Mönche nutzten Wasserkraft

Frielendorf: Marktflecken ist ohne Ohebach nicht denkbar

Der Ohebach fließt unter der Bahnviadukt bei Spieskappel hindurch.
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Romantisch präsentiert sich der Verlauf der Ohe unterhalb des Bahn-Viadukts in Spieskappel

Entscheidend für den Standort einer Siedlung war oft die Verfügbarkeit von Wasser. Viele Dörfer liegen darum an einem Bach. In unserer kleinen Serie schauen wir uns die Gewässer genauer an.

Frielendorf. Nachdem wir uns im ersten Teil unserer Serie über „Dorfbäche im Altkeis Ziegenhain“ dem Rehbach gewidmet haben, werfen wir heute einen Blick auf die Ohe. Zugegeben, nicht ganz zufällig, denn der Rehbach mündet in der Ohe und daher bietet sich dieser Anknüpfungspunkt geradezu an. Passenderweise sei das letzte Teilstück des Rehbachs von Frielendorfern als Rehwasser bezeichnet worden, erzählte uns ein Leser nach dem ersten Serienteil und fügte schmunzelnd an: „Damit hätte der Bach sogar drei Namen.“

Nun aber genug vom Rehbach, denn es soll ja um die Ohe gehen. Frielendorf ist eng mit dem Bach verbunden. So mancher bezeichnet den Marktflecken auch heute noch als Ohetalgemeinde – ein kleiner Adelsschlag für dén Wasserlauf, der durchaus seine Berechtigung hat, durchzieht die Ohe doch einen ziemlich großen Teil des Gemeindegebiets.

Der Ohebach beziehungsweise umgangssprachlich die Ohe, hat eine große Bedeutung für den Marktflecken Frielendorf. Man spricht ja auch von dem Marktflecken an der Ohe.

Der heutige Kernort Frielendorf war bereits im Mittelalter zur Ansiedlung geeignet, weil Frielendorf nicht nur an der Hauptstraße „die langen Hessen“ lag, sondern eben auch an der Ohe, sagt Frielendorf Bürgermeister Thorsten Vaupel: Jeder Frielendorfer, der was auf sich halte, habe schon einmal in der Ohe gelegen, so der Verwaltungschef schmunzelnd: „Mich hat es in der Kindheit mehrfach erwischt, weil mich die Ohe magisch angezogen hat. Auch meine Frau Isabelle hat des Öfteren in der Ohe gelegen. Denn auch in Verna war und ist der Bach ein beliebter (Spiel-)Platz. Früher konnte man auch noch auf der Ohe Schlittschuhlaufen.“

Quellgebiet

Das Quellgebiet des Ohebachs liegt an der Ostgrenze von Frielendorf in einem Dreieck zwischen Großropperhausen, Leuderode und dem Homberger Stadtteil Steindorf im Knüll. Der Bach speist sich aus mehreren Zuläufen in einer Höhe von 500 Metern über Normal Null. Ihren Weg führt die Ohe durch Großropperhausen, Spieskappel, Frielendorf, Allendorf und Verna. Auf Homberger Gebiet geht es an Lützelwig vorbei bis nach Caßdorf – dort mündet der Bach nach gut 21 Kilometern in die Efze. Sechs kleinere Bäche – darunter der Schachtebach und der Rinnerbach geben ihr Wasser in die Ohe ab.

Interessant übrigens die Bezeichnung des Wasserlaufs: Während der Volksmund die Ohe sagt – also die weibliche Form – nutzt, heißt es auf Kartenmaterial: Der Ohebach. Landläufig hat sich aber die Kurzversion eingebürgert.

Von der Quelle bis zur Mündung: Verlauf des Ohebachs

Wasserkraft

Die Ohe dient den Menschen in den vergangenen Jahrhunderten nicht nur als Wasserlieferant und als natürliches Abwassertransportsystem, sonder ermöglichte auch den Betrieb von Mühlen. So gehörten zum Beispiel zu der Klosteranlage in Spieskappel zwei Mühlen – die Mönchsmühle und die Barthelsmühle. „Um die Mühlen mit Wasser zu versorgen musste ein Mühlgraben angelegt werden, der bei Ebersdorf Wasser entnahm, durch Oberkappel in den Klosterbereich führte und dort zunächst die Mönchs- und dann die Barthelsmühle mit Wasser speiste“, schreibt Spieskappels Chronist Karl Schmidt.

Hochwasser

Hochwasser war und ist bei der Ohe immer wieder ein Thema. Oft ist es eine Katastrophe mit Ansage. Wenn in Großropperhausen der Bach über die Ufer steigt, können sich auch die Bewohner der unterhalb gelegenen Orte auf Hochwasser einstellen, das in der Vergangenheit manchmal sehr heftig ausfiel.

So berichtet Waltraud Resse in der Frielendorfer Chronik, von einem Hochwasser, das Anfang der 1930er Jahre beinahe ein Menschenleben kostete. Damals sei ein das Wasser so schnell gekommen, dass der alte Scheiner Hämel es nicht mehr rechtzeitig aus seiner Werkstatt geschafft habe, erinnert sich Reese.

Die Kraft des Wassers war erschreckend, es bestand die Gefahr, dass die Ohe die Stützpfeiler des Hauses wegreist, so Zeitzeugin Reese weiter: „Nach diesem Hochwasser wurden an den in der Ohe stehenden Pfeilern der Schreinerei Hämel Wellenbrecher angebracht.“ Durch Hochwasserschutzmaßnahmen und Renaturierung konnte die Situation in den vergangenen Jahren entschärft werden. An verschiedenen Stellen, unter anderem bei Allendorf, findet der Bach nun Platz, um sich bei Hochwasser ausbreiten zu können. Davon profitieren Mensch und Natur gleichermaßen. (Matthias Haass)

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