SPARKASSENJUBILÄUM Vor 175 Jahren eröffnete die Stadtsparkasse Treysa

Geschäftsmodell mit Erfolg

+
Neubau am jetzigen Standort: In den 1960er-Jahren entstand das Gebäude in der Bahnhofstraße.

Sie ist die letzte selbstständige Bank im Altkreis Ziegenhain – die Stadtsparkasse Schwalmstadt mit Sitz in Treysa. Gegründet wurde sie 1844 vom damaligen Bürgermeister Daniel Heinrich Stephan.

Vor 175 Jahren, am 10. Oktober 1844, öffnete die Städtische Sparkasse in Treysa ihre Türen. Bis heute hat die letzte selbstständige Bank im Altkreis Ziegenhain ihren Sitz in der Bahnhofstraße sowie eine Zweigstelle in der Friedrich-Ebert-Straße. Geleitet wird das Haus von einer Doppelspitze: Wilhelm Bechtel (57) ist seit 2001 im Vorstand, Reinhard Hooß (48) seit 2010. In den kommenden Tagen wird das Unternehmen in einem Festakt die Geschichte Revue passieren lassen, für Kunden gibt es Aktionen und ein Wohltätigkeitskonzert.

Gründer der Stadtkasse war der Justizrat und Bürgermeister Daniel Heinrich Stephan, der mit den Stadtvätern bereits im Januar 1844 über die Einrichtung von Sparkassen sprach. Zu lesen ist in der Chronik: „Nun soll auch in Treysa eine solche Wohltätigkeitsanstalt ins Leben gerufen werden, wie sie von der Armenkommission in Treysa bereits 1837 vorgeschlagen worden war.“ Die Eröffnung der Städtischen Sparkasse wurde durch öffentlichen Ausruf verkündet. Heinrich Schlitt aus Neustadt, er ist Töpfergeselle in der Treysaer Töpferei Landgrebe, war zwei Tage später der erste Kunde und zahlt 90 Taler ein. Der erste Kreditnehmer hieß lsaac Stein. Er borgte 60 Taler.

11 Mitarbeiter zogen in Neubau

Der Umsatz in den Folgejahren nach der Gründung stieg stetig. Der Einlagenbestand betrug Ende 1875, nach der Abschaffung des Talers, 403 409 Mark. 1924 zog die Sparkasse, die bis dahin im zweiten Stock des Rathauses untergebracht war, ins Erdgeschoss. 1939 erfolgte der Umzug der elf Mitarbeiter in den Neubau in der Ascheröder Straße/Ecke Wasenberger Straße.

Das Domizil an der Ecke Ascheröder/Wasenberger Straße: 1939 entstand dort der Neubau für die seinerzeit elf Mitarbeiter der Städtischen Sparkasse. Fotos: 4 Archiv Stadtsparkasse/1 Sandra Rose

Moderner Bau entstand in Bahnhofstraße

Ein moderner Neubau der Bank entstand 1966 in der Bahnhofstraße. Seinerzeit waren dafür der damalige Sparkassenvorstand unter dem Vorsitz von Bürgermeister Ernst Hohmeyer und Sparkassendirektor Fritz Roth verantwortlich.

WilhelmBechtelVorstand

Zwei Jahre später brach für die Sparkasse das EDV-Zeitalter an. Zum 125. Geburtstag 1969 wurde die kürzeste Verbindung zwischen der Bahnhofstraße und der Oberstadt eingeweiht – die Treppenstraße. 1970, seinerzeit wurde die Großgemeinde Schwalmstadt gebildet, änderte die Bank ihren Namen – in Stadtsparkasse Schwalmstadt, das Zweigstellennetz wurde ausgebaut.

Auch technisch hielt die kleine Bank mit: 1983 war der in Treysa in Betrieb genommene Geldausgabeautomat einer der ersten im Kreis. 1983 kauft die Stadtsparkasse die gegenüberliegende ehemals städtische Parkrampe und schuf 60 Kundenparkplätze, zwei Jahre später rückte Sparkassendirektor Wilfried Franz in den Vorstand nach. Unter seiner Regie wurde das bisherige Hauptstellengebäude erweitert.

Stolz auf ihre kleine Bank

Heute sind Bechtel und Hooß zu Recht stolz auf ihre kleine Bank: „Immerhin stemmen wir das Geschäftsmodell mit unter 50 Mitarbeitern. Und wurden dafür schon mehrfach ausgezeichnet.“ Die Stärke sei nach wie vor der regionale Bezug, die direkten Ansprechpartner. „Wir können hier, anders als bei Großbanken, sehr schnell entscheiden“, sagt Bechtel.

In der 175-jährigen Geschichte hat es auch die eine oder andere Anekdote gegeben, die sich die Mitarbeiter noch gern erzählen. In Wiera etwa ging in den 1960er-Jahren die Kundenbetreuung über das normale Maß hinaus – nur so ist es zu erklären, dass die Mitarbeiter, die abends kräftig Kirmes feierten, tags darauf in der Geschäftsstelle einschliefen. 

Nahezu verschont blieb die Bank von Überfällen: Einen einzigen gab es auf die Treysaer Zweigstelle vor etwa 17 Jahren. Der maskierte Täter erbeutete nur wenige tausend Mark, gefasst wurde er nie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.