Mohammed Baum flüchtete als Zwölfjähriger aus Eritrea und ist heute gut integriert

Fußball als Tor zur Sprache

Kümmert sich um seinen kleinen Bruder: Mohammed Baum (16, links) und sein Bruder Hassen (14) auf dem Fußballplatz der Schule im Ostergrund. Foto: Decker

Treysa. Mohammed Baum wohnt seit vier Jahren in Treysa. Sein Nachname sieht zwar deutsch aus, jedoch kommt Mohammed aus Eritrea und eigentlich spricht sich sein Name in zwei Silben, nämlich Ba-um. „Mittlerweile sage ich jedoch oft selber Baum“, erklärt Mohammed lächelnd. Lange Zeit hatte der 16-Jährige jedoch wenig Grund zum Lachen, denn er musste sein Heimatland vor vier Jahren Hals über Kopf verlassen.

Beachtliche Projektarbeit

Über sein Leben und seine Flucht referierte Mohammed kürzlich in einer beachtlichen Projektarbeit, die er mit einem Mitschüler für die Hauptschulprüfung vorbereitet hatte. Beeindruckt lauschten seine Klassenkameraden an der Schule im Ostergrund in Treysa und der Prüfungsausschuss seinem Bericht über die politischen Verhältnisse in Eritrea und seine persönliche Fluchtgeschichte.

Eltern waren Bauern

Mohammed wohnte mit seinen Eltern, einer älteren Schwester und zwei kleinen Brüdern auf dem Land in Eritrea. Vormittags besuchte er die Schule und nachmittags half er seinem Vater, der Bauer war. Eines Tages jedoch verhaftete die Polizei den Vater. „Wir wissen nicht, was ihm vorgeworfen wird“, erzählt Mohammed.

Flucht über den Sudan

Da willkürliche Verhaftungen in Eritrea zur Tagesordnung gehören (siehe Hintergrund), entschied die Mutter, mit ihren vier Kindern das Land zu verlassen. Die erste Station ihrer Flucht war der Sudan. Dort lebte eine Tante. Nach zwei Monaten reiste Mohammed mit seiner Schwester und seiner Mutter weiter nach Deutschland. Die beiden jüngeren Brüder blieben zu ihrem Schutz im Sudan. „Wären wir bei der Flucht verhaftetet worden, wären meine kleinen Brüder bei meiner Tante in Sicherheit gewesen“, erläutert Mohammed. Doch alles ging gut.

Der Anfang war nicht leicht

Sie kamen in Frankfurt an, beantragten Asyl und gelangten nach einem kurzen Zwischenstopp im Auffanglager Gießen in die Sammelunterkunft in Treysa, später fand die Mutter eine kleine Wohnung.

Mit dem Vermieter und den Nachbarn kommt die Familie gut aus. „Der Anfang in der Schule war nicht einfach“, erinnert sich Mohammed. Doch in der Schule im Ostergrund war für ihn das Fußballspiel in der Pause eine große Hilfe. Beim Fußball ist klar, wer was tun muss, so dass er auch ohne große Deutschkenntnisse mitspielen konnte, berichtet Mohammed.

Wie es seinem Vater geht, weiß Mohammed nicht, aber seit Oktober sind seine beiden Brüder auch in Deutschland. Um den 14-jährigen Hassen kümmert sich Mohammed während der Schulzeit. „Er weiß auch schon, was ‘pass´ und ‘lauf´ heißt“, grinst er.

Von Christiane Decker

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