"Es muss auch mal einen Schlag auf die Pauke geben"

Mäßiges Interesse: Halbvoller Saal bei Infoabend zur Stromtrasse

Vertreter von Tennet: Andrea Thiel und Marius Strecker.

Frielendorf. Der Frielendorfer Protest gegen die Höchstspannungstrasse Südlink erklingt eher verhalten.

Zur Informationsveranstaltung der Gemeinde Frielendorf kamen am Mittwochabend rund 160 Menschen. Damit waren die vorgesehenen Sitzplätze in der Silbersee-Alm nur etwa zur Hälfte besetzt. Ingmar T. Theiß von der Bürgerinitiative gegen Südlink wertete das als Erfolg: „Das Glas ist halb voll, nicht halb leer."

Neben dem Sprecher der Bürgerinitiative gegen Südlink, Bernd Herbold, nahmen der Bürgermeister der Gemeinde Frielendorf Birger Fey und Neuensteins Bürgermeister Walter Glänzer an der Podiumsdiskussion teil. Für den Netzbetreiber Tennet waren Marius Strecker und Andrea Thiel an den Silbersee gekommen.

Zusätzlich hatte der holländische Netzbetreiber noch sechs Mitarbeiter mit umfangreichem Informationsmaterial nach Frielendorf geschickt.

Das Planungsverfahren

Bürgermeister Birger Fey sprach sich vorbehaltlos für die Energiewende aus, sah aber die Zukunft eher in dezentralen Versorgungslösungen. „Südlink jetzt durchzupeitschen, wäre fatal. Das Planungsverfahren sollte ausgesetzt werden“, machte Frielendorfs Rathauschef seine Bedenken gegenüber der Gleichstromleitung deutlich.

Marius Strecker und Andrea Thiel von Tennet nutzten ihre Redezeit für einen Powerpoint-Vortrag und bombardierten die Zuhörer mit Informationen. Es ging um blaue und graue Linien, Planungsellipse, Untersuchungskorridore und Untersuchungsräume. Nach knapp 40 Minuten Vortrag ohne Pause waren die meisten Zuhörer sichtlich erschöpft. Wie ein Mantra versuchte besonders Strecker seine Kernbotschaft zu vermitteln und erklärte mehrfach: „Alles, was wir diskutieren, ist vorläufig. Wir befinden uns immer noch vor dem Verfahren. Es geht also noch nicht um eine Festlegung eines Trassenkorridors.“

Der Protest

Neuensteins Bürgermeister Glänzer hielt auf humorvolle Art dagegen. „Verstehen Sie das jetzt nicht als Aufforderung zur Straftat, aber es muss auch mal einen Schlag auf die Pauke geben“, warb er für Demonstrationen und breites Engagement. Darüber hinaus forderte er die Frielendorfer auf, sich nicht mit wachsweichen Antworten zu begnügen: „Stellen Sie konkrete Fragen, und fordern Sie auch konkrete Antworten.“

Die Frielendorfer nutzen die Möglichkeit für harte Fragen nur sehr verhalten. Alle Vorschläge seien doch noch nicht verbindlich, erklärten Thiel und Strecker unisono.

Nach knapp zweieinhalb Stunden beendete Moderator Thorsten Vaupel die Diskussionsrunde. Die Ausführungen des Netzbetreibers konnten die wenigsten im Saal überzeugen. „Ich bin bestrebt eher den anderen, als Ihnen zu glauben“, erklärte Hanno Hassloch vermutlich für eine Vielzahl der Anwesenden.

Von Matthias Haaß

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