Weihnachten als Chance Daniel Richebächer über das besondere Fest

Pfarrer Daniel Richebächer aus Obergrenzebach über das besondere Fest

Das Foto zeigt eine beleuchtete Krippe.
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Die Weihnachtgeschichte sei schon immer hochaktuell gewesen, meint Pfarrer Daniel Richebächer.

In diesem Jahr wird deutschlandweit Weihnachten anders gefeiert. Vielerorts kommt nur die engste Familie zusammen. Pfarrer Daniel Richebächer spricht im Interview über das besondere Fest.

Obergrenzebach – Weihnachten in Coronazeiten wird ein anderes Fest. Beim wahren Geist von Weihnachten geht es vielleicht auch gar nicht darum, viele Menschen um sich zu versammeln. Vielleicht wird dieses Weihnachten diesbezüglich ein ganz besonderes. Wir haben darüber mit Daniel Richebächer gesprochen. Er ist Pfarrer im Kirchspiel Steinafurt und lebt in Obergrenzebach.

Maria muss hochschwanger mit Josef in die Fremde. In der Gastronomie finden sie keinen Platz, so dass ihnen nur ein Stall übrig bleibt. Als das Kind endlich da ist, müssen sie flüchten. Ist die Weihnachtsgeschichte nicht aktueller denn je?
Nein. Das glaube ich nicht. Sie ist nicht aktueller denn je, aber sie war schon immer hochaktuell. … Die Schließung von Hotels und Restaurants heute mit der Herbergssuche von Maria und Josef zu vergleichen ist nicht so leicht. Mit solchen Analogien tue ich mich schwer. Aber man kann schon sagen: Die Weihnachtsgeschichte ist eine Geschichte mit vielen Entbehrungen und die erleben wir in diesen Tagen auch. Und genau denen, denen es an grundlegenden Dingen fehlt, will Gott ganz nah kommen. Das ist Weihnachten.
Was würde Jesus heute machen, würde er im Flüchtlingslager Moria sein oder auf einem Flüchtlingsrettungsschiff? Was würde er zur europäischen Grenzschließung sagen?
Ui! Es wäre ganz schön vermessen zu behaupten, ich wüsste das ganz genau. Aber auf jeden Fall würde er in allem, was er tut und sagt den unantastbaren Wert eines jeden Menschen hervorheben. Gerade denen, denen es an Wertschätzung mangelt, würde er zur Seite stehen und er würde sich dafür einsetzen, dass sie gesehen werden - als einzigartige Geschöpfe Gottes. So war Jesus. Davon berichten alle biblischen Erzählungen. Und so würde er auch heute handeln. Er tut es sogar. Vielleicht sogar durch Sie und mich, oder?
Zum Thema Weihnachten feiern: Wieviele Menschen waren bei Jesu Geburt dabei?
Der biblische Bericht im Lukasevangelium erzählt nur von Josef - und Maria natürlich.
Wer ist im Laufe der Nacht noch vorbei gekommen?
Von einem Besuch in der Nacht der Geburt erzählt nur das Lukasevangelium. Dort steht, dass Hirten zur Krippe kamen. Im Matthäusevangelium steht davon nichts. Dort steht wiederum, dass später Weise aus dem Morgenland zu Besuch kamen. Das waren Menschen, die sich mit Sternenkunde befassten. Das Markus- und das Johannesevangelium berichten gar nicht von der Geburt Jesu! Es ist interessant, was heute alles auf Krippendarstellungen und in Krippenspielen zu sehen ist. Von einem Stall und Tieren steht übrigens auch nirgends etwas.
Wie erklären Sie, dass auf Krippendarstellungen immer Abstand - fast wie eine Corona-Verordnung - zu der Heiligen Familie gehalten wird?
Ist das so? Interessante Beobachtung! Die Künstler wollen damit vielleicht die Ehrfurcht der Besucher darstellen. Aber mal ganz ehrlich: Als Mutter oder Vater würde ich auch nicht zulassen, dass irgendwelche dahergekommenen Leute mein Kind knuddeln. Die dürfen ruhig ein bisschen Abstand halten. Corona hin oder her.
Kann das Corona-Weihnachtsfest eine Chance auf endlich einmal besinnliche Weihnachten sein, vielleicht sogar bewusst fast einsame?
Es wird sicherlich ein etwas ruhigeres Weihnachtsfest als sonst. Für die einen ist das eine Chance, für andere nicht. Wir Menschen sind ja verschieden. Und Gott redet auch auf unterschiedliche Art und Weise zu uns. Dem einen kann es gut tun dieses Jahr mal ein paar Gänge runter zu schalten und sich von Gott in der Stille ansprechen zu lassen. Der andere braucht es vielleicht gerade dieses Jahr, dass Gott ihn durch andere Menschen, zum Beispiel in einer großen Gemeinschaft, anspricht. Auf jeden Fall ist die Weihnachtsbotschaft eine Botschaft, die mit anderen Menschen geteilt werden will - damals mit den Hirten oder Weisen, heute in der Kirchengemeinde und warum nicht auch auf den Weihnachtsmärkten. Daher freue ich mich schon auf nächstes Jahr, wenn dann hoffentlich wieder mehr Miteinander möglich ist. (Sylke Grede)

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