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Unsichtbare Gefahr: Feuerwehren aus der Region informieren über Kohlenmonoxid

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Von: Matthias Haaß

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Technik die Leben retten kann: Um sich vor Kohlenmonoxid zu schützen, nutzt das DRK Schwalm-Eder CO-Warner. Notfallsanitäterin in Ausbildung Maren Kühn und Notfallsanitäterin Lisa Schneider zeigen ein Gerät.
Technik die Leben retten kann: Um sich vor Kohlenmonoxid zu schützen, nutzt das DRK Schwalm-Eder CO-Warner. Notfallsanitäterin in Ausbildung Maren Kühn und Notfallsanitäterin Lisa Schneider zeigen ein Gerät. © Matthias Haaß

Ziegenhain/Frielendorf. Die Feuerwehren der Region haben sich an einer Aktionswoche beteiligt. Dabei geht es darum, auf die Gefahren durch Kohlenmonoxid aufmerksam zu machen.

Dass Brandrauch tödlich sein kann, ist dank Rauchmeldern mittlerweile im Bewusstsein vieler Menschen angekommen. Vielen unbekannt ist dagegen die Gefahr durch Kohlenmonoxid (CO): Das Gas ist farblos, geruchlos, geschmacklos und tödlich. Es entsteht bei unvollständiger Verbrennung. 

Mit einer Aktionswoche machte die Initiative zur Prävention von Kohlenmonoxid-Vergiftungen jüngst auf das Problem aufmerksam. Auch Feuerwehren aus der Region beteiligen sich an der Kampagne und teilen Verhaltenshinweise in den sozialen Medien. 

„Die meisten Menschen kennen nicht einmal die Quellen des gefährlichen Atemgiftes. Dabei können bereits technische Defekte oder verstopfte Abluftrohre von Gasthermen, Ölheizungen oder Kaminöfen Auslöser für CO-Vergiftungen sein“, erläutert Hartmut Ziebs vom Deutschen Feuerwehrverband. 

Tragbare CO-Warner

Zum Eigenschutz seiner Mitarbeiter nutzt das DRK Schwalm-Eder seit vier Jahren für Rettungsdienst und Krankentransport tragbare CO-Warner. Bundesweit sei es bereits zu Unfällen aufgrund falscher Belüftung oder Handhabung von Feuerstätten gekommen, begründet ein DRK-Sprecher die Entscheidung. 

Man sehe ja nicht immer, warum eine Person bewusstlos in einer Wohnung liegen würde, erklärt Martin Heide, Rettungswachenleiter in Ziegenhain: „CO-Gas führt in kürzester Zeit zur Bewusstlosigkeit und dann zum Tod.“ 

Zweimal wurden DRK-Rettungskräfte bislang von ihren Messgeräten gewarnt. Bei einem Einsatz handelte es sich um einen Selbstmordversuch mit einem in einer Wohnung entzündeten Grill. Bislang werden Einsätze wegen Kohlenmonoxid von der Leitstelle Schwalm-Eder noch nicht mit einem eigenen Stichwort erfasst. 

Bei 1597 Feuerwehr- und 21 882 Rettungsdiensteinsätzen sei aber davon auszugehen, dass sich darunter auch CO-Vergiftungen befinden, sagte ein Sprecher: „Meist wird sich auch erst im Verlauf des Einsatzes ergeben, dass es um CO ging.“

Kohlenmonoxid-Melder bieten Schutz

Den besten Schutz vor Kohlenmonoxid bieten spezielle Warnmelder, ähnlich einem Rauchmelder. Ein Kohlenmonoxid-Melder misst permanent die CO-Konzentration in der Raumluft und erkennt bereits geringe Mengen des Atemgiftes. 

Nach Angabe der Initiative zur Prävention von Kohlenmonoxid-Vergiftungen sollten in Aufenthalts- und Schlafräumen sowie mindestens in Räumen mit brennstoffbetriebenen Geräten installiert werden. Bei Verdacht auf Kohlenmonoxid sollte man sofort die Feuerwehr verständigen.

