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Weihnachtsbaumverkauf in Obergrenzebach hat lange Tradition

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Von: Sylke Grede

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Landwirt Hartmut Ziegler steht neben einem etwa zwei Meter hohen Weihnachtsbaum.
Landwirt Hartmut Ziegler aus Obergrenzebach kennt sich aus mit Weihnachtsbäumen. © Sylke Grede

Anders als andere Nationen bleiben die Deutschen dem natürlichen Weihnachtsbaum treu. Wir haben mit einem Weihnachtsbaum-Experten gesprochen.

Obergrenzebach – Der Weihnachtsbaumverkauf hat in Obergrenzebach eine lange Tradition und wurde über viele Jahre von den Waldinteressenten organisiert. Mit dem Wandel der Ansprüche an einen Baum veränderte sich auch das Vorgehen beim Verkauf, erzählt Hartmut Ziegler. Der 60-Jährige war über Jahrzehnte Vorsitzender der Obergrenzebacher Waldinteressenten.

50 Anteile an Privatwald verteilen sich rund um Obergrenzebach auf 110 Hektar Fläche. Die Schwerpunkte bilden der Gerstenberg in Richtung Schönborn und der Männerwald in Richtung Steinatal.

Verkauf hat in Obergrenzebach eine lange Tradition

Vor circa 30 Jahren haben die Waldinteressenten begonnen, die Obergrenzebacher mit Bäumen für das Fest zu versorgen. Zunächst bepflanzten die Waldbesitzer Fichtenschonungen dichter als üblich, die später ausgedünnten Bäume sollten dann in den Obergrenzebacher Wohnzimmern stehen.

Geschlagen wurden die Bäume von den Waldinteressenten selbst und an einem zentralen Ort im Dorf direkt vom Anhänger verkauft. „Die Menschen wurden aber immer wählerischer“, musste Ziegler feststellen – und viele der Bäume blieben auf dem Anhänger liegen.

Rechts im Bild ist ein Weihnachtsmann aus Holz. Im Hintergrund sind Tannen zu sehen.
Die Bäume werden im Vergleich zum Vorjahr für den Endverbraucher nicht wesentlich teurer. © Frank Molter, dpa-Bildfunk

Ein neues Konzept musste her. So wurde eigens eine Weihnachtsbaumschonung mit Fichten und Blautannen unter der Starkstrom-Leitung in Richtung Steinatal angelegt, dort konnten sich die Dorfbewohner ihr Bäumchen aussuchen und selbst schlagen.

Als ein örtlicher Gartenbaubetrieb anfing, Nordmann-Tannen zu verkaufen, wollten die Waldbesitzer einem örtlichen Unternehmen keine Konkurrenz machen und stellten ihre Weihnachtsbaum-Aufzucht ein. Inzwischen gibt es diesen Betrieb nicht mehr, aber trotzdem wieder einen Weihnachtsbaumverkauf.

Obergrenzebacher können sich einen Baum bestellen

Seit einigen Jahren können die Obergrenzebacher ihren zuvor bestellten Baum zu einem fixen Termin auf dem Hof von Landwirt Ziegler abholen. Diesmal ist das der 17. Dezember.

Nächste Woche fährt Hartmut Ziegler ins Sauerland und holt die eigens bestellten Nordmann-Tannen ab. Der Kontakt zu dem privaten Forstbetrieb war 2015 über seine Tochter zustande gekommen, und so ist es, dass jetzt in Obergrenzebach an Weihnachten extra frische Bäume leuchten.

Eine Wissenschaft für sich

Und im Gespräch mit Ziegler wird schnell klar, dass die Weihnachtsbaum-Aufzucht eine Wissenschaft für sich ist, um den Ansprüchen der Kunden zu genügen. Der Aufwand ist vergleichbar mit dem Weinanbau.

Zu erkennen ist eine Nordmanntanne an ihrem geraden Stamm, an ihren kräftigen Nadeln und an ihrem symmetrischen, pyramidenförmigen Wuchs. Auch der untere Teil ihres Stammes ist immer gleichmäßig mit Ästen bewachsen.

Der Forstbetrieb, aus dem die Obergrenzebacher Weihnachtsbäume stammen, pflegt die Nordmann-Tannen vom Samen über den Setzling bis zum Baum. Das Baum-Beispiel, das Ziegler präsentiert, ist knapp zwei Meter groß und musste nach Schätzung des Landwirts circa acht Jahre in der Erde wurzeln, um derart üppig zu werden.

Züchter zwicken die Bäume mit der Zange

Typisch an der Nordmann-Tanne ist auch der ausladende Wuchs, aber auch den muss der Züchter über viele Jahre im Blick behalten. Ziegler weist am Baum auf Rillen hin, die am Stamm in regelmäßigen Abständen zu sehen sind. Die entstehen durch eine Spezialzange. So soll das Spitzenwachstum verlangsamt werden. Durch das Zwicken mit der Zange wird der Saftstrom gehemmt und damit die Abstände zwischen den Astreihen gleichmäßig gehalten.

Ziegler zeigt auch Zweige, die offensichtlich gekappt wurden. „Durch manuelles Herauszwicken der äußersten Triebe wird der Wuchs der Seitentriebe reguliert, wodurch eine regelmäßige Rundung des Baumes und schmalere Baumformen erzielt werden“, erklärt Ziegler – anscheinend bereits ein richtiger Weihnachtsbaum-Experte. Übrigens: Der letzte Baum, der am Abholtag noch auf dem Hof steht, kommt bei Zieglers ins Wohnzimmer. (Sylke Grede)

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