Malerdorf zwischen Schwalm und Knüll

Der Künstler Jacob Happ wirkte in Obergrenzebach

Das Ölgemälde zeigt zwei Schwälmer Mädchen auf einer Wiese unterhalb von Grenzebach
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Dieses Gemälde entstand 1901. Gemalt hat es Jacob Happ.

Durch unsere Veröffentlichung des Gedichts „Die Influänz“ aus dem Mundartband „Kreizschwerneng, Spass muss seng“ rückt der Illustrator des Büchleins in den Blick: der Maler Jacob Happ.

Obergrenzebach – Von 1894 bis 1921 weilte der Frankfurter Kunstmaler Jakob Happ häufig über längere Zeit in Obergrenzebach. Happ malte Bilder von Kindern, jungen Mädchen und alten Männern. Während seines Aufenthaltes in Obergrenzebach wohnte Happ bei dem Kleinbauern Lohrey. Das Haus in der Ortsmitte zählt zu einem Hofensemble, in dem auch Elisabeth Deisenroth mit ihrer Familie in ihrem Elternhaus lebt. Die 83-Jährige kann sich noch gut an Berichte ihrer 1894 geborenen Tante Barbara Elisabeth Lingemann über den Maler Happ und seine Obergrenzebacher Modelle erinnern. So habe er häufig die drei Lohrey-Töchter Matleis ( Martha Elisabeth), Annleis ( Anna Elisabeth,) Anngetreng (Anna Katharina) gemalt. Mutmaßlich sind es auch Matleis und Annleis, die auf dem Lieblingsbild des Ziegenhainer Kunstsammler Johannes Prinz zu sehen sind. Es zeigt die beiden Mädchen beim Flechten eines Blumenkranzes auf einer Wiese unterhalb von Obergrenzebach.

Jacob Haoo in Obergrenzebach: Enge Freundschaft zu Lehrern der Region

Im Hause Lohrey hatte er ein Zimmer, in dem er schlief und auch malte, wissen Elisabeth Deisenroth wie auch Johannes Prinz zu berichten. Die Stube hatte er mit einer von ihm gemalten Schwälmer Borde verziert. Vor dem Bett stand ein alter Schwälmer Hechtelstuhl, der zum Nachttisch umfunktioniert war, erzählt Kunstsammler Prinz. Am Fenster befand sich eine Schwälmer Truhe, in der Happs Siebensachen untergebracht waren. Diese Truhe existiert laut Elisabeth Deisenroth noch. Sie steht inzwischen bei ihrem Großneffen, der an der Nordsee lebt. Wegen Platzmangels im Hause Lohrey musste Happ größere Bilder im Schulsaal malen. So soll in der Schulscheune ein Ölgemälde entstanden sein, das eine Kindergesellschaft darstellte, die auf einem Wägelchen fuhr. Mit dem Schulrat Johann Heinrich Schwalm (Mitautor des Mundartbandes), damals Lehrer in Obergrenzebach, verband Happ eine enge Freundschaft, ebenso mit den Lehrern in Seigertshausen, Schönborn und Großropperhausen, so Prinz.

Für das Modell stehen bekamen die Kinder ein Bonbon.

Als Happ zum ersten Mal in Obergrenzebach auftauchte, rief die jüngste Schwalm-Tochter: „Dort unten auf der Wiese sitzt ein fremder Mann, der malt die Kinder ab. Zieh mich neu an.“ Das berichtet der Patenneffe des Schulrats aus den Lebenserinnerungen des Obergrenzebacher Lehrers im Schwälmer Jahrbuch 1985. An die Kinder, die er malte, verteilte Happ „Zuckersteine“ – Bonbons . Großen Spaß soll Happ zusammen mit einem der Obergrenzebacher Jungen gehabt haben: „Wie ein treuer Hund begleitet ihn besonders Johannes Quehl“, heißt es in Schwalms Lebenserinnerungen. Der soll eines Tages heftig aufgestoßen haben. Happ sagte: „Hänns, das macht man nicht“. Hännes rülpste wieder, aber Happ tat, als hätte er nichts gehört. Darauf Hännes: „Happ, es höt mr offgekrotzt.“ Bei den Obergrenzebachern war Happ laut Schulrat Schwalm allgemein beliebt. Sie vertrauten dem Frankfurter und wenn er in Häusern bis in die Böden kroch, sagten sie höchstens: „Bär eß do drouße? De Happ?“. Auch das Skizzieren ging Jacob Happ schnell von der Hand. In den Erinnerungen des Schulrats Johann Heinrich Schwalm heißt es: „Die Zeichnungen zu dem Titelbild und den Illustrationen zu „Kreizschwerneng“ und „Schwälmer Wees“ und „Junker Hoose“ sind Zeugen seiner Kunst und von den schönen Zeiten, als der Maler Happ bei uns in Obergrenzebach weilte“. (Sylke Grede)

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