Sie gab dem Dorf einen Mittelpunkt

Helga Hoos war im Gasthaus Schäfer die Seele und der Motor

Das Foto zeigt Helga Hoos aus Obergrenzebach.
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So ist sie vielen in Erinnerung: Helga Hoos aus Obergrenzebach strahlte Optimismus aus.

Sie war über viele Jahre das Gesicht, die Seele und der Motor der Gaststätte Schäfer in Obergrenzebach, jetzt ist Helga Hoos im Alter von 71 Jahren gestorben.

Obergrenzebach – Helga Hoos, geb. Schäfer stand in einer langen Tradition von Gastwirten. Gegründet worden war das Gasthaus 1886 von Urgroßvater Wilhelm Schäfer mit seiner Ehefrau Christine, zuerst mit Poststelle. Es folgte deren Sohn Wilhelm, 1947 Übergabe an Heinrich Schäfer mit Ehefrau Hildegart, die den Betrieb mit Landwirtschaft und Ferienpension führten, bis 1974 Helga Hoos und ihr Mann Johannes (Hans) Hoos als junges Ehepaar übernahmen.

Von klein auf war Helga Hoos mit allem vertraut, was das Gastgewerbe ausmachte, lernte durch Mitarbeiten direkt im Anschluss an die Schule im heimischen Betrieb. Als junge Chefin begann sie das Haus auf eine sehr persönliche, herzliche Art zu leiten, die viele Gäste aus dem Dorf und darüber hinaus sehr schätzten. Auch im großen Saal spielte sich ein Teil des sozialen Lebens vieler Obergrenzebächer ab. Zu Hochzeiten, Polterabenden oder Konfirmationen kamen Fußball-Siegesfeiern und die Probestunden des Männergesangvereins, Jahreshauptversammlungen, Betriebsfeste, Karnevalsveranstaltungen und Silvesterpartys. In der Gastwirtschaft kamen fidele Kartenspielrunden, Elektro-Darter, Lottospieler und Freundeskreise ganz verschiedener Altersgruppen oft und gerne zusammen. Es waren Zeiten, als in Obergrenzebach mehrere Lokale in dichter Nachbarschaft gut liefen.

Gaststätte Schäfer: Sohn übernahm Betrieb

Die Familie Hoos mit den beiden Kindern Annette und Michael lebte oben im Haus. In der Küche hinter dem Gastraum, wo Helga Hoos ebenfalls die Regie und das Sagen hatte und dabei gutbürgerliche Kost für kleine und große Gesellschaften zauberte, befand sich die Schnittstelle und familiäre Schaltzentrale. Energie und die gute Laune schienen ihr nie auszugehen, immer wieder wurde im Haus in der Dorfmitte umgebaut und erneuert. Ende der Achtzigerjahre endete der Pensionsbetrieb, stattdessen entstanden Mietwohnungen über dem hinteren Teil des Saals. Die Familie erbaute sich ein neues Wohnhaus innerhalb von Obergrenzebach und zog 1992 dort ein, Sohn Michael hatte den Betrieb übernommen und wurde von seinen Eltern unterstützt. Ihre Übersicht, Freundlichkeit und Tüchtigkeit stellte Helga Hoos noch einmal neu unter Beweis, als sie im Jahr 2000 zum Team des Backparadieses Jungclas in Ziegenhain kam, auch daher ist sie noch vielen Schwälmern lebhaft in Erinnerung.

Der Schicksalsschlag passierte im Mai 2008 im eigenen Heim, Herzstillstand, Reanimation. Von nun an hatte sie unter großen Einschränkungen der Bewegung und der Sprache zu leiden, war auf den Rollstuhl angewiesen. Als die Pflege zu Hause nicht mehr möglich war, zog sie ins Pflegeheim in Frielendorf, wo sie ab Mai 2015 lebte. Schließlich durfte sie noch einen Urenkel auf dem Schoß halten nach fünf Enkeln. Helga Hoos hatte in ihrem aktiven Leben Familienbande und Freundeskreis gepflegt, sie liebte das Reisen und das Wandern. Bei Vereins- und Gemeindefahrten oder in Kartenzirkeln war sie eine Garantin für Fröhlichkeit, ebenso am Wirtestammtisch. Gestorben ist Helga Hoos am Neujahrstag, schon über Monate war es ihr immer schlechter gegangen, eine Coronainfektion kam hinzu. Erst im Sommer vorigen Jahres hatte die Familie den Tod von Vater und Opa Hans zu beklagen. Bei der Trauerfeier auf dem Friedhof in Obergrenzebach würdigte Pfarrer Richebächer ihre Lebensleistung und ihr Talent als Wirtin, die den Menschen heitere Stunden und ihrem Dorf einen Mittelpunkt gab. Die Gaststätte Schäfer wird seit 2001 nicht mehr betrieben.  (aqu)

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