Öffentliche Anlage soll entstehen

Einstiges Gasthaus „Zum Stern" in Spieskappel wurde abgerissen

Das ehemalige Gasthaus „Zum Stern“ in Spieskappel wurde abgerissen.
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Markante Ortslage: Das ehemalige Gasthaus „Zum Stern“ in Spieskappel wurde abgerissen.

Spieskappels Ortsansicht hat sich unwiederbringlich verändert. In der vergangenen Woche wurde in der Ortsmitte das ehemalige Gasthaus „Zum Stern“ abgerissen.

Spieskappel – Drei Gebäudeteile – die Gaststätte, der Saal und die Scheune – prägten das Anwesen an der Ecke der Straßen Auf der Klaus und Oberdorf. Seit mindestens zehn Jahre hatten die Gebäude leergestanden. Vor fünf Jahren erwarb die Gemeinde Frielendorf im Zusammenhang mit der Dorfentwicklung das inzwischen heruntergekommene Anwesen in markanter Ortslage, um es abreißen zu können.

Bis zum Verkauf an ein Nagel- und Tattoostudio vor 21 Jahren hatte die Familie Dietrich das Gasthaus bewirtschaftet. 155 Jahre war das Gasthaus bis dahin von der Familie betrieben worden, erinnert sich die ehemalige Wirtin Lieselotte Dietrich. Die inzwischen 84-Jährige hatte 1963 aus Steindorf stammend in den Dietrichschen Betrieb eingeheiratet.

Bereits im 19. Jahrhundert soll ein Valentin Dietrich eine Schänke betrieben haben, meint Lieselotte Dietrichs Tochter Elke. Neben dem Gastgewerbe unterhielt die Familie auch eine Landwirtschaft.

In das Gasthaus „Zum Stern“ in Spieskappel lud alljährlich die Burschenschaft zum Wintervergnügen. Das Foto entstand 1950.

Aus dem Dorfleben war das Wirtshaus nicht wegzudenken. Landwirte, Handwerker und viele andere trafen sich täglich dort, erzählt Nachbar Friedrich Matthäus. In den Wintermonaten sogar bereits mittags. Dann bollerte der Kanonenofen, denn eine Heizung gab es nicht. Zu trinken gab es Herkules-Bier aus Homberg, Essen wurde nur ausnahmsweise zubereitet. Es wurden Hochzeiten gefeiert und die Jagdgenossen trafen sich bei Dietrichs zum Versammlungsessen.

1899 soll gar der Männergesangverein dort gegründet worden sein, sagt Elke Dietrich. 1909 wurde ein großer Saal angebaut. Damit war der Weg frei für das alljährlich Wintervergnügen der Spieskappeler Burschenschaft. Das wurde bis Mitte der 70er-Jahre an jährlich an jedem zweiten Samstag im Stern gefeiert. Er selbst habe mit 16 Jahren dort das erste Mal mit einem Mädchen getanzt, erzählt Matthäus.

Mit Aufkommen der Dorfgemeinschaftshäuser und interessanterem Fernsehprogramm wurde es stiller im Gasthaus. Mitte der 80er-Jahre sei schon schließlich nicht mehr viel losgewesen, meint der 62-Jährige. Ende der 90er-Jahre entschloss sich die Familie schließlich zum Verkauf.

Dieses Foto von 1909 zeigt, wie der Saalanbau des Gasthauses entsteht.

Von dem Anwesen bleiben neben den vielen Erinnerungen, die die Spieskappeler an das Gasthaus „Zum Stern“ haben, die Umrisse der Grundmauern des Wohnhauses und der Scheune stehen. Die entstehende Freifläche soll laut Bürgermeister Thorsten Vaupel noch in diesem Herbst als Grünanlage mit Bäumen, einer Parkbank und Grünflächen, die teilweise als Blumenwiese gestaltet werden, ausgebaut werden. (Sylke Grede)

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