Reise von Nordhessen nach Tschechien - viele Teilnehmer wurden von hier vertrieben

Gast in der alten Heimat

Der Besuch ihrer alten Heimat war für die Reiseteilnehmer nicht nur informativ, sondern ermöglichte auch viele persönliche Begegnungen. Organisiert hatte die Fahrt Dithmar Pfütz. Foto: Privat

Schwalm-Eder. Auf den Spuren der eigenen Vergangenheit wandelten im Frühherbst 46 Nordhessen. Für viele war eine Reise in das tschechische Mikulovice (deutsch: Niklasdorf) die Rückkehr in ihre alte Heimat. Der Ort war bis 1945 Teil des Deutschen Reiches. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Großteil der deutschstämigen Bevölkerung von dort vertrieben. Geschichte, die auch in der Kirche des Ortes dargestellt wird, berichtet uns Leser Horst Gömpel.

Ziel: Treysa und Wabern

Transportzüge mit den Vertriebenen fuhren auch nach Nordhessen. So kam der erste Zug mit 1198 Menschen an Bord Anfang Februar 1946 auf dem Bahnhof Treysa an. Ein weiterer Transport erreichte im Mai 1946 den Bahnhof Wabern. Für viele Reiseteilnehmer war daher besonders der Besuch des Lagers MUNA bewegend. Hier wurden die Vertriebenen bis zur Abfahrt der Züge untergebracht, nachdem sie ihre Häuser verloren hatten. Viele der Reiseteilnehmer waren persönlich in diesem Lager untergebracht oder haben Eltern und Großeltern, die dort lebten.

Keine Entschuldigung nötig

Einige Teilnehmer besuchten die ehemaligen Wohnhäuser ihrer Familien und trafen dort die tschechischen Bewohner, die sie bereits von früheren Besuchen kannten.

Ein besonderes Erlebnis war das Zusammentreffen einer Teilnehmerin mit dem heutigen Eigentümer ihres früheren Elternhauses. Die Worte des 40-Jährigen freuten sie sehr. Er sagte zu ihr: „Ich bitte Sie um Verzeihung für das, was wir Ihnen angetan haben.“Nach all der Zeit war für die Frau eine solche Entschuldigung nicht nötig. Aus ihrer Sicht gebe es nichts, was sie dem Tschechen verzeihen müsse. (dbr)

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