Unterirdische Gänge unter dem Dorf retteten während des Dreißigjährigen Krieg die Einwohner

Das Geheimnis bleibt verborgen

Schrecksbach. Tief unter dem Asphalt in der Schrecksbacher Dorfmitte schlummert ein Geheimnis: Ein alter unterirdischer Tunnel soll den Dorfbewohnern während des Dreißigjährigen Krieges das Leben gerettet haben. Das jahrhundertealte Bauwerk scheint ebenso verschüttet wie die Erinnerung daran.

Ein steinernes Haus hat der Zeit getrotzt. Wie ein Mahnmal steht mitten im Ort ein Gebäude aus Sandstein, das die Schrecksbacher das „Burghaus“ nennen. Wer mit der Eigentümerin Petra Buchhold die Stufen zum Keller hinabsteigt, fühlt sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt.

Das Burghaus war ganz offensichtlich der Mittelpunkt eines Systems von unterirdischen Gängen, das zumindest drei der vier Adelssitze miteinander verbunden hat. Zum Lebensretter wurden die Gänge für einige Dorfbewohner an einem Abend des Jahres 1635: Während die einfachen Leute am Weihnachtstag in der nahen Kirche beteten, überfielen kroatische Söldner den Ort. Glocken müssen mit Sturmläuten gewarnt haben, als die Kriegstruppen das Bauerndorf brandschatzten. Nur wenige konnten sich in die unterirdischen Gänge zwischen den Kellern zweier Burgsitze retten. Andere Kirchenbesucher flohen in ihrer Not in die Gruft unter dem Gotteshaus, heißt es in alten Überlieferungen.

Die Flucht in die Gruft könnte auch der Grund dafür sein, weshalb sich das Gerücht eines unterirdischen Ganges unter dem Altar bis heute erhalten hat. Ein Verbindungsgang ist jedenfalls nicht nachweisbar. Auch bei den umfassenden Renovierungsarbeiten Anfang der 80er-Jahre wurde in der Kirche kein unterirdischer Gang gefunden, erinnert sich der Kirchenälteste Fritz Dirlam.

Das Tunnelsystem ist seit Generationen nicht mehr begehbar. Aber noch immer sind die Eingänge von zumindest drei Gängen im Burgkeller sichtbar – eingefasst mit schweren Sandsteinblöcken und ausgemauert mit Feldsteinen. So erinnern in Schrecksbach nur noch ein Kellergewölbe und das Läuten der Kirchenglocken an einen der schrecklichsten Kriege. (nh)

Von Stefan Prinz

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