Nachruf

Vom Gutshof ins Gasthaus: Klaus Wilhelm ist mit 91 Jahren gestorben 

Der gelernte Gutshofverwalter Klaus Wilhelm stieg mit seiner Heirat 1953 in den Frielendorfer Gaststättenbetrieb, dem heutigen Hotel Hassia, mit ein.
+
Der gelernte Gutshofverwalter Klaus Wilhelm stieg mit seiner Heirat 1953 in den Frielendorfer Gaststättenbetrieb, dem heutigen Hotel Hassia, mit ein.

Er war ein Gastgeber, wie er im Buche stand. Zugewandt, direkt und für jedes Schwätzchen zu haben – Klaus Wilhelm ist nicht nur den Frielendorfern ein Begriff, viele Gäste begrüßte der Gastronom in den vergangenen mehr als 50 Jahren in seiner Gaststube und dem Hotel.

Jetzt ist Klaus Wilhelm im Alter von 91 Jahren gestorben.

Geboren wurde er in Kassel, wuchs mit drei Geschwistern auf. Der Krieg vertrieb die Familie nach Breslau, wo der Patenonkel Wilhelms lebte, schließlich fand die Familie in Hofgeismar eine neue Heimat. Der junge Klaus absolvierte eine Landwirtschaftslehre und besuchte danach die Fachschule in Witzenhausen, wo er zum Gutsverwalter ausgebildet wurde. Die erste Stelle fand er auf dem Schafhof in Ziegenhain. Als legendär beschreibt Sohn Fritz-Otto Wilhelm die Bauernbälle im früheren Gasthaus Schmidt in Frielendorf: Hier lernte Klaus Wilhelm die Tochter des Hauses, seine spätere Frau Ilsemarie kennen.

Es wurde eine Kegelbahn gebaut 

Das Paar heiratete 1953, ein Jahr später kam Sohn Alexander zur Welt, 1957 der weitere Sohn Fritz-Otto. Klaus Wilhelm stieg mit in den Betrieb ein, seinerzeit mit Gastwirtschaft und Kino. Der Großvater kaufte, um ihn zu beschäftigen, Waschmaschinen an, in denen die Wäsche der Bergleute gewaschen wurde – denn mit Klaus Wilhelm musste ja ein weiteres Familienmitglied beschäftigt werden. In den Betrieb brachte sich der Gutsverwalter mit vielen neuen Ideen ein, unter anderem wurde eine Kegelbahn gebaut.

Seinerzeit entdeckte Wilhelm auch die Jagd für sich, mehr als 60 Jahresjagdscheine hat er beantragt. Auch engagierte sich der Frielendorfer im Gaststättenverband Dehoga, 30 Jahre lang lenkte er die Geschicke des Kreisverbandes Ziegenhain, im Bezirksverband war er Schatzmeister. Zusammen mit seiner Frau züchtete er Zwergdackel.

Klaus Wilhelm war gern auf Reisen 

Mit großer Freude war Klaus Wilhelm Gastgeber, gern aber auch selbst Gast. „Er ist sehr gern verreist – privat, aber auch für den Verband. Zuletzt gern ans Meer, bis vor wenigen Jahren noch selbst mit dem Auto“, berichtet Sohn Fritz-Otto, der 1994 auch den Betrieb übernahm.

Bis kurz vor seinem Tod war Klaus Wilhelm in bestimmte Abläufe im Hotel eingebunden, „er hat sich den ehrenvollen Titel Frühstücksdirektor erarbeitet“. Bei gutem Wetter fand man Klaus Wilhelm stets in seinem drehbaren Bürostuhl vor der Hoteltür sitzend – immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen. „Er hat es geliebt, Geschichten zu erzählen, besonders im Kreis seiner Jäger. Da hat er seinen Spaß gehabt“, erzählt Fritz-Otto Wilhelm. Bis zuletzt war der Gastronom bei klarem Verstand, las täglich die Zeitung, spielte Karten und machte Kreuzworträtsel. Am vergangenen Freitag kam der 91-Jährige auf eigenen Wunsch ins Krankenhaus – zwei Tage später ist er friedlich eingeschlafen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.