Pilze züchten ohne Zauberei

Seminar auf dem Kunst- und Werkhof Großropperhausen

Pilzbrut wird per Dübel in Holzstämme geimpft, so dass später Pilze aus dem Stumpf wachsen können. Auf dem Bild (vorn) Pilzexperte Roman Seifert, dahinter (von links) Matthias Möller, Tine Fiand und Inez Schäfer.
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Pilzbrut wird per Dübel in Holzstämme geimpft, so dass später Pilze aus dem Stumpf wachsen können. Auf dem Bild (vorn) Pilzexperte Roman Seifert, dahinter (von links) Matthias Möller, Tine Fiand und Inez Schäfer.

Ein Seminar über Pilzzucht gab es am Wochenende in Großropperhausen. Die Teilnehmer erfuhren, wie man Speisepilze auf Holzstämmen züchtet.

Großropperhausen. Es braucht nicht viel, und der Effekt ist groß: Speisepilze kann man auch zuhause züchten. Wie dies geht, erfuhren die Teilnehmer eines Pilzseminars auf dem Kunst- und Werkhof in Großropperhausen. Draußen auf dem Hof steht ein langer Tisch, darauf Holzstumpfe und Stämme aus Buchenholz. Ein Dutzend Teilnehmer des Kurses sind mit Bohrer, Dübeln und Holzstock am werkeln – das Holz wird „geimpft“, wie es in der Fachsprache heißt.

Als Impfstoff dient so genannte im Handel erhältliche Körnerbrut, eine mit Pilzsporen versetzte Masse aus Hirse und Roggen.

„In Zeiten, in denen Menschen immer weniger Fleisch essen möchten, sind Pilze vielleicht eine Alternative“, sagt Tine Fiand. Die Großropperhäuser Künstlerin bildet sich gerade in Permakultur fort – das Pilzseminar ist ein Baustein der Weiterbildung, in der des unter anderem um nachhaltigen Gartenbau geht. Speisepilze enthalten kaum Fett oder Kohlenhydrate und sind daher kalorienarm. Für die menschliche Ernährung sind sie vor allem wegen ihres Eiweiß-, Vitamin- und Mineralstoffgehalts interessant. Speisepilze wie Austern sollen künftig auch im Skulpturengarten des Kunst- und Werkhofs wachsen, der mit Permakultur angelegt wird und auch einen Naschgarten umfasst.

Teilnehmer aus ganz Deutschland

Wie dies gelingen kann, dies zeigten den mehr als Dutzend aus ganz Deutschland angereisten Teilnehmern Roman Seifert aus Hitzacker und Matthias Möller aus Bielefeld. Dabei können viele Wege zum Ziel führen, wie die Teilnehmer des dreitägigen Seminars erfuhren, zu dem auch das Pilzesuchen und Bestimmen im Wald fußläufig des Kunst- und Werkhofs gehörte – die Ausbeute war groß und bunt. „Pilze selbst zu züchten ist ideal für alle, die sich mit Pilzen nicht auskennen“, so Pilzexperte Seifert, der seit 2015 im Wendland Pilze anbaut.

Impfen eines Holzstammes mit Pilzbrut: Daran versuchen sich beim Kurs in Großropperhausen (von links) Sarah Kniep und Carolina Herrlich.

Holz wird mit Pilzbrut geimpft

Wer einmal ein Stück Holz mit Pilzbrut geimpft habe, könne drei bis sechs Jahre davon ernten, so die Pilzexperten. Das Seminar zeigte mehrere Wege auf, wie Speisepilze gezüchtet werden können – auf Stroh oder Holzspäne, in Töpfen, Kübeln oder Säcken, im Freien oder in der Wohnung. Wer jedoch mit wenig Aufwand über Jahre Pilze ernten möchte, sollte zu Hölzern greifen, aus denen die Pilze wachsen können, so die Pilzexperten. Dabei zeigten sie zwei Wege auf, die zum Ziel führen können: Entweder impft man einen Baumstumpf mit im Handel erhältlicher Pilzbrut – hierfür werden an mehreren Ställen Löcher in den Stumpf gebohrt. Die Löcher werden wieder mit Holzdübeln verschlossen, die von der Pilzbrut getränkt sind. Nach etwa einem halben Jahr, wenn sich die Pilzbrut im Stamm verteilt hat, können die Stumpfe bis zur Hälfte im Garten eingegraben werden – dann heißt es regelmäßig wässern und abwarten, bis die Pilze aus dem Holz wachsen.

Bei der zweiten Methode wird ein etwa einen Meter langer Holzstamm an den Schnittenden mit der Pilzbrut geimpft. Die Stämme vom Forstamt Neukirchen waren frisch gefällt und etwa einen Monat gelagert, bevor Ernst Groß vom Kunst- und Werkhof sie für die Kurteilnehmer mit Schnitten versah. „Irre, dass es so einfach ist“, sagt Sarah Kniep, die aus Hannover angereist war – „sägen, füllen, abwarten“. (Kerstin Diehl)

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