Frische Kleidung gegen Krebsgefahr

Hygienekonzept der Frielendörfer Wehren wird stark beachtet

Bei einem Wohnungsbrand in Spieskappel: Der schwarze Rauch ist nicht nur während des Einsatzes eine Gefahr. Rußpartikel auf der Kleidung stehen im Verdacht Krebserkrankungen zu begünstigen.
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Bei einem Wohnungsbrand in Spieskappel: Der schwarze Rauch ist nicht nur während des Einsatzes eine Gefahr. Rußpartikel auf der Kleidung stehen im Verdacht Krebserkrankungen zu begünstigen.

Erst wenige Stunden offiziell eingeführt, bewährte sich das neue Hygienekonzept der Feuerwehr Frielendorf bereits beim Wohnungsbrand in Spieskappel Ende März.

Frielendorf – Noch an der Einsatzstelle konnten die Atemschutzgeräteträger ihre unter anderem durch Ruß verschmutze persönliche Schutzausrüstung wechseln und saubere Bekleidung anziehen. Die Verbrennungsrückstände auf der Bekleidung seien ein Problem, weil sie im Verdacht stünden, krebserregend zu sein, weiß Matthias Haaß, einer von zwei stellvertretenden Gemeindebrandinspektoren in Frielendorf und Initiator des Systems: „Man spricht in dem Zusammenhang auch von Feuerkrebs oder Fire Cancer.“ Aktuell laufen unter anderem seitens der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) Untersuchungen, die sich mit dem Thema „Krebs im Feuerwehrdienst“ beschäftigen. In der Informationsschrift „Hygiene und Kontaminationsvermeidung bei der Feuerwehr“ habe die DGUV bereits entsprechende Vorgaben gemacht, erklärte Haaß: „Das ist damit gewissermaßen Stand der Technik.“

Durch an Fahrzeugen angebrachte Waschmöglichkeiten, sogenannte Hygieneboards, war es den Frielendorfer Feuerwehrleuten bislang zwar schon möglich, Hände und Gesicht zu reinigen, die verschmutzte Kleidung konnte aber oft erst am Feuerwehrhaus gewechselt werden.

Aus Verantwortung gegenüber den eigenen Einsatzkräften habe man sich im vergangenen Jahr daher dazu entschlossen, das vorhandene Hygienekonzept weiter auszubauen, so der stellvertretende Gemeindebrandinspektor: „Um eine hohe Akzeptanz zu erreichen, wollten wir es möglichst einfach gestalten.“

Kern des Systems ist der bereits eingeführte Rollcontainer Atemschutz. Dort sind Atemschutzgeräte, Atemluftflaschen und Atemmasken verladen. Der Rollcontainer gehört zur Beladung des Gerätewagens Logistik. Zusätzlich habe man auf dem Container nun die Wechselbekleidung untergebracht, sagt Haaß: „Dabei handelt es sich um Feuerwehrbekleidung in verschiedenen Größen.“ Großer Vorteil: Feuerwehrleute können noch während eins laufenden Einsatzes ihre persönliche Einsatzbereitschaft wieder herstellen und stehen für weitere Aufgaben zur Verfügung.

Um Platz zu sparen, ist die Wechselbekleidung in Vakuumbeutel verpackt. Die verschmutzte Ausrüstung kommt in wasserlösliche Wäschebeutel. Damit müsse auch in der Wäscherei niemand mehr die kontaminiere Bekleidung anfassen, sagt Haaß: „Für die schnelle und grobe Reinigung von Händen und Gesicht haben wir auch noch spezielle Reinigungstücher auf dem Rollcontainer.“

Die Beladung des Rollcontainer Atemschutz/Hygiene reicht für die meisten Einsätze aus. Verladen sind sechs Bekleidungssätze in gängigen Größen. Sollte mehr Bekleidung notwendig werden, können die Frielendorfer Wehren auf die Ressourcen der Interkommunalen Kleiderkammer zurückgreifen. „Wir haben uns im Vorfeld die Statistiken der vergangenen Jahre angesehen und in der Regel kamen zwei bis drei Atemschutztrupps – ein Trupp besteht aus zwei Feuerwehrangehörigen – zum Einsatz“, erklärt der stellvertretende Gemeindebrandinspektor. Dass die Feuerwehr Frielendorf im Trend liegt, zeigt auch ein Blick auf die Facebook-Seite: „Die Vorstellung unseres Konzepts wurde bereits von 26 000 Personen gesehen“, freut sich Matthias Haaß. (Sandra Rose)

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