Er zeigt besondere Helden

Frielendorfer drehte Doku über Reformation

Lebt jetzt in Großropperhausen: Rainer Wälde hat sich als Filmemacher einen Namen gemacht. Sein jüngstes Werk stellt er beim Künstlersymposium vor. Foto: Grede

Großropperhausen. Rainer Wälde von der Gutshof Akademie in Großropperhausen ist nicht nur der Herausgeber des Großen Knigges, sondern auch preisgekrönter Dokumentarfilmer.

Beim Bildhauersymposium des Kultursommers Nordhessen in Spieskappel wird er seinen inzwischen prämierten Film „Schweizer Lichtgestalten“ über die Schweizer Reformation präsentieren.

Flüe, Zwingli, Calvin – den Beter, den Reformer und den Lehrer – verarbeitete Wälde zu Leinwandhelden. Über den katholischen Nationalpatron Flüe (oder Bruder Klaus) und die beiden Reformatoren wusste Wälde wenig, bis ein Schweizer Pfarrer an ihn herantrat. Er hätte gerne einen Film zur Schweizer Reformation gesehen -– und Wäldes Interesse war geweckt.

Ein Jahr lang wirkte er an dem Film. Allein 13 verschiedene Varianten des Drehbuchs habe er schreiben müssen, erzählt er. Warum? „Nicht immer stand meine subjektive Sicht mit der der beteiligten Wissenschaftler im Einklang“, sagt der 56-Jährige. Denn intensiv hatte er sich mit den drei Hauptakteuren beschäftigt.

„Warum verlässt ein Mann seine Frau und Kinder?“, fragte sich Wälde in Bezug auf Flüe, der als Einsiedler und Asket in die Schweizer Geschichte einging. Aus kritischer Perspektive sah er Zwingli im Zusammenhang mit seinem Verhältnis zu den Täufern: „Es klebt Blut an seinen Händen.“ Calvins Persönlichkeit erschien ihm etwas sperrig in seinem konservativem Glauben – und erinnerte ihn irgendwie an seinen Vater.

Aufnahmen auch in Marburg

Im historischen Lutherzimmer im Marburger Schloss, wo 1529 die Begegnung zwischen Luther und Zwingli stattfand, bei der die beiden Theologen über die Form des Abendmahls diskutierten, entstanden die ersten Aufnahmen mit der Reformationsbotschafterin des Rates der EKD, Margot Käßmann.

Sie kommentierte die historischen Religionsgespräche aus heutiger Sicht. Der Zusammenhang dazu, der sich für Wälde inzwischen durch seinen Umzug nach Großropperhausen ergeben hat, fasziniert ihn. Denn im benachbarten Spieskappel machte einst Luther auf seinen Weg nach Marburg Rast. Dort war Margot Käßmann als Pfarrerin tätig.

Seit 30 Jahren dreht Wälde Dokumentarfilme, war unter anderem für NBC Super Channel, den MDR und RTL tätig. Zuletzt erhielt er mehrere Auszeichnungen für seine Dokumentationen. In seinem jüngsten Werk drehte er erstmals mit Schauspielern. Das habe bis auf einen kleinen Lapsus gut funktioniert, erzählt er. Im Film lässt er die Schauspieler nicht reden, sondern innere Dialoge führen. Diese wurden von Synchronsprechern bespielt. „Plötzlich stellten wir fest, die Stimmen passen nicht zu den Personen und alles musste neu vertont werden.“ Im Film treffen eindrucksvoll gespielte Szenen auf die prachtvollen Aufnahmen von Originalschauplätzen. Auch der dramaturgische Kniff, dessen Wälde sich bedient, überzeugt: Drei Lebensgeschichten, die eigentlich hintereinander verlaufen, spielen sich in „Schweizer Lichtgestalten“ parallel ab.

Termin:Am Mittwoch, 17. Mai, wird der Film „Schweizer Lichtgestalten“ anlässlich des Künstlersymposiums in der Klosterkirche Spieskappel gezeigt werden. Beginn: 20 Uhr.

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