Idee kam bei einem Glas Wein

Hobby für den Gaumen: Spieskappeler betreiben Weinberg mit 650 Reben

Lassen sich auf ein kleines Abenteuer ein: Die Weinbergfreunde Spieskappel pflanzten im Frühjahr 650 Reben an einem Südhang oberhalb des Ohebachs ein. Fotos:  Haaß

Spieskappel. Nordhessen ist nicht gerade als Weinanbaugebiet bekannt - Südhessen nennen unsere Region sogar Hessisch-Sibirien. Die Weinfreunde Spieskappel ließen sich davon nicht irritieren und legten einen Weinberg an.

In zwei bis drei Jahren soll es den ersten Wein aus Spieskappel geben.

Die Rebsorte

Im Frühjahr pflanzten die zweiundzwanzig Vereinsmitglieder 650 Weißwein-Reben der Sorte Solaris. Hierbei handele es sich um eine mittelgroße Traube, welche unkompliziert ist und sich für Hobby-Winzer gut eigne, erklärt Vereinsvorsitzender Oliver Gombert: „Unser Ziel sind 250 Liter. Wir dürfen den Wein aber nicht verkaufen, er ist ausschließlich für den Eigenverbrauch.“

Der Weinberg

Die Idee zum Weinberg habe man 2015 bei einem Glas Wein gehabt, erinnert sich Christian Dörr. Schnell wurde die Sache konkret. Im Mai 2016 gründete sich der Verein und ein Experte bescheinigte den Spieskappelern die Durchführbarkeit ihres Projekts. Von dem Fachmann bekamen die Weinfreunde auch den Tipp, einen Südhang mit mindestens zehn Grad Neigung zu suchen. „Wir sind dann mit dem Schlepper durchs Feld gefahren und haben uns nach einem passenden Standort umgeschaut“, erzählt Dörr.

Noch in Sichtweite des Dorfes, oberhalb des Ohebachs, wurden die Hobby-Winzer in der Gemarkung Specksloh fündig. So manch Bekannter habe mit dem Kopf geschüttelt, sagt Oliver Gombert schmunzelnd: „Die haben gesagt: Mensch, auf dem Brennesselhang wollt ihr Wein anbauen.“

Im April ging es mit einer Motorsense dem Unkraut auf dem knapp 1000 Quadratmeter großen Areal zu Leibe. Ein Unkrautflies und Schutznetze bieten den Reben Schutz. Der Weinberg hat eine Süd-West-Lage und im Schnitt zwanzig Grad Hangneigung. Allein bis zum Ende der Pflanzaktion am 30. April habe man 258 Stunden gearbeitet, sagt der Vorsitzende und fügt selbstkritisch an: „Wir haben den Umfang der Arbeiten schon etwas unterschätzt.“

Die Tradition

Die Weinfreunde sind übrigens nicht die Ersten, die sich an der Herstellung von Wein versuchen. Schon einmal wurde von Spieskappelern Weinanbau betrieben. Wie die Chronik von Todenhausen zu berichten weiß, gab es am Südhang des Sendbergs einen von Mönchen des Prämonstratenser Stifts angelegten Weinberg. Sonderlich gut schien der Rebensaft aber nicht zu ein. Martin Luther soll jedenfalls ein vernichtendes Urteil über die Weinqualität gefällt haben. Der Chronist Heinrich Bischoff zitiert den Reformator mit den Worten: Im Lande Hessen wächst der natürliche Essig auf Bergen.

Die Experten

Oliver Gombert kennt diese Anekdote natürlich und stellt verschmitzt lächelnd fest:“Unser Anspruch ist es, keinen Essig, sondern guten Wein zu bekommen.“ Die Voraussetzungen für das spannende Projekt scheinen jedenfalls gut: Die Weinfreunde haben sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und stehen mit Experten und anderen Hobby-Winzern in engem Kontakt. Man orientiere sich sehr stark am Vorbild der Schottener Weinfreunde, erklärt der Vorsitzende: „Die haben nach vier Jahren einen extrem erfolgreichen Wein angebaut.“

 • Weinbergbesichtigungam Samstag, 17. Juni ab 12 Uhr. Ab dem Dorfgemeinschaftshaus Spieskappel ist ein Shuttleservice geplant. Für Essen und Trinken ist den ganzen Tag über gesorgt.

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