Freifunker aus Überzeugung

Frielendorfer teilt seinen Internetzugang mit dem Ort

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Das Motto von Philipp Hirsch aus Frielendorf: „Freies Internet für alle.“ Der Informatikstudent wünscht sich, dass in der Gesellschaft mehr geteilt wird. Foto: Brück

Frielendorf. Phillip Hirsch ist Freifunker aus Überzeugung und stellt in Frielendorf seinen Internetzugang kostenlos zur Verfügung - für ihn erst der Anfang einer Vision.

Wenn Informatikstudent Philipp Hirsch von Mesh-Netzen, WLAN-Knoten und VP-Netzwerken erzählt, kommen Laien schnell nicht mehr mit. Dabei ist die Grundidee ganz einfach: Der 27-Jährige will die Frielendorfer untereinander und seinen Heimatort mit der Welt vernetzen. „Die Vision ist, durch den Ort laufen zu können und dabei ständig einen Internetzugang zu haben“, sagt Hirsch.

Als ersten Schritt hat der Student seinen Internetanschluss kostenlos für jeden zugänglich gemacht. Wer sich in Reichweite des kabellosen Netzwerks befindet, kann dieses einfach nutzen. „Dafür muss man sich nicht anmelden. Das ist der Unterschied zu öffentlichen Netzen, wie sie etwa die Telekom betreibt“, erklärt Hirsch. Die Idee hierzu hat der gebürtige Frielendorfer von der Initiative Freifunk, deren Ableger in Kassel er Anfang des Jahres mitgegründet hat.

Die Freifunker setzen sich dafür ein, ein möglichst dichtes Netz an kostenfreien Internetzugängen aufzubauen. Hinter diesem Vorhaben steht der Gedanke, dass in der Gesellschaft mehr geteilt werden sollte. „Die meisten Menschen nutzen ihren Internetzugang den größten Teil des Tages nicht, weil sie etwa auf der Arbeit sind. Da nicht zu teilen ist schon sehr egoistisch“, sagt Hirsch. Insgesamt 99 Zugangspunkte wie in Frielendorf gibt es bereits in der Region. Im Schwalm-Eder-Kreis findet man neben Frielendorf auch in Treysa und Melsungen einen sogenannten Knoten.

Anbieter des Gratis-Internets müssen sich keine Gedanken über Abmahnungen machen, falls jemand ihren Zugang für kriminelle Aktivitäten nutzt. In einem solchen Fall würde die Abmahnung beim Verein der Freifunker landen. Das Netz von Freifunkern wie Philipp Hirsch kann aber noch mehr als vorhandene Internetzugänge für alle in der Nähe zugänglich zu machen. Alle Geräte innerhalb des Netzwerks sind miteinander verbunden. So ist es möglich, dass auch an einem Ort, an dem es aktuell keinen Internetanschluss gibt, ein Zugang eingerichtet wird.

Über die Verbindung zu anderen würde automatisch der nächste verfügbare Zugang benutzt werden. Aus diesem Grund ist es für die Idee der Freifunker wichtig, dass möglichst viele Menschen mitmachen „In Frielendorf bräuchte man gar nicht viele Knoten, um den ganzen Ort abzudecken“, erklärt Hirsch. Er will daher versuchen, noch mehr Leute für Freifunk zu begeistern. In Kassel konnten die Freifunker sogar eine Bäckereikette davon überzeugen, in ihren Filialen Zugänge anzubieten.

Im Schwalm-Eder-Kreis ist man noch nicht so weit. Die Politik hat aber erkannt, dass eine gute Verfügbarkeit von Internet wichtiger wird. So hat die CDU in der Stadtverordnetenversammlung Schwalmstadt einen Antrag gestellt, in dem die Verwaltung aufgefordert wird, Möglichkeiten für öffentliches Internet zu prüfen.

Eine Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden kann sich auch Hirsch vorstellen. Dabei sei aber zu beachten, dass es sich bei Freifunk nicht um ein Unternehmen handele. „Wir machen das alle freiwillig und können eine ständige Verfügbarkeit nicht gewährleisten.“

Ein solches Problem stellt sich in Frielendorf aktuell nicht. Bisher kennen nur wenige den kostenlosen Zugang. Die Auslastung von Philipp Hirschs Knoten ist daher gering. „Interessant wird es, wenn es mehr Zugänge in der Umgebung gibt.“

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