Der Frühling lacht in Gelb

Rapskönigin aus der Schwalm präsentiert die Blüte im Taunus

Welche Blütenpracht auch im Taunus: Der Bad Homburger Landwirt Volker Goy und Rapsblütenkönigin Theresa I. aus dem Schwalm-Eder-Kreis freuen sich über die gestiegenen Rapspreise für die erzeugende hessische Landwirtschaft.
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Welche Blütenpracht auch im Taunus: Der Bad Homburger Landwirt Volker Goy und Rapsblütenkönigin Theresa I. aus dem Schwalm-Eder-Kreis freuen sich über die gestiegenen Rapspreise für die erzeugende hessische Landwirtschaft.

Eiskratzen war in aller Frühe für die Hessische Rapsblütenkönigin und den Präsidenten des Hessischen Bauernverbandes angesagt - ein unerwarteter Frühsport gleich zu Beginn ihrer Dienstreise in Richtung Rhein-Main-Gebiet.

Bad Homburg/Schönborn – Nachttemperaturen unter dem Gefrierpunkt ließen Theresa Schmidt aus Frielendorf-Schönborn im Schwalm-Eder-Kreis und Karsten Schmal, dessen Hof nahe dem Edersee liegt, aber nicht lange frösteln. Auf den Feldern vor den Toren von Bad Homburg im Hochtaunuskreis stand der Raps – anders als in Nordhessen – bereits in Vollblüte.

Tatsächlich sei die Rapsblüte wegen des kältesten Aprils seit 1929 im Rhein-Main-Gebiet wie auch in Nordhessen gut drei Wochen in Verzug, so Milchbauer Schmal. „Endlich kann ich auch in diesem Jahr das tun, wofür ich letztes Jahr mein Amt angenommen habe“, sagt Theresa I.

„Als Hessische Rapsblütenkönigin habe ich die Chance, Raps als wertvolles und hochwertiges Lebensmittel der Gesellschaft und Politik näher zu bringen, um so den regionalen Rapsanbau zu stärken.“

Der Ortstermin, fast in Sichtweite der Frankfurter Skyline, war tatsächlich wieder einer, bei dem die 24-Jährige ganz in ihrem Element war. Bereits als Kind war sie vom leuchtenden Gelb des Blütenmeeres auf den Feldern ihrer Eltern, dem Duft der Rapsblüten und dem Summen der Honigbienen ganz angetan.

Da die Vegetation in Nordhessen noch längst nicht so weit ist wie im Taunus, empfand Theresa Schmidt das leuchtend gelbe Blütenmeer auf den Feldern rund um Ober-Erlenbach als wahre Wonne.

„Der Nutzen des heimischen Raps ist total vielfältig“, so die Studentin der Agrarwissenschaften. „Wir Menschen haben dabei keinesfalls nur den Gewinn eines fantastischen Honigs.“

Mit rund 40 Prozent liege der Marktanteil von Rapsöl deutlich vor Sonnenblütenöl (29 Prozent) und Olivenöl (16 Prozent) und ist damit in vielen heimischen Küchen zu Hause. Andererseits wird Rapsöl aber auch dem Biodiesel beigemischt - und genau dabei gewinnt die Pflanzenart aus der Familie der Kreuzblütengewächse eine große wirtschaftliche Bedeutung.

Die Kritik, dass die Beimischung von Raps in Dieselkraftstoff ethisch nicht zu verantworten sei – Slogan: ‚Lebensmittel gehören auf den Tisch und nicht in den Tank’ – lässt der Hessische Bauernverband Karsten Schmal im Rahmen eines Pressegesprächs zur Rapsblüte so nicht stehen.

„Derzeit wird bei der Herstellung von Dieselkraftstoff noch immer Palmöl beigemischt, für dessen Gewinnung tropischer Regenwald abgeholzt wird“, so Schmal. „Bis 2030 sollen fossilem Dieselkraftstoff statt derzeit sieben bis 2030 dann 22 Volumenprozent Biodiesel aus Rapsöl beigemischt werden. Zugleich wird die Beimischung von Palmöl bis 2026 beendet. Das ist ein klarer Beitrag zum Klimaschutz.“

Tatsächlich wurde zuletzt für die Anlage von Palmölplantagen tropischer Regenwald in enormem Ausmaß gerodet. „Bis zu 90 Prozent der auf Satellitenaufnahmen aus dem Jahr 2007 als entwaldet erkennbaren Flächen Borneos wurden 2015 als Plantagen für die Produktion von Palmöl und Zellstoff genutzt“, teilt dazu die Tropenwaldstiftung OroVerde in einer eigenen Pressemitteilung mit.

„Die Rückstände des Pressvorgangs für regional erzeugtes Rapsöl werden zudem als Viehfutter wieder in der Landwirtschaft eingesetzt und ersetzen ökologisch bedenkliche Soja-Importe“, erläutern Milchbauer Karsten Schmal und Theresa Schmidt.

Raps, so Theresa I., sei also ein Multitalent. Ihre Amtszeit als Rapsblütenkönigin habe sie sich natürlich ganz anders vorgestellt, als sich diese durch die Corona-Pandemie entwickelt habe.

Da gegenwärtige Auftritte als Rapsblütenkönigin lange Zeit nicht möglich waren, ist die Nordhessin in den sozialen Netzwerken, auf Instagram und Facebook aktiv und wirbt dort für den Raps. Mit Nachdruck möchte sie dabei mit dem Vorurteil aufräumen, Rapsanbau fördere Monokulturen.

Wechsel mit Getreide

„Raps wird in mehrjähriger Fruchtfolge im Wechsel mit Getreide angebaut“, erläutert der Bad Homburger Landwirt Volker Goy, auf dessen Hof das Pressegespräch stattfand. „Der Boden wird auf der Fläche, auf der in diesem Jahr der Raps wächst, gut aufgelockert. Beim Getreideanbau im nächsten Jahr können Landwirte deshalb mit einem Ertragsplus von zehn Prozent rechnen.“ 

Rapskönigin aus der Schwalm: Rekordertrag 2020 nach schwachen Jahren

Infolge des Dürrejahres 2018 war die Rapsanbaufläche in Hessen im Folgejahr deutlich eingebrochen. „In den letzten drei Jahren waren die Anbaubedingungen für den Winterraps alles anderen als ideal. Die größten Probleme bereiteten langanhaltende Trockenperioden. Auch die Aussaat im August litt vielfach“, so der Hessische Bauernpräsident Karsten Schmal.

Der Rückgang von 55.000 Hektar auf 27.500 ha Ackerfläche in Hessen war die Folge. 2020 stabilisierte sich die Rapsanbaufläche auf rund 45.400 Hektar. Leider sei in den vergangenen Jahren immer weniger inländischer Raps in den deutschen Ölmühlen verarbeitet worden - in der Saison 2020 / 2021 betrug der Inlandanteil nur noch etwa ein Drittel.

Gesunkene Anbauflächen und geringere Hektarerträge waren die Hauptursachen. Für die landwirtschaftliche Produktion gelten aber die gleichen wirtschaftlichen Zusammenhänge wie in der Industrieproduktion: Wo das Angebot zurückgeht, steigt irgendwann auch wieder der Preis. „Seit einigen Monaten sind die Rapspreise im Aufwind“, sagt der Hessische Bauernboss.

„Die aktuellen Preise von 500 bis zeitweise knapp unter 600 Euro pro Tonne bedeuten ein Allzeithoch. Das Preisniveau aus den Vorjahresernten 2018 und 2019 lag zwischen 330 und 350 Euro pro Tonne.“

(Matthias Pieren)

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