Landwirtschaft

Landwirte haben wegen Dürre geringere Erträge

Landwirt Rainer Ochs auf seinem Gerstenfeld nordöstlich von Todenhausen. Auf dem Feld in Hanglage sind die Ähren im oberen Bereich bereits trocken, im unteren Bereich hingegen sind sie noch sattgrün.
+
Landwirt Rainer Ochs auf seinem Gerstenfeld nordöstlich von Todenhausen. Auf dem Feld in Hanglage sind die Ähren im oberen Bereich bereits trocken, im unteren Bereich hingegen sind sie noch sattgrün.

Es hat in diesem Frühjahr deutlich zu wenig geregnet. Nach bereits zwei heißen und dürren Sommern sind die Böden ausgetrocknet, viele Landwirte fürchten Ertragseinbußen.

Schwalm-Eder-Kreis – „Die Lage ist sehr ernst für die Landwirtschaft“, sagt Bernd Wenck, Geschäftsführer Regionalbauernverband Kurhessen. Selbst auf besseren Böden leiden die Pflanzen bereits unter der Trockenheit: „Und der eigentliche Sommer kommt erst noch.“

Besonders betroffen sind laut Wenck die Viehbetriebe, denn ihnen fehlt das Futter. Schließlich konnten sie in den vergangenen Jahren keine Vorräte anlegen. Je nach Ernst der Lage müssen die Landwirte nun Futter teuer zukaufen. Beim Getreide werde es auch in diesem Jahr große Ertragsminderungen geben, befürchtet Wenck. „Die Trockenheitsschäden sind nicht wieder gutzumachen.“ Helfen würde nur eine Woche mit ergiebigem Regen. Der würde zumindest Mais- und Rübenfelder vor weiteren Schäden bewahren.

Landwirte: Dürre sorgt für Schäden in Kulturen 

Die Situation sei vielerorts auch deswegen kritisch, weil die meisten Landwirte kein Recht besitzen, Wasser aus Flüssen, Bächen oder Seen zu entnehmen. „Das ist aber in normalen Jahren auch nicht nötig“, sagt Geschäftsführer Wenck. Wasser von Wasserwerksbetreibern zu verwenden, sei zu teuer.

„Wir haben massive Trockenschäden in allen Kulturen“, sagt Landwirt Martin Volze aus Singlis. Auf seinem Hof hält er Schweine. „Der Regen, der in diesen Tagen fallen soll, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt er.

Landwirt Martin Volze in Singlis hat mit den Folgen der Trockenheit zu kämpfen.

Seit 2018 habe der Boden in mehr als einem Meter Tiefe kein Wasser mehr gesehen. „Die Gerste wird schon hell und kann 14 Tage früher als sonst üblich geerntet werden“, sagt Volze. Die Gerste habe bereits Schäden davongetragen, die nicht mehr wiedergutgemacht werden könnten.

Landwirte hoffen auf mehr Regen in nächsten Monaten

Für Rüben, Mais und Weizen bestehe jedoch noch Hoffnung. „Wenn mehr Niederschläge kommen, ist noch was zu retten“, sagt Volze. Gerade der Weizen brauche bei der Ausbildung der Ähren ausreichend Wasser. Das Korn braucht er als Futter für seine Schweine.

Landwirt Rainer Ochs aus Frielendorf-Todenhausen bewirtschaftet 110 Hektar Land. Er baut Weizen, Gerste, Raps, Zuckerrüben und Mais an. Auf einigen Flächen wächst auch Grünland für die Grassilage und als Futter für seine Kühe. Den ersten Grünlandschnitt hat er vor rund vier Wochen eingefahren. Wegen der Frühjahrstrockenheit war der Ertrag geringer als unter normalen Umständen.

