Kein Tag ohne Emailletopf

Großropperhausen: Reinert und Annemarie Schmidt heirateten vor 60 Jahren

Das Hochzeitsgeschenk ist noch täglich in Gebrauch: Annemarie und Reinert Schmidt mit dem Emaillekochtopf – ein Geschenk der Gebrüder Haaß an die einstigen Gastwirte.
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Das Hochzeitsgeschenk ist noch täglich in Gebrauch: Annemarie und Reinert Schmidt mit dem Emaillekochtopf – ein Geschenk der Gebrüder Haaß an die einstigen Gastwirte.

Dass Liebe durch den Magen geht, braucht man Reinert und Annemarie Schmidt nicht zu sagen. Ihr kleiner Kochtopf aus türkisfarbener Emaille erinnert sie jeden Tag daran. Es war mit ein paar Fässern Bier das Hochzeitsgeschenk der Gebrüder Haaß vor 60 Jahren.

Großropperhausen. Seitdem ist das Töpfchen in Gebrauch – täglich. „Irgendetwas finde ich immer, das ich darin kochen kann“, sagt die 81-Jährige und zeigt auf das Foto mit den Hochzeitsgästen, das neben Familie, Nachbarn und Bekannten auch die Brauerei-Gebrüder zeigt.

Ein paar Jahre zuvor, 1957, hatten die Eltern von Reinert Schmidt (84) die Gastwirtschaft „Zum Roten Adler“ von Zieglers gekauft. 1957 war es auch, als sie sich in Großropperhausen kennen lernten – auf der Hochzeit von Waffeks nebenan. „Sie hat mir auf Anhieb gefallen“, sagt Reinert Schmidt über seine Annemarie. Doch auch, wenn es bei beiden gefunkt hatte – es hielt die junge Großropperhäuserin nicht von ihren Plänen ab, als Kindermädchen nach Frankfurt zu gehen. „Ich wollte gern Großstadtluft genießen“, sagt Annemarie Schmidt. Ihr Reinert kam in den knapp drei Jahren regelmäßig mit dem Zug nach Frankfurt gefahren – am 27. Mai 1961 läuteten die Hochzeitsglocken in Großropperhausen, einen Tag zuvor, heute vor 60 Jahren, war die standesamtliche Trauung.

Hochzeit vor 60 Jahren: Annemarie und Reinert Schmidt aus Großropperhausen.

Neben der Gastwirtschaft sorgte eine Landwirtschaft für das Familieneinkommen, 1962 und 1963 sowie 1968 und 1969 wurden ihnen ihre vier Kinder Armin, Ilona, Sonja und Carmen geschenkt. Es war viel Leben in dem großen Haus mitten in Großropperhausen, auch wenn Schmidts Ende der 60er-Jahre die Gastwirtschaft aufgaben. Reinert Schmidt hatte sich die Rinderklauenpflege angeeignet und machte sich über 30 Jahre lang mit seinem Spezialwagen als Klauenpfleger in der Region einen Namen. Die Arbeit im Stall und auf dem Feld bestimmte vor allem für Annemarie Schmidt den Alltag. „Melken muss ich immer“, pflegte sie zu sagen – Kristina Fiand vom Künstlerhof schräg gegenüber hat daraus ein kleines Büchlein gemacht.

Erst als sie die Landwirtschaft 1999 aufgaben, hatten die Eheleute mehr Freiheiten für gemeinsame Reisen und eigene Hobbys. Begeistert kehrten sie von ihrer ersten gemeinsamen Flugreise zurück – die Fahrt mit den Landsenioren nach Mallorca war vor zehn Jahren ein Geschenk zur Goldenen Hochzeit. Auch hat Reinert Schmidt, der in der Provinz Posen geboren wurde und nach dem Krieg in Polen Flucht und Vertreibung erlebte, bei einem Malkurs in Willingshausen sein Talent wiederentdeckt. Zu den Bildern, die im stattlichen Saal der ehemaligen Gastwirtschaft lagern, gehört auch der mittlerweile abgerissene Aussiedlerhof auf dem Bundeswehrgelände in Grebenhagen – Reinert Schmidts erstes Zuhause in Hessen.

„Wir halten zusammen“, sagt das rüstige Ehepaar anlässlich seiner Diamantenen Hochzeit heute. Und darüber freuen sich nicht nur ihre vier Kinder, zehn Enkel und vier Urenkel. (Kerstin Diehl)

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