Klima verändert Einsatzlagen

Extremwetter wird zur Herausforderung für Wehren

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Neu Herausforderungen: Durch die Veränderungen des Klimas rechnen Frielendorfs Wehren mit mehr Einsätzen durch Extremwetter. Auf unserem Archivbild beseitigen die Brandschützer nach Sturm Eberhard einen Baum.

Die Veränderungen des Klimas und die damit verbundenen Extremwettereignisse haben Auswirkungen auf die Planungen der Feuerwehren.

Die Brandschützer rechnen zukünftig mit mehr Stürmen, mehr Trockenheit und mit mehr Hochwasser. Investitionen in entsprechende Technik steigen. Deutlich wird das auch in den von den Gemeinden alle zehn Jahre zu beschließenden Bedarfs- und Entwicklungsplänen (BEP). 

Ziel sind moderne Wehren

Ein Beispiel dafür ist die Gemeinde Frielendorf. Der Bereich Klimawandel und seine Folgen nehmen in dem kürzlich beschlossenen rund 60-seitigen BEP viel Raum ein. Erstmals erhielt das Thema bei der Definition der Gefahren einen Unterpunkt. In den vorherigen Plänen hatte man nur die Bereiche Brand, Technische Hilfeleistung und ABC-Gefahren betrachtet. 

Thorsten Vaupel, Bürgermeister Frielendorf

In den vergangenen Jahren habe es einen Wandel von Brandeinsätze zu extremen Wettereignissen und Technische Hilfeleistung gegeben, erklärt Bürgermeister Thorsten Vaupel: „Szenarien, auf die wir uns nicht nur mental einstellen müssen.“

Immer mehr Waldbrände wegen Trockenheit

 Mit Blick auf die 2019 gegenüber 2018 aufgrund der Trockenheit beispielsweise kreisweit um sechzehn Prozent angestiegene Zahl der Waldbrände sei eine Anpassung des BEP sinnvoll, sagte auch der Sprecher der SPD-Fraktion Gerhard Pflug bei der Verabschiedung des Frielendorfer BEP. Um auf durch den Klimawandel verursachte Extremwetterereignisse vorbereitet zu sein, rüsten die Wehren in der Ohetalgemeinde auf. Vereinfacht gesagt, soll es mehr Pumpen und mehr Kettensägen geben. 

Folgen von extremen Wetterlagen 

Es habe in den vergangenen Jahren immer wieder folgenreiche Überschwemmungen gegeben, sagte Bürgermeister Vaupel und fügte an: „Die Folgen der schweren Stürme Friederike und Brunhild sind jetzt noch in den Wäldern zu sehen.“ Auch bei der Bekleidung der Einsatzkräfte wird sich etwas ändern. Neben der für den Löscheinsatz im Innenangriff optimierten Schutzbekleidung soll es zukünftig auch wieder leichte Einsatzbekleidung geben. Damit reagiere man auch auf die hohen Temperaturen im Sommer, so Vaupel: „Damit setzen wir auch die gesetzlichen Vorgaben um.“ (zty)

Gefahren werden ermittelt

In Hessen muss jede Kommune für ihre Feuerwehr einen Bedarf und Entwicklungsplan (BEP) ausarbeiten und in der Regel alle zehn Jahre fortschreiben. In dem Plan wird das vorhandene Gefahrenpotenzial betrachtet. Dem gegenüber steht der daraus resultierende Bedarf an Feuerwehrtechnik und Personal. Anhand des BEP kann man ablesen zu welchem Zeitpunkt Fahrzeug beschafft oder Gebäude neu gebaut werden müssen.(mha)

Frielendorf erstellt Entwicklungsplan

Die Feuerwehren in Frielendorf haben in den vergangenen Wochen und Monaten viel Zeit und Mühe investiert, um einen neuen Bedarfs- und Entwicklungsplan zu erstellen.

Alle zehn Jahre muss das Werk erneuert werden, sagte Bürgermeister Thorsten Vaupel. Und der Zeitpunkt war gekommen. Der Bedarf bei der Pflichtaufgabe der Gemeinden musste festgestellt und fortgeschrieben werden. Einstimmig hatten die Gemeindevertreter für das umfangreiche Werk votiert.

Aufgaben der Feuerwehr haben sich verändert

Immer wichtiger werde eine Personalprognose. Denn die Aufgaben der Feuerwehren hätten sich verändert, erklärte Vaupel. Die extremen Wetterereignisse wie Starkregen, Stürme oder die extreme Trockenheit der vergangenen Jahre stellten die Wehren vor neuen Herausforderungen. Das Personal müsse eigens dafür anders ausgebildet werden, etwa für den Umgang mit Wald- und Flächenbränden, die voraussichtlich zunehmen würden.

Tagsüber nicht genügend Einsatzkräfte erreichbar

Positiv sieht Vaupel die Entwicklung des Personals. Mit 275 sei die Zahl der Einsatzkräfte in den dreizehn Wehren höher als gefordert (182). Das sei allerdings nur auf dem Papier so, Sorge mache die Zahl der Einsatzkräfte tagsüber. Wegen der sich veränderten Arbeitszeiten wie Schichtdienst und der weiten Arbeitswege seien tagsüber nur 46 Einsatzkräfte für den Notfall erreichbar.

Mitgliederzahlen sind stabil

Der Ausbildungsstand der Feuerwehren werde zwar erfüllt, aber sei teilweise sehr unterschiedlich. Es fehlen in einigen Ortsteilen etwa Atemschutzgeräteträger oder Gerätewarte. Die Krux dabei, Förderungen für neue Fahrzeuge etwa werden nur dann fließen, wenn die Ausbildungsstandards erfüllt sind. Die Mitgliederzahlen seien seit 2016 stabil. Nun gelte es diese Zahlen langfristig zu halten, in dem man neue Mitglieder gewinne, so Vaupel.

Dafür will die Gemeinde neue Anreize geben. Wichtig sei auch die Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls aller Frielendorfer Wehren.

Neue Fahrzeuge nach 25 Jahren Einsatz

Alle vorhandenen Fahrzeuge wurden aufgelistet. Viele davon seien in die Jahre gekommen. Spätestens nach 25 Jahren im Einsatz müssten die Fahrzeuge erneuert werden. Auf den Prüfstand kommen auch die Feuerwehrhäuser. Sie entsprächen zum großen Teil nicht den heutigen DIN Normen.

Es gebe zwar einen Bestandsschutz, aber wenn bauliche Mängel abgestellt werden müssen, dann greifen die neuen Anforderungen. Es soll eine Machbarkeitsstudie über alle nötigen Anbauten oder Neubauten erstellt werden, mit den nötigen Kosten.

Zeitgemäße Ausrüstung für die Jugendfeuerwehr

Viel Aufwand werde es bei der Ausstattung der Wehren geben. Ein guter Weg sei die inzwischen eingerichtete interkommunale Feuerwehrbekleidungkammer.

Für die Wetterereignisse wie Sturm oder Waldbrandgefahr brauche man eine andere Ausstattung und auch die Jugendfeuerwehr benötigt eine zeitgemäße Ausrüstung.

Darüber hinaus soll laut Bedarfsplan unter anderem je eine Defibrillator für jedes Fahrzeug beschafft werden, damit man im Notfall direkt vor Ort Erste Hilfe leisten könne. Vaupels Fazit: „ Wir sind gut aufgestellt, aber es kann immer noch besser sein.“ (zty)

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