Zellaer informierten sich über die Unterbringung von Flüchtlingen in ihrem Dorf

Gemeinde will helfen

Gespannte Zuhörer: Mehr als 130 Menschen kamen zur Informationsveranstaltung über die Unterbringung von Flüchtlingen in das DGH in Zella. Fotos: Haaß

Zella. Die Stühle im Dorfgemeinschaftshaus Zella reichten am Dienstagabend zunächst gar nicht aus. Über 130 Menschen wollten sich in der Informationsveranstaltung über die geplante Unterbringung von Flüchtlingen in dem Willingshäuser Ortsteil informieren. Der Schwalm-Eder-Kreis hat die Absicht, in Kürze zwei Familien in einem Zellaer Wohnhaus unterzubringen. Damit wäre Willingshausen die 21. Kommune im Landkreis, die Flüchtlinge aufnimmt.

„Ziel ist es, Fragen zu stellen, aber auch Ängste und Befürchtungen äußern zu können“, erklärte Ortsvorsteher Stefan Völker. Die Stimmung im DGH war angespannt aber ruhig. Die Fragen drehten sich um praktische Probleme im Umgang mit Flüchtlingen: Wo gehen die Kinder zur Schule, wie werden die Menschen betreut?

Dank der Moderation des Ortsbeirats verlief die Diskussion fair und strukturiert. Jeder Einzelne hatte die Möglichkeit, sein Anliegen vorzutragen, nur selten wurden Redner vom Plenum unterbrochen.

Erst vor vier Wochen habe es die offizielle Anfrage des Schwalm-Eder-Kreises an die Gemeinde Willingshausen gegeben, stellte Völker klar. Das wollte Kai Hennighausen so nicht stehen lassen und kritisierte die in seinen Augen schleppende Informationspolitik. Bereits im März hätten erste konkrete Gerüchte im Ort für Unruhe gesorgt, sagte er. Bürgermeister Heinrich Vesper widersprach: „Für meine Begriffe gab es eine lückenlose Information.“

Heidrun Hartwig von der Betreuungsstelle für Zuwanderer informierte die Anwesenden: „Wöchentlich kommt ein Bus mit 30 Menschen im Landkreis an, die verteilt werden müssen.“

Im Gegensatz zu früher sei es das Bestreben des Kreises, die Menschen in kleineren Gruppen auf die Kommunen zu verteilen, erklärte Hartwig. Man werde möglichst keine Gruppen von alleinstehenden jungen Männern in Dörfer wie Zella setzen, so Hartwig: „Ich kann es aber nicht zu hundert Prozent garantieren.“

Dem stellte sich der Ortsbeirat entgegen. Im Anbetracht der örtlichen Strukturen in Zella fordere man die vorrangige Unterbringung von Familien, sagte Ortsvorsteher Stefan Völker. Armin Keszler erinnerte an die negativen Erfahrungen mit männlichen Flüchtlingen in Nachbarorten Mitte der 90er-Jahre.

Eins wurde im Lauf des Abends im Dorfgemeinschaftshaus deutlich, die Menschen in Zella sind zwar besorgt, wollen sich aber der Situation stellen: „Bei den Flüchtlingsströmen bleiben auch wir nicht verschont und sollten das Beste daraus machen“, brachte es eine Frau auf den Punkt und erntete dafür Applaus.

Von Matthias Haaß

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