Vor zehn Jahren öffnete die Bäderlandschaft ihre Pforten

Das Paradies am Silbersee ist ein Magnet

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In die Landschaft eingebettet: Unsere Drohnenaufnahme zeigt die Eingangsseite des Wellnessparadieses am Frielendorfer Silbersee. Das Bad wird in dieser Woche zehn Jahre alt. Markant nicht nur die Form des Gebäudes, sondern auch das begrünte Dach.

Nach Jahren der Planungen und erbitterten Diskussionen eröffnete in der ersten Novemberwoche im Jahr 2009 die nordhessenweit einmalige Badelandschaft ihre Pforten. Besonders nicht nur wegen der Lage am See, sondern auch weil die Kommune Eigentümer und Betreiber zugleich ist.

Nach Jahren der Planungen und erbitterten Diskussionen eröffnete in der ersten Novemberwoche im Jahr 2009 die nordhessenweit einmalige Badelandschaft ihre Pforten. Besonders nicht nur wegen der Lage am See, sondern auch weil die Kommune Eigentümer und Betreiber zugleich ist.

Zwar werde das Bad nach Einschätzung von Bürgermeister und Geschäftsführer Thorsten Vaupel auf Dauer defizitär bleiben, dennoch schreibt das Bad eine Erfolgsgeschichte. Die erwarteten Besucherzahlen haben sich verdoppelt, erklärt Geschäftsführer Günter Wald. 600 000 Menschen genossen innerhalb von zehn Jahren die familiäre Atmosphäre der Sauna- und Badelandschaft. Und eine weitere Beobachtung war nicht erwartet worden: Ursprünglich sollte das Bad in erster Linie die Touristen anlocken, es zählen aber überwiegend Menschen aus der Region zu den Stammgästen. 

Die beiden Geschäftsführer: von links Thorsten Vaupel und Günter Wald auf der Galerie über dem Schwimmbecken.

Vaupel spricht von einem Mehrwert für die Einheimischen, für die es sich rechne, dass die Kommune als Betreiber die Höhe der Eintrittspreise in der Hand hat. Auch von Gruppen werde die Einrichtung gut angenommen, erklärt Betriebsleitern Andrea Wetzel. Der Belegungsplan sei vollkommen ausgelastet. 

Für Frielendorf erweist sich das Wellness-Paradies nicht nur als Besuchermagnet, sondern auch als kleiner Job-Motor: 40 Menschen arbeiten dort, zwei davon sind Vollzeitbeschäftigte, alle anderen überwiegend sozialversicherungspflichtig beschäftig. Die Betriebsleiterin spricht von einem klassischen Schichtbetrieb, fast jeder Tag müsse mit zwölf Stunden abgedeckt werden. „Wir sind ein Freizeitbetrieb, gearbeitet werden muss, wenn andere frei haben.

Hygiene wird großgeschrieben im Wellnessparadies. Das spiegelt sich nicht nur beim Rundgang in den blitzeblanken Bereichen des Gebäudes wider. Einmal wöchentlich steht eine Generalreinigung an, jährlich eine Revisionswoche. Der Badebetrieb leistet sich sieben eigene Reinigungskräfte und zwei Vollzeitkräfte für die Technik – zwei ausgebildete Handwerker. „Deshalb sieht auch nach zehn Jahren noch alles tipptopp aus“, meint Wald.

Blick von der Wasserseite: Wellnessparadies am Silbersee

„Stillstand bedeutet Rückschritt“, sind sich die beiden Geschäftsführer einig. Immer wieder muss sich der Betrieb veränderten technischen Ansprüchen anpassen. So gibt es inzwischen ein zweites Blockheizkraftwerk. Die Terrasse wurde erhöht, um einen besseren Blick auf den Silbersee zu ermöglichen. Auch den Bedürfnissen der Besucher passte sich das Wellnessparadies an. 

Insbesondere der Saunabetrieb erwies sich in den vergangenen Jahren als Publikumsmagnet. Bei stetig steigenden Besucherzahlen zeigte sich, dass die Betreiber umdenken mussten. Bis vor zwei Jahren befanden sich in dem Gebäude auf dem im See schwimmenden Ponton zwei Saunen. Im Zuge von Umbauten entstand dort eine große Aufguss-Sauna, die bis zu 40 Menschen Platz bietet.

Eine Bäderlandschaft in stürmischen Zeiten

Der Weg von den ersten Planungen bis hin zu einem Betrieb mit stetig steigenden Besucherzahlen war für die Bäderlandschaft ein äußerst holpriger. Heute punktet das Sechs-Millionen-Projekt mit vier Saunen, einem 15 Meter langen Schwimmbecken (Wassertemperatur 31 Grad), mit Whirlpool und Wasserrutsche und einem Wellness-Bereich. Ein kurzer Rückblick: Das Hallenbad im Ferienwohnpark hielt Ansprüchen nicht mehr stand, als Motor sollte ein neues Bad am Silbersee den Tourismus ankurbeln, bereits Anfang der 2000er-Jahre gab es erste Ideen dazu. 

Es rief viele Kritiker auf den Plan, als sich herauskristallisierte, dass die Gemeinde als Eigentümerin auftreten würde. Unzählige Debatten gab es nicht nur auf kommunalpolitischer Ebene. Man fürchtete die finanziellen Risiken für die Gemeinde. Es gründete sich eine Bürgerinitiative, die den gemeindeeigenen Bau verhindern wollte. Deren Bürgerbegehren kam letztendlich nicht zustande. 

Betrieb und Insolvenz 

Es war zunächst nicht der Plan gewesen, dass die Kommune auch als Betreiberin auftreten könnte. Die Gemeinde wollte eigentlich nur die Investitionen tätigen. Auch der Ferienwohnpark winkte zunächst ab. Den Tag der Eröffnung im November 2009 zelebrierten sie allerdings gemeinsam: Das Wellness-Paradies sollte im Namen und auf Rechnung von Gemeinde vom Ferienwohnpark Silbersee betrieben werden. Bitter: Nur einen Monat später meldete der Ferienwohnpark Insolvenz an. 

Auch stand die Anlage im Mittelpunkt von Ermittlungen wegen Schwarzarbeit und Insolvenz- und Bilanzdelikten. Im Frühjahr 2010 steht dann fest, die Gemeinde muss es richten. Eine gemeindeeigene Betreibergesellschaft soll das Wellnessparadies übernehmen. Dem Parlamentsbeschluss gingen hitzige Debatten voran. Die Skeptiker sahen ihre Warnungen bestätigt (inzwischen heißt es, dass auch viele der Kritiker das Bad besuchen) Die neue kommunale Betreibergesellschaft ging am 1. April 2010 an den Start.

Von Sylke Grede

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