Welcherod feiert Geburtstag

Jahrhundertstein zum 100-jährigen Bestehen des Dorfes

Festausschuss Welcherod mit Jubiläumsstein: von links Ehrenortsvorsteher Georg Hucke, Waldemar Wagner, Benjamin Weber, Kristin Louis, Carmen Hucke-Eckhardt, Uwe Becker, Rolf Knippschild, Ortsvorsteherin Susanne Möller, neu gewählter Bürgermeister Jens Nöll, Jörg Louis und Bürgermeister Thorsten Vaupel.
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Festausschuss Welcherod mit Jubiläumsstein: von links Ehrenortsvorsteher Georg Hucke, Waldemar Wagner, Benjamin Weber, Kristin Louis, Carmen Hucke-Eckhardt, Uwe Becker, Rolf Knippschild, Ortsvorsteherin Susanne Möller, neu gewählter Bürgermeister Jens Nöll, Jörg Louis und Bürgermeister Thorsten Vaupel.

In diesem Jahr wird Welcherod 100 Jahre alt. Anlässlich des Jubiläums setzten die Welcheröder am Sonntag in der Dorfmitte einen Jubiläumsstein.

Welcherod. Welcherod, im Volksmund auch Spitzbubenhausen genannt, besteht in diesem Jahr seit 100 Jahren. Das Dorfjubiläum sollte eigentlich mit einem Festwochenende im Juni gefeiert werden, doch aufgrund der Pandemiebeschränkungen wurden alle Feierlichkeiten vertagt. Um das Festjahr aber nicht ganz ohne eine Erinnerung verstreichen zu lassen, wurde am Sonntagmorgen auf dem Dorfplatz der sogenannte „Jahrhundertstein“ enthüllt.

So enstand der Begriff „Spitzbubenhausen“

Am 15. März 1921 erging an die Waldinteressenten Verna der Enteignungsbescheid für die Flächen Welcherods. Zuvor waren die Gemeinden Frielendorf, Verna und Spieskappel aufgefordert worden, Wohnraum für Bergarbeiter zu schaffen. Die Entscheidung fiel auf Verna und so hatten die Bauern Vernas ihr Land abzugeben. Den Bauern war zwar noch eine Landentschädigung gezahlt worden, doch fraß die Inflation den Gewinn auf, sodass ein Bauer den Ausspruch „Welcherod, das sind die Spitzbuben“ tat und so die schelmische Ortsbetitelung „Spitzbubenhausen“ geboren war. „Die Welcheröder selbst konnten ja nichts für die Umstände“, meinte Bürgermeister Thorsten Vaupel, der die Geschichte in Erinnerung rief. (zrd)

Er reiht sich neben die Gedenkskulptur, die zum 75-jährigen Bestehen als Erinnerung an die Bergmannszeit einst aufgestellt worden war. Bürgermeister Thorsten Vaupel zur Ortsgeschichte: Die 1920er-Jahre wären die Hochzeit des Braunkohlebergbaus der Region gewesen und so hätten viele Bergbauarbeiter in Welcherod Wohnraum gefunden. „Alle Häuser mussten mit einer Einliegerwohnung gebaut werden, um einem weiteren Bergmann aufzunehmen“, wusste Ortsvorsteherin Susanne Möller. Die Häuser seien alle im gleichen Stil errichtet worden, sodass viele Doppelhaushälften mit Wohnungen von jeweils rund 60 Quadratmetern, kleinen Stallgebäuden und Gartenflächen zur Selbstversorgung gebaut worden seien. „Welcherod wurde am Reißbrett geplant. Das sieht man dem Dorf, auch wenn es gewachsen ist, bis heute an“, so Vaupel.

Starke Bindung nach Frielendorf

Bis Welcherod 1974 mit Frielendorf eingemeindet wurde, hatte Welcherod keinen Ortsteilstatus, sondern galt lediglich als Wohnplatz Vernas. Die Welcheröder hätten seit jeher schon immer eine stärkere Bindung zu Frielendorf verspürt, hätten sie dort bis zur Schließung der Zeche im Jahr 1968 doch Arbeit gefunden. „Das Gesicht Welcherods hat sich verändert. Es ist ein toller Wohnort mit dem schönsten Sportplatz Frielendorfs, doch früher gab es mehr Leben im Ort“, resümierte der Bürgermeister. Ein Lebensmittelgeschäft gäbe es schon lange nicht mehr und auch das Vereinsleben sei längst nicht mehr so vielfältig wie einst. „Wir hatten einmal 17 Vereine, wo für jede Altersklasse und jedes Interesse etwas geboten wurde“, sagt auch die Ortsvorsteherin. Heute seien immerhin die Tankstelle, ein Friseurgeschäft, eine Handvoll Vereine und eine Gaststätte geblieben.

In Welcherod leben 457 Menschen, der jüngste drei Monate und die älteste 94 Jahre alt. Mitte der 1990er-Jahre hätten stolze 600 Menschen am Fuße des Sendbergs gewohnt. „Viele Bauplätze konnten verkauft werden, doch in den ehemaligen Bergarbeiterhäusern wohnen heute längst nicht mehr so viele Menschen wie früher. Oftmals wird ein einstiges Zweifamilienhaus heute nur noch von einer Familie bewohnt“, so Möller. Viele Welcheröder vermissen, gerade nach Corona, die einst geselligen Zeiten im Dorf. „Wir haben Theater gespielt, Karneval und unzählige Feste gefeiert. Die Senioren trafen sich immer auf den Bänken am Dorfplatz und das Vereinsleben war insgesamt viel bunter“, meint Rolf Knippschild, der zur Enthüllung des Jahrhundertsteins mit seinem Akkordeon aufspielte.

Spende zum Jubiläum

Welcherod sei im Grunde ein musikalisches Dorf hätten die „Jokers“ wie auch das „Ohetal Duo“ oder die Chorgemeinschaft viele Jahre die Menschen erfreut. Das Festausschussteam versicherte den Dorfbewohnern, dass die geplanten Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Dorfes auf jeden Fall noch nachgeholt werden.

Erster Beigeordner und angehender Bürgermeister Jens Nöll übergab eine erste kleine Spende zum Dorfjubiläum und Pfarrerin Felizitas Klippert erbat Gottes Segen für die Dorfgemeinschaft. Am Ende des Festaktes waren alle Dorfbewohner zur kleinen Zusammenkunft am Sportplatz geladen. (Regina Ziegler-Dörhöfer)

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