Gericht verurteilt Neustädter wegen Drogenhandelns

Marburg/Neustadt. Es geht auf 13 Uhr zu, als die Staatsanwältin endlich dazu kommt, den Anklagesatz vorzulesen.

Sie wirft dem Angeklagten aus Neustadt, der erst mit mehrstündiger Verspätung im Gerichtssaal erscheint, vor, viermal Betäubungsmittel in Frankfurt zum Weiterverkauf erworben zu haben. Und zwaren fünf Kilo Amphetamin, 89,5 Gramm Marihuana, 100 Gramm Marihuana und 10 Pillen Ecstasy.

Sein Mandant habe als Kokain-Abhängiger täglich drei Gramm konsumiert, erklärte der Verteidiger. Den dafür erforderlichen erheblichen Geldbedarf habe er sich durch den An- und Verkauf von Betäubungsmitteln finanziert. Der Angeklagte selbst erklärte, seit mehreren Jahren Kokain zu konsumieren. Schon nach einem Monat sei er süchtig gewesen.

Ein Polizeibeamter gab dem Gericht einen Überblick zu den polizeilichen Ermittlungen in dieser Sache: Die Polizei sei durch die Telefonüberwachung eines vielseitig aufgestellten Neustädter Dealers auf den Angeklagten aufmerksam geworden.

Teil eines Drogenrings 

Dieser habe sich bei dem Dealer immer wieder gemeldet und sei deshalb bis zu seiner Festnahme am 20. Januar 2016 überwacht worden. Der Angeklagte saß bis zur vorläufigen Aussetzung des Haftbefehls im Mai in Untersuchungshaft. Elf Vorstrafen und drei zur Bewährung ausgesetzte Reststrafen, für die die Bewährungsfristen noch laufen, brachte der Metallbauer mit in die Verhandlung. Besonders die Verurteilung aus dem Mai 2010, als er als zentrale Figur eines kleinen regionalen Drogenrings zur drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden war, wog schwer.

Die Verteidigung sah trotzdem die Chance für eine Bewährungsstrafe gegeben. Sein Mandant konsumiere laut Drogenscreening nicht mehr, arbeite, gehe zur Drogenberatung und habe sich geständig gezeigt.

Staatsanwältin sah für den dreifachen Bewährungsversager keine Gründe für eine Bewährung. Dieser sei wieder einschlägig straffällig geworden und habe die Auflage bei seiner Haftentlassung im Mai, sich in stationäre Therapie zu begeben, missachtet. Sie beantragte wegen Handelns mit Betäubungsmitteln in drei Fällen eine Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung. Außerdem beantragte sie die Einziehung von 4763 Euro Drogengeld, die beim Angeklagten gefunden wurden.

Haftstrafe ohne Bewährung 

Das Gericht folgte mit einer geringen Abweichung den Anträgen der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten ohne Bewährung. Das Gericht bewege sich am unteren Strafrahmen.Trotz des werthaltigen Geständnisses und der Tatsache, dass es um weiche Drogen gehe, reiche es nicht für eine neuerliche Bewährungsstrafe, sagte der Richter.

Von Matthias Mayer

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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