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Ziegenhain: Zeitreise zur ersten Konfirmation und in die Ära Heinz von Lüders

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Humorvoll bei der Sache: Von links Dekan Christian Wachter als Pfarrer, Reinhard Natt als Landgraf und Gabriele Franke als Ehefrau von Heinz von Lüder.
Humorvoll bei der Sache: Von links Dekan Christian Wachter als Pfarrer, Reinhard Natt als Landgraf und Gabriele Franke als Ehefrau von Heinz von Lüder. © Celine Kühn

In die Vergangenheit entführten am Sonntagnachmittag Landgraf Philipp, ein Pfarrer und Kunigunde von Lüder. Zum Tag der Schlösser und Burgen eröffneten die drei historischen Figuren die im Anschluss folgende Stadtführung mit einem Schauspiel zur ersten Konfirmation 1539.

Ziegenhain. Landgraf Philipp, gespielt von Reinhard Natt, und der Pfarrer, gespielt von Dekan Christian Wachter, besprachen das Vorhaben, dass junge Menschen nach ihrer Taufe ihren Glauben öffentlich bejahen sollten. Es war die Idee des Landgrafen gewesen, einen Kompromiss zwischen Säuglings- und Erwachsenentaufe zu finden, denn die Taufe war durch die Wiedertäuferbewegung in Frage gestellt worden, da kleine, unmündige Kinder sich nicht bewusst entscheiden könnten. Junge Menschen an der Schwelle zum Erwachsensein sollten an einem Katechismusunterricht teilnehmen, welcher dann in dem öffentlichen „Ja“-Sagen zum Glauben mündete: Die Konfirmation war geboren.

Musikalisch begleitet wurde das Schauspiel vom Kirchturm aus. Nach dem Gelingen der ersten Konfirmation stieß zu Pfarrer und Landgraf dann auch Kunigunde von Lüder, Frau des ersten Stadtkommandanten, hinzu. Nach einem kurzen Austausch der drei Protagonisten ging es mit Kunigunde auf zur Führung durch die alte Festung.

Am Landgrafenschloss startete die Reise: hier plauderte Kunigunde das ein oder andere Geheimnis des Landgrafen Philipp aus. Weiter ging es dann unter anderem zum Lüdertor, dem Mittelpunkt der Festung und der Wallanlage.

An jedem der historischen Orte konnte das Publikum Kunigundes spannenden Anekdoten lauschen. Mit viel Witz und Charme berichtete Gabriele Franke in ihrer Rolle von der Bedeutung der Festung, den Funktionen der alten Gebäude – und sie teilte den Klatsch und Tratsch der damaligen Zeit mit ihrem Publikum.

Als Kunigunde in ihrem Element: Gabriele Franke vermittelt seit einigen Jahren als Stadtführerin Wissenswertes aus der Festung Ziegenhain.
Als Kunigunde in ihrem Element: Gabriele Franke vermittelt seit einigen Jahren als Stadtführerin Wissenswertes aus der Festung Ziegenhain. © Celine Kühn

Besucher loben Veranstaltung

Etwa 40 Zuschauer und Zuhörer waren aufmerksam dabei, „das war mein bisher größtes Publikum“, so Gabriele Franke nach der Veranstaltung, „die Menschen haben sehr interessiert gewirkt.“ Besucher Wilfried Porada bestätigte das voll: „Ich fand die Veranstaltung toll! Ich wohne seit 38 Jahren hier und habe heute nochmal einiges dazu gelernt“, freute er sich.

Gabriele Franke verrät, wie sie überhaupt dazu kam Stadtführungen zu leiten: Vor drei Jahren entdeckte sie einen Artikel in der HNA, der von der Stadtführung der Hebamme berichtete. Darunter ein Aufruf: Wer sich vorstellen kann selbst eine Stadtführung zu leiten, solle sich beim Tourismusbüro melden. Sie habe schon immer gerne historische Romane gelesen und nach dem Bericht stand für sie fest: „Das will ich auch machen.“

Gesagt, getan. Am nächsten Tag stellte sie sich beim Tourismusbüro vor und erarbeitete ein erstes Programm. „Ich liebe es in eine ganz andere Zeit einzutauchen. Die Historie begeistert mich“, schwärmt sie. Denn: „Es macht großen Spaß den Menschen die Geschichte näherzubringen und ihnen zu zeigen, wie besonders sie ist.“ Dass sie gerade Kunigunde von Lüder als ihre Figur gewählt hat, hat einen ganz besonderen Grund: „Sie ist eine sehr besondere Frau und hat durch ihren Mann auch Einblicke hinter die Mauern des Landgrafenschlosses bekommen.“ Heinz von Lüder war der erste Stadtkommandant von Landgraf Philipp und konnte seiner Frau somit viel berichten.

Die Idee zum Tag der Schlösser und Burgen in Nordhessen etwas Besonderes zu veranstalten, kam von Gabriele Franke und Dekan Christian Wachter. Gemeinsam hatten die Darsteller das Schauspiel geplant. So reihte sich Ziegenhain am Sonntag auf originelle Weise unter 32 besonderen Orten mit Burgen und Schlössern in Nordhessen ein, die am Aktionstag teilnahmen. Er findet immer am vierten Sonntag im April statt. (Celine Kühn)

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