Mindestens sieben Fälle

47-Jähriger soll Mädchen mehrfach gestreichelt haben: Geldstrafe

Marburg. Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilte das Landgericht Marburg einen Mann aus dem Altkreis Ziegenhain zu einer Schadensersatzzahlung und einer Geldstrafe von insgesamt 1850 Euro.

Die Anklage lautete auf sexuellen Missbrauch der Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin in mindestens sieben Fällen.

Der Mann soll demnach die Zwölfjährige mehrfach bei Übernachtungen in seinem Haus unsittlich berührt haben. Zwei der Taten, die sich laut Staatsanwaltschaft zwischen Juni 2005 und Mai 2006 ereignet hatten, wurden näher ausgeführt.

Wie der Richter erklärte, soll der Angeklagte das Kind in einem Fall auf seinem Sofa in den Arm genommen und über der Kleidung gestreichelt haben. Ein anderes Mal sei er weiter gegangen, habe dem Mädchen unter das Nachthemd gefasst und es am Bauch und unter der Brust gestreichelt.

Für diese beiden Taten wurde der Angeklagte in erster Instanz vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt. Doch der Mann legte Berufung ein. Der Fall landete beim Landgericht in Marburg.

Dass der Angeklagte nur eine Bewährungsstrafe von neun Monaten bekommen habe, liege laut dem Richter an der Definition von sexuellen Handlungen im Strafgesetzbuch. Demnach müssen sexuelle Handlungen „von einiger Erheblichkeit“ sein. Der Fall des heute 21-jährigen Opfers liege „am unteren Rand der Erheblichkeit“, so der Richter.

Opfer sagte im Vorfeld aus

„Ich habe sie nicht berührt oder gar gestreichelt“ und „Ich bin ihr nie an oder unter die Wäsche gegangen“, das sagte der Angeklagte während der Befragung am Landgericht immer wieder. Doch das Opfer hatte bereits im Vorfeld der ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht detailliert geschildert, zu welchen Übergriffen es im Haus des Angeklagten gekommen sei. Von Umarmungen, Streicheln unter der Kleidung und sogar Küssen in mindestens sieben Fällen war die Rede. Allerdings wollte und musste sie im Berufungsverfahren nicht noch einmal aussagen.

Der Staatsanwalt baute „eine goldene Brücke für den Angeklagten“. Er schlug ihm einen Täter-Opfer-Ausgleich vor, also ein Tateingeständnis in Verbindung mit einer Wiedergutmachungsleistung. Im gleichen Atemzug betonte er jedoch: „Sexuelle Übergriffe sind Straftaten, keine Kavaliersdelikte, egal wie leicht oder wie schwer sie sind.“

Der Verteidiger nahm das Angebot des Staatsanwalts im Namen des Angeklagten an. „Es tut mir leid“, sagte dieser abschließend noch zu seinem Opfer, obwohl er die sexuellen Übergriffe im Prozess immer wieder abgestritten hatte.

Nach 15-minütiger Beratung verurteilte das Landgericht ihn zu einer Entschädigungszahlung von 1000 Euro an die 21-Jährige. Die Anklage wegen Streichelns auf dem Sofa wurde wegen Geringfügigkeit fallen gelassen. Für das Anfassen des Mädchens unter der Kleidung bekannte sich der Mann schuldig. Daher wurde seine Bewährungsstrafe in eine Geldstrafe von 85 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro umgewandelt. Grund für die niedrigen Beträge war, dass der Angeklagte von Erwerbsunfähigkeitsrente und Hartz IV lebt, so der Richter.

Von Jasmin Paul

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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