Kritische Fragen zur Drogenhilfeeinrichtung in Gebersdorf

Sachliche Diskussion: Bürgerversammlung zum Thema Drogenhilfeeinrichtung für Jugendliche. Fotos: Haaß

Gebersdorf. In einer sachlichen Atmosphäre verlief eine Bürgerversammlung zum Thema „Drogenhilfeeinrichtung für Jugendliche" in Gebersdorf. Rund zwanzig Interessierte waren in das Dorfgemeinschaftshaus gekommen. Ende Mai soll die Einrichtung Anfang Mai bereits in Betrieb gehen.

Noch einmal stellte der Träger und Betreiber der Einrichtung, Atila Darabos, sein Konzept vor. Horst Abel vom Jugendamt des Schwalm-Eder-Kreises stand ebenfalls Rede und Antwort. Man sei zusammengekommen um Bedenken anzusprechen und Ängste auszuräumen, sagte Frielendorfs Bürgermeister Birger Fey.

Der wohl zentrale Satz fiel am Ende der Versammlung und brachte den Diskussionsverlauf auf den Punkt. „Wir sind gar nicht gegen die Jugendlichen, sondern wollen nur wissen, wie das läuft“, sagte ein Bürger und kritisiert den intransparenten Start des Projekts.

Horst Abel

Abermals wurde deutlich, dass sich die Bewohner des 95-Einwohner-Dorfes sowohl vom Betreiber, aber auch von der Kommunalpolitik übergangen und schlecht informiert fühlen. Birger Fey zeigte Verständnis für den Vorwurf. Er habe die Probleme der Betroffenen so nicht gesehen. Erst durch einen Beschwerdebrief der Bürgerschaft sei ihm die Tragweite bewusst geworden, erklärte Fey: „Wenn, dann liegt der Fehler bei mir.“

Zuvor hatte Atila Darabos die seiner Drogenhilfeeinrichtung zugrunde liegende Idee in groben Zügen skizziert. Geplant ist die sukzessive Aufnahme von bis zu zwölf Jugendlichen, welche von acht Fachkräften langfristig betreut werden. Auch nachts sei immer ein Betreuer im Haus, erklärte der Sozialpädagoge: „Ziel ist es, die Lebensfähigkeit der Jugendlichen wieder herzustellen. Wir versuchen, sie wieder in die Gesellschaft zurückzuführen.“

Nicht nur ehemalige Drogensüchtige sollen laut Darabos in der Gebersdorfer Einrichtung eine Heimat finden, sondern das liberale Konzept umfasse unter anderem auch die Betreuung von Spielsüchtigen und Computersüchtigen. „Es gibt nicht den speziellen Jugendlichen, der zu uns kommt“, sagte der Betreiber. Ausschlusskriterium sei aber auf alle Fälle extreme Kriminalität.

Die teilweise sehr gut vorbereiteten Gebersdorfer stellten im Verlauf der knapp zweistündigen Versammlung detaillierte und durchaus kritische Fragen. So bemängelte einer der Anwesenden einen fehlenden Psychologen und eine Bewohnerin war der Ansicht, dass ein Nachtbetreuer für zwölf Heranwachsende zu wenig sei. Auch Versicherungsfragen wurden thematisiert. Geduldig beantworte der Betreiber jede einzelne Frage und warb um Verständnis: „Die Einrichtung ist als Zuhause gedacht.“

Um zukünftig auf Probleme zwischen Jugendlichen und Dorfgemeinschaft schnell reagieren zu können, schlug Bürgermeister Birger Fey einen „Runden Tisch“ vor. In Kürze soll ein gemeinsamer Grillabend das Eis zwischen den Gebersdorfern und der Drogenhilfeeinrichtung endgültig brechen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.