Zu Gast: Expertin sprach über Fukushima

Die Gefahr ist weiterhin groß

Japanische Expertin: Zur Atomkatastrophe in Fukushima referierte an der Melanchthon-Schule Oshidori Mako (links) aus Japan vor Schülern der Einführungsphase. Foto: privat/nh

Steinatal. In Erinnerung an den das Reaktorunglücks von Fukushima hatten Schüler der Einführungsphase in der Melanchthon-Schule die Gelegenheit, mit Oshidori Mako, einer der besten Kennerinnen der Folgen der Atomkatastrophe, zu diskutieren. Sie wurde begleitet von ihrem Mann. Die japanischen Gäste befinden sich anlässlich einer internationalen, interreligiösen Tagung über die Energiewende in Hessen und besuchen Schulen, um über den Reaktorunfall 11. März 2011 und dessen Folgen zu informieren. Auslöst wurde dieser „Unfall“ durch heftige See- und Erdbeben sowie Tsunamiwellen, die sechs Atomreaktoren in Fukushima erreichten. Drei Reaktorkerne schmolzen und ein weiterer Reaktor wurde stark beschädigt.

Engagiert und beeindruckend beschreiben Schüler den Vortrag von Oshidori, die sich seit der Katastrophe in dem AKW intensiv mit der Thematik beschäftigt, eigenständig recherchiert und sich nicht scheut, bei Pressekonferenzen des AKW-Betreibers Tepco und gegenüber japanischen Politikern kritische Fragen zu stellen. Zu den überraschenden bzw. erschreckenden Aussagen gehörte die Information, dass Lebensmittel aus dem Umfeld von Fukushima in Schulkantinen verarbeitet werden, um das Image dieser Produkte zu verbessern. Es werde argumentiert, dass alle Grenzwerte eingehalten würden. Auch die Evakuierung der Bevölkerung habe nicht sofort stattgefunden. Zu den besonders schlimmen Folgen der Reaktorkatastrophe gehöre die radioaktive Kontaminierung des Grundwassers. Noch heute lagere eine große Anzahl von Tanks mit diesem Wasser auf dem AKW-Gelände, ohne das bislang eine Methode zur Reinigung des Wassers gefunden sei. Große Mengen an verseuchtem Grundwasser fließen immer noch ins Meer, so Oshidori.

Weitere AKW geplant

Kritisch setzte sich die Referentin mit offiziellen Statistiken und den Methoden der Datenerhebung auseinander, z. B. dass nur die Todesfälle von AKW-Mitarbeitern gezählt werden, die auf dem Firmengelände während der Arbeitszeit festgestellt werden. Neben der japanischen Regierung wies sie auch der OECD eine Verantwortung für den Ausbau der Kernenergie in Japan und in ganz Asien zu, weil diese Organisation AKW befürworte. 50 weitere Atomkraftwerke seien im asiatischen Raum geplant. Als besonders problematisch beschrieb sie die Situation in Japan, weil der Öffentlichkeit viele Informationen nicht mitgeteilt würden. (syg)

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