Das Gas ist geruchslos

Die Gefahr ist geruchlos, geschmacklos, unsichtbar und im Extremfall tödlich. Die Rede ist von Kohlenmonoxid, kurz CO. Das nicht wahrnehmbare Gas entsteht bei unvollständiger Verbrennung und wird auch als „stiller Mörder“ bezeichnet – Betroffen ersticken innerlich.

Um sich vor Kohlenmonoxid zu schützen, nutzt der DRK Kreisverband Schwalm-Eder im Rettungsdienst CO-Warner. Man habe auf jeden, Rettungswagen, Krankentransportwagen und Notarzteinsatzfahrzeugen, ein Messgerät, sagt Rettungswachenleiter Martin Heide: „Die CO-Warner werden bei uns an den Taschen der Einsatzhosen getragen.“

Die Messgeräte dienen dem Eigenschutz der Helfer und seien für die alltägliche Arbeit sehr wichtig, betont ein Sprecher des DRK.

Auch Feuerwehren setzen verstärkt auf die kleinen Lebensretter. Erst kürzlich beschaffte die Feuerwehr Frielendorf drei CO-Warner: „Dadurch können wir bereits bei der Erkundung feststellen, ob sich in einem Gebäude Kohlenmonoxid befindet und entsprechende Maßnahmen einleiten“, erklärte Gemeindebrandinspektor Christian Nill.

Reale Gefahr

Die vom Deutschen Feuerwehrverband unterstützte Initiative zur Prävention von Kohlenmonoxid-Vergiftungen teilte jüngst mit, das seit Jahresbeginn deutschlandweit bereits 72 Menschen durch CO verletzt worden – fünf Menschen sind an einer CO-Vergiftung verstorben.

Gefährliches Atemgift

Kohlemonoxid ist ein Atemgift. Es ist etwas leichter als Luft. CO gelangt über die Lunge in das Blut, wo es sich anstatt von Sauerstoff an das Hämoglobin bindet. Es kommt zu einer Unterversorgung, welche besonders das Gehirn betrifft. Erste Anzeichen einer Vergiftung sind mit Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen verbunden.

„Nicht nur eine hohe Konzentration ist tödlich, auch geringe Dosen über einen längeren Zeitraum eingeatmet können zum Erstickungstod führen“, weiß Frielendorfs Gemeindebrandinspektor.

Gas geht durch Wände

Man merke nicht, wenn man Kohlenmonoxid einatme, denn es gebe keine typischen Symptome wie Husten oder Atemnot, informiert die Initiative CO-Macht Ko anlässlich einer Aktionswoche im Februar.

Durch seine geringe molekulare Größe kann das Gas mühelos durch Wände oder Fußböden dringen. Eine einzige defekte Heizung könne so ein ganzes Mehrfamilienhaus in Gefahr bringen, gibt die Feuerwehr Frielendorf zu bedenken.

Viele Ursachen

Ein blockierter Schornstein, defekte Heizungen, verstopfte Abluftrohre von Gasthermen, Ölheizungen oder Kaminöfen können Grund für Kohlenmonoxid in der Raumluft sein. Immer wieder kommt es auch durch in der Wohnung betriebenen Holzkohlegrills und Heizpilze zu tödlichen Unfällen.

Wartung ist wichtig

Schutz vor einer Kohlenmonoxidvergiftung bietet die regelmäßige Wartung von Heizungen, Gasthermen und Durchlauferhitzern sowie die regelmäßige Kontrolle des Schornsteins durch den Schornsteinfeger. Sofern möglich sollte man in der Küche lieber Umluft- statt Ablufthauben einbauen. 

Wichtig: Die Ablufthaube darf bei geschlossenen Fenstern nicht zur gleichen Zeit wie eine Gastherme betrieben werden (automatische Fensteröffnung erforderlich). Unter keinen Umständen darf man einen Holzkohlegrill oder einen Heizstrahler/Heizpilz in der Wohnung oder der Garage betreiben. Es empfiehlt sich geprüfte und zugelassene Kohlenmonoxid-Melder installieren. Diese ersetzen keine Rauchmelder.

Informationen: co-macht-ko.de

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