Tourismusbüro und Dorfverbund hatten zum besonderen Dorfrundgang eingeladen

Geschichte zu Fuß erleben

Perspektive: An der Kirche in Merzhausen war der Start des Dorfrundgangs in Merzhausen. Fotos:  privat/nh

Merzhausen. Zahlreiche Interessierte aus Merzhausen und den umliegenden Ortschaften erlebten kürzlich beim Dorfrundgang eine Premiere hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen dem Willingshäuser Touristik Büro und dem Dorfverbund Merzhausen. Während die Terminankündigungen in den Medien von der WTB übernommen wurden, organisierte der Dorfverbund die Tour durch Merzhausen.

Michael Baumann, Frank Schnücker und Heinrich Keller erzählten viel Wissenswertes über die Adelsgeschlechter, die ehemalige Wasserburg, die Standorte der Merzhäuser Mühlen und die jüdische Gemeinde, zu der auch die jüdischen Bewohner von Willingshausen und Schrecksbach zählten.

Startpunkt des Streifzuges durch die Geschichte war die Merzhäuser Kirche. Anschließend besichtigte man bei kühlem Herbstwetter die Portalpfosten der alten Wasserburg, die jüdische Schule, den Türsturz des einstigen Forsthauses (vormals Wohnhaus der Domäne) mit der Jahreszahl 1735, das Weiterhausensche Wohnhaus, welches 1663 errichtet wurde, sowie die Judengasse mit dem Haus von Salomon Spier, der 1945 aus dem Lager Theresienstadt zurückkehrte und zwei Jahre später an den Folgen der Misshandlungen verstarb.

Neben vielen Daten und Jahreszahlen erfuhren die Anwesenden auch Episoden aus dem Dorfleben, wie den Sturm auf das Pfarrhaus und den Mühlenprozess. Diese beiden Ereignisse sind exemplarisch für das oftmals schwierige Verhältnis zwischen Pfarrer und dem Adelsgeschlecht der Weitershausen sowie der beiden ortsansässigen Adligen untereinander.

Auch über jüdische Sitten und Gebräuche wurde gesprochen. Beispielhaft wurden diesbezüglich der Sabbat sowie das Passah- und Laubhüttenfest erwähnt. Leider nicht mehr anschauen konnte man Synagoge und Mikwe (ein rituelles Bad), die in den Jahren 1951 (Synagoge) und 1931 (Mikwe) abgerissen wurden. Dies gilt auch für die einstigen Mühlen (Mühle Itzenhäuser und Wiesenmühle) sowie den Mühlgraben, welche bis 1965 das Dorfbild prägten.

Damalige Standorte

Bezüglich dieser Gebäude war es bei dem Rundgang nur noch möglich, auf die damaligen Standorte zu verweisen. Die Führung durch die Geschichte von Merzhausen endete am jüdischen Friedhof, der am Ortsrand angesiedelt ist und auf dem als letzter Merzhäuser Jude der bereits erwähnte Salomon Spier im Jahr