Mutterunternehmen in Ohio muss Schulden abbauen

Frielendorf: Hexion ist verkauft - Werk in Spieskappel hat neuen Eigentümer

Auf dem Werksgelände: Hexion Spieskappel mit rechts einem der Werksgebäude mit zwei Produktionslinien.
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Auf dem Werksgelände: Hexion Spieskappel mit rechts einem der Werksgebäude mit zwei Produktionslinien.

Das Unternehmen Hexion mit Sitz in Ohio verkauft Geschäftsbereiche an Black Diamond und Investindustrial. Die Transaktion betrifft rund 900 Beschäftigte sowie Produktionsstätten weltweit. Damit geht auch der Standort im Frielendorfer Ortsteil in Spieskappel an den neuen Eigentümer. Das bestätigt Michael Stahl, Hexion-Direktor für Marketing und Kommunikation.

Spieskappel - Hexion Ohio plant eine Verwendung der Verkaufserlöse für betriebliche Investitionen sowie zum Abbau seiner Schulden. Und der Käufer freut sich über den Erwerb von Rechten an weltweit bekannte Marken und Warenzeichen wie zum Beispiel Bakelite.

Wechselvolle Geschichte

In Spieskappel werden Kunstoffgranulate hergestellt. Beim 150-jährigen Bestehen des Chemiestandorts Spieskappel in 2018 waren dort 60 Menschen beschäftigt. Seit 1948 werden dort „duroplastischen Kunststoffe“ hergestellt – unvergessen der Werkstoff Bakelite. Bereits die Mönche des Klosters Spieskappel, auf dessen Gelände sich das Werk befindet, waren Experten in Sachen Chemie. Sie beschäftigten sich mit Herstellung von Farbpulver. In dieser Tradition stand im 19. Jahrhundert die Erzeugung von „Kasseler Braun“.

Luftaufnahme aus dem Jahr 1990 des ehemaligen Klosters Spieskappel mit der Klosterkirche: Der Kunststoffhersteller hieß damals noch Bakelite.

Wechselvoll ist in jüngster Vergangenheit die Namensgebung des Spieskappeler Unternehmens. In den Nachkriegsjahren firmierte das Unternehmen unter dem Namen Farbwerke Urban. Der Name wurde auch beibehalten, während das Werk von 1968 bis 1976 zu den Farbwerken Höchst gehörte, heißt es in der Firmenchronik. 1976 wurde das Unternehmen mit dem Kauf der Rütgers Werke in Bakelite umbenannt. Vor 15 Jahren übernahm der amerikanische Finanzinvestor Apollo das Werk und es gehört zur Hexion GmbH. Für kurze Zeit wurde es in Momentive umbenannt.

Bürgermeister lobt enge Verbundenheit zum Ort

Welche Konsequenzen der Verkauf für den Spieskappeler Standort haben wird, weiß Michael Stahl nicht. Es sei davon auszugehen, dass sich der Unternehmensname erneut ändern werde. Der Abschluss der Transaktion soll in Abhängigkeit von aufsichtsbehördlichen Genehmigungen und sonstigen Abschlussbedingungen sowie nach Beratungsgesprächen mit dem Betriebsrat innerhalb des ersten Quartals 2021 erfolgen.

Zwar habe der Firmenname häufig gewechselt, meint Frielendorfs Bürgermeister Thorsten Vaupel, geblieben seien aber die enge Verbundenheit des Ortes und der Gemeinde mit dem Werk. Das Werk könne aber auch gerade deshalb auf so eine lange Geschichte zurückblicken, weil die Mitarbeiter sich mit „ihrem“ Werk identifiziert und ihm verbunden geblieben seien: „In dieser langen Geschichte haben Mitarbeiter von Urbans, Bakelite, Momentive oder jetzt eben Hexion immer wieder ihre Tatkraft bewiesen sowie ihre Fähigkeit, auf neue Situationen angemessen zu reagieren.“

Unternehmen mit langer Geschichte:

  • Im Jahr 1868 hatte der Unternehmer Johann H. Maeckel als Betreiber der Grube „Elise“ mit der Herstellung von „Kasseler Braun“ begonnen; „Farbkohlengrube van Dyck“, Gewinnung brauner Farbeaus Farbkohle.
  • 1873 übernahm Franz Gramm den Betrieb („Gramm’s Loch“)
  • 1906 Verkauf an die Vereinigte Farbwerke Wilhelm Urban Co. Act. Gesellschaft, Kassel
  • 1939 Übernahme durch Schröder & Stadelmann/Oberlahnstein
  • Die Farbwerke Urban GmbH begannen 1948 mit der Erzeugung Duroplastischer Kunststoffe
  • In den 1950er-Jahren Spezialisierung auf die Herstellung von Phenolharz-Pressmassen (Vertrieb unter dem Namen „Urbanit“)
  • Anfang der 1960er-Jahre waren die Farbwerke Urban das viertgrößte Unternehmen in der Herstellung von härtbaren Formmassen in Deutschland
  • 1968 übernahmen die Farbwerke Hoechst AG das Werk in Spieskappel
  • 1976 Verkauf an die Rütgerswerke AG, Frankfurt/Main, und Firmierung unter dem Namen Bakelite; die Bakelite AG übernahm als Marktführer die Unternehmensführung und baute das Werk zu einem Spezialitätenstandort aus
  • Mitte der 1990er-Jahre ca. 100 Beschäftigte und einer der führenden Hersteller von Duroplast-Kunststoffen weltweit
  • August 2005 Fa. Hexion Speciality Chemikals
  • Vier Jahre Standortgarantie haben die deutschen Werke der vormaligen Bakelite AG – jetzt Hexion Specialty Chemicals GmbH (Iserlohn) – mit dem Abbau von 170 Arbeitsplätzen bezahlt. Davon wurden 85 in Iserlohn-Letmathe gestrichen, 82 weitere in Duisburg und drei in Frielendorf.
  • November 2010 Momentive Speciality Chemikals GmbH
  • Januar 2015 Hexion GmbH.

Von Sylke Grede

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