuppel nennt sich das außergewöhnliche Sportgerät aus dem Frielendorfer Ortsteil.

„Es handelt sich hierbei um eine bodenflexible Holzkugel“, erklärt der 86-jährige Tüftler. Die Idee zu dem neuen Sportgerät sei ihm gekommen, als seine Enkelin im Sommer im Garten mit ihrem Freund Wikinger-Schach gespielt habe: „Ich dachte mir: Das ist doch kein schönes Spiel. Da gehört doch ein Ball dazu.“

Das Problem mit normalen Bällen: Sie rollen nur auf ebenen Grund. Sobald irgendwo eine Unebenheit ist, laufen sie aus der Bahn und verfehlen ihr Ziel. „Da habe ich mir überlegt, das muss eine Kugel sein, die keine Oberfläche hat“, erklärt Schnell. In seiner Werkstatt hatte der ehemalige Landwirt dann den Geistesblitz. Kurzerhand montierte er drei Holzscheiben ineinander und rundete die Ecken ab. „Die Kugel rollte wie verrückt“, erzählt der 86-Jährige und lacht.

Auf Initiative seiner Familie wendete sich der Erfinder an einen Patentanwalt. Dieser rät ihm wiederum mit der Universität Kassel Kontakt aufzunehmen, um dort überprüfen zu lassen, ob es bereits etwas Vergleichbares gibt. Rasch stellt sich heraus, weder in Deutschland noch im Ausland hat bislang jemand etwas Ähnliches patentieren lassen.

„Wir haben dann auf die Holzkugel einen Designschutz angemeldet“, sagt Schnell. Mittlerweile hat Schnell zahlreiche Prototypen angefertigt und ausprobiert. „Als ideale Größe hat sich dabei für Erwachsene eine 20 Zentimeter und für Kinder eine 15 Zentimeter große Variante erwiesen“, erklärt der Erfinder. Nach wie vor ist der 86-Jährige auf der Suche nach dem perfekten Material für seinen Schuppel: „Es wäre schön, wenn sich ein Schreiner der Sache annehmen würde.“

Ein eigenes Spiel für die „bodenflexible Holzkugel“ hat sich der Tüftler bislang noch nicht ausgedacht. Der Fantasie der Benutzer seien aber keine Grenzen gesetzt, sagt der Lenderscheider: „Wir haben mit der Kugel auf dem Rasen gekegelt. Den Namen Schuppel hat meine Enkelin erfunden.“

Als nächsten Schritt möchte der Lenderscheider seine Erfindung an Schulen und Kita geben, um dort die Alltagstauglichkeit testen zu lassen: „Den Kindern fehlt ja heute Bewegung“.

Besonders gefreut hat sich der 86-Jährige über einen Kommentar des Lenderscheider Ortsvorstehers. „Der hat versprochen, sollte Lenderscheid in der Hessenschau beim „Dollen Dorf“ gezogen werden, sei meine Kugel dabei“, erzählt Oswald Schnell.

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