Zweite konzertierte Aktion in diesem Jahr

Nazi-Schmierereien: Die Ratlosigkeit bleibt

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Konzertierte Aktion: 18 Verkehrszeichen wurden direkt an der Bundesstraße über eine Strecke von mehr als 20 Kilometern mit rechten Parolen besprüht, hier das Schild, das zur Melanchthon-Schule weist.

Frielendorf/Willingshausen/Schwalmstadt. Unbekannte hatten in der Nacht zu Samstag an den Bundesstraßen zwischen Verna und Riebelsdorf Verkehrszeichen mit Nazi-Symbolen beschmiert.

„So eine Tat darf nicht einfach weggewischt werden“, sagt Stephan Bürger, Leiter des Projekts „Gewalt geht nicht!“ des Schwalm-Eder-Kreises.

Das sei in diesem Jahr die zweite konzertierte Aktion, bei der Parolen in größerem Umfang hinterlassen wurden, erklärt Bürger. Zuvor waren im Februar Aufkleber an mehreren Schulen von den sogenannten Identitären, einer neuen rechten Bewegung, an vier Schulen in Homberg und einer in Borken aufgetaucht (wir berichteten). Das sei eine ebenso größere Streuung gewesen, wie die Aktion am Wochenende, meint Bürger.

Vieles spreche dafür, dass für beide Aktionen ein gewisser Grad an Vorbereitung nötig gewesen sei. So hätten die Täter am Wochenende beispielsweise eine spezielle Farbe gemischt, die nicht zu entfernen sei, sagt Bürger. „Wir sehen uns bestätigt, dass es weiterhin eine erhöhte Aufmerksamkeit für den Bereich des aktuellen Rechtsextremismus im Schwalm-Eder-Kreis braucht, sagt der Experte.

Offenbar werde, dass es die rechtsextrem denkenden Protagonisten noch immer im Landkreis gebe. Diese seien in der jüngeren Vergangenheit aber nicht öffentlich aufgefallen. „Wir gehen aber davon aus, dass bei einigen die rechtsextreme und menschenverachtende Ideologie noch vorhanden ist“, so Bürger. In den vergangenen Jahren sei ein kontinuierlicher und deutlicher Rückgang an Straftaten zu verzeichnen. „Das ist aber kein Grund sich darauf auszuruhen“, sagt Bürger.

Reaktionen auf die Schmiererei hatte es am Montag auch an der Melanchthon-Schule Steinatal gegeben. Dort war unter anderem das Hinweisschild von der Bundesstraße zur Schule mit der Aufschrift „Auschwitz“ besprüht worden. In einer Andacht am Montagmorgen sei das Thema aufgegriffen worden, sagt Schulleiter Claus-Hartwig Otto. „Das Ganze ist ärgerlich und lässt uns ratlos zurück.“

Hinweise: Das Projekt „Gewalt geht nicht!“ will bei Fragen zum Rechtsextremismus helfen und beraten.

• Kontakt: Projekt „Gewalt geht nicht!“, Stephan Bürger, Tel.: 05681-775 590, E-Mail: stephan.buerger@schwalm-eder-kreis.de, Homepage: www.gewalt-geht-nicht.de

• Im Zusammenhang mit der Aktion am Wochenende ermitteln die Kripo und der Staatschutz in Homberg, Tel. 0 56 81 /7 74 0

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