Geringe Niederschläge verbessern die Lage nicht

Beim anstehenden zweiten Schnitt rechnet Ochs, der einen Milchviehbetrieb leitet, mit noch deutlicheren Ertragseinbußen. „Der aktuelle Niederschlag verbessert die Lage kaum. Die Mengen, die wir bräuchten, sind derzeit nicht in Aussicht“, sagt Ochs. Um die Situation zu entschärfen und den Boden zu befeuchten, seien 50 Liter Regen pro Quadratmeter nötig. Wie stark sich die Trockenheit auf die Erträge auswirkt, hängt auch von der Bodenqualität ab. „Es wird deshalb große Ertragsschwankungen geben“, sagt der Landwirt.

Bei seinen Hülsenfrüchten – Erbsen und Ackerbohnen – habe der fehlende Regen bereits erste Schäden verursacht. Die zuletzt gesäte Kultur ist der Mais. Doch die Aussaat im strapazierten Boden erforderte viel Fingerspitzengefühl. „Die Kruste an der Oberfläche musste für eine feine Krume aufgebrochen werden“, sagt Ochs.

Um geringere Erträge, vor allem bei den Grünlandschnitten auszugleichen, hat der Landwirt Zuckerrübenschnitzel zugekauft. So will er die Nahrungsversorgung seiner Kühe sichern.

Landwirtin hat sich an die veränderten Witterungsverhältnisse angepasst

Entspannter als bei Martin Volze in Singlis und Rainer Ochs in Todenhausen ist die Lage bei Heidi Golomb in Schwarzenborn. Nach den Dürre-Sommern 2018 und 2019 hat die Landwirtin ihre Strategie geändert. Sie hat den Düngezeitpunkt für den Grünlandschnitt an die veränderten Witterungsverhältnisse angepasst und verfüttert nun ihr Getreide an ihre Milchkühe, anstatt es zu verkaufen. „Oberstes Ziel ist, die Tiere satt zu bekommen.“ Futter zuzukaufen sei schwierig und teuer.

Das Futter für die Milchkühe von Landwirtin Heidi Golomb in Schwarzenborn ist kleingehäckselt. Die Mischung besteht aus Gras, Getreide, Mais, geschnitzelten Rübenkörpern und einem Mineralstoffmix.

Bis jetzt ist sie trotz wenig Regen zufrieden: „Wir haben noch keine Dürreschäden, weder im Grün- noch im Ackerland.“ Der erste Grünlandschnitt – früher als in anderen Jahren – brachte zwar nur die Hälfte des möglichen Ertrags ein, dafür sei die Qualität gut gewesen. 

Trockenheit: Landwirte haben Angst vor Dürre-Sommer

Auch die Voraussetzungen für den zweiten Schnitt waren gut. „Es hat geregnet und wir konnten düngen“, sagt sie. Zum zweiten Mal gemäht wird im Laufe der Woche. Das Wiesengras ist dann sowohl Futter für ihre Milchkühe als auch Masse für die Biogasanlage.

Der erste Schnitt hingegen wurde komplett verfüttert. Der dritte komme im Ganzen in die Biogasanlage. Falls das Futter jedoch knapp wird, bekommt das Jungvieh das Gras. „Im Moment ist alles gut, im August kann es aber ganz anders aussehen.“ Kollegen, die für den ersten Grünlandschnitt einen späteren Zeitpunkt gewählt hätten, leiden laut Golomb stärker unter der Trockenheit im Mai. Angst vor einem weiteren Dürre-Sommer hat sie trotzdem. „Alle Extreme sind schlecht.“

Trockenheit: Meteorologe bestätigt zu geringen Niederschlag

Im Mai hat es laut Meteorologe Günter Fickenscher in der Region rund 30 Liter pro Quadratmeter geregnet. Das ist nur halb so viel wie das langjährige Mittel für diesen Monat. Der April sei noch trockener gewesen. Es regnete nur rund 20 Liter pro Quadratmeter.

Im Mai 2019 hingegen hatte es mit fast 120 Litern pro Quadratmeter mehr als doppelt so viel wie üblich geregnet. Auch in den vier Monaten davor sei die Niederschlagsmenge zumindest akzeptabel gewesen.

Deutschland droht Dürrejahr: Experte liefert tragische Prognose.

In der Region Kassel fehlt der Regen, was zu Schäden führt. Das Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) stellt aktuell eine „extreme Dürre“ fest.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.