Kurs im Knöpfemachen in Großropperhausen

Stich für Stich ein Kunstwerk

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Handwerk erfordert Geschick und Geduld: von links Michael Hübner mit den Teilnehmern Carmen Emmeluth, Helga Gubisch, Kristina Fiand und Cora Ginzel.  

Mit höchster Konzentration und viel Fingerspitzengefühl wagten sich sechs Frauen am Samstag im Kunst- und Werkhof Großropperhausen ans Knöpfemachen.

 „Dass Menschen so viel Zeit und Hingabe in ein solch kleines Detail versenken können“, meinte Kristina Fiand, die zum Workshop mit Knopfmacher Michael Hübner in ihre Scheune geladen hatte.

Die Teilnehmerinnen wickelten, webten, stickten Stunde um Stunde an ihrem ersten Knopf und erkannten wie viel Geduld und Mühe in einem einzelnen Knopf stecken kann. „Knöpfe machen hat was Meditatives“, erklärte Hübner, der selbst erst vor zwei Jahren das Handwerk erlernte. 

Zunächst lehrte der Knopfmacher seine Workshopteilnehmerinnen das Fertigen eines anspruchsvollen Schwälmer Knopfes. Er trage auf dem Grundgerüst einen gewebten Stern, benötigt mittig „Messerspitzen“ und den „Langettenstich“ für die Umrandungen.

Weltweite Gemeinschaft

Als Michael Hübner, der von Kindesbeinen an mit seiner Großmutter handarbeitete, vor zwei Jahren nach einer Anleitung für einen Schwälmer Knopf suchte, fand er zunächst nichts. Er schloss sich einer Fa cebook-Gruppe an, der weltweit 250 Knopfmacher angehören, die sich über ihr Hobby austauschen. „In Japan wird beispielsweise ganz ähnlich gearbeitet“, fand Hübner heraus.

Anleitung aus dem Internet

Letztendlich half ihm eine fotografischeAnleitung aus dem Internet. Eine Frau habe für die Anleitung einen Schwälmer Knopf aufgetrennt und damit die einzelnen Arbeitsschritte in rückwärtiger Reihenfolge aufgelöst und fotografisch dokumentiert. „Im Prinzip muss man die einzelnen Arbeitsschritte nur ganz stoisch und genau ausführen. Das ist aber gar nicht so leicht“, gestand Kristina Fiand.

Knöpfe sind kostbar

Alle Teilnehmerinnen waren sich einig, dass ihnen nach der eigenen Herstellung eines Knopfes nun bewusst sei, wie kostbar ein Knopf sei. „Für Amish People haben Knöpfe sogar etwas Dekadentes. Sie verzichten möglichst ganz auf Knöpfe und schließen ihre Kleidung nur mit Haken, Ösen oder Schlingen“, wusste Kursteilnehmerin Cora Ginzel. Das Knöpfemachen, so erzählte Hübner, sei früher gar Kinderarbeit gewesen. Bis zu 30 Knöpfe am Tag hätten die Kinder fertigen müssen.

Zu Beginn fotografierte Hübner jeden einzelnen gefertigten Knopf, wollte er doch sein Handwerk dokumentieren. Bald schon aber stellte er fest, dass doch jeder Knopf ein Unikat sei, das sich aus der persönlichen Stimmungslage heraus entfalte. „Es ist Kunst“, so Hübner.

Er sammelt all seine gefertigten Knöpfe in Sortierkästen. „Das hat was aus meiner Kindheit, wo ich schon immer gerne die Knopfschatullen meiner Großmutter sortierte“, so Hübner, der sich aber auch von seinen Werken trennen kann. 

Jeder Knopf ein Unikat

Viele Knopfunikate könnten als Ring, Ohrringe oder Broschen getragen werden. Natürlich könne er aber auch gleiche Knöpfe fertigen, wenn sie beispielsweise für das Schließen einer Trachtenbluse benötigt würden.

Bei der Schwälmer Tracht hätten längst nicht alle Knöpfe eine Funktion. „Viele Knöpfe sind Zierde“, so Hübner, der dabei an die Manschettenknöpfe am Schwälmer Festtagsrock oder dem Knopf am Dreispitz der Tracht dachte. Der Hutknopf habe aber tatsächlich nicht nur schmückende Funktion, halte er doch auch das verstellbare Hutband der Kopfbedeckung.

Von Regina Ziegler-Dörhöfer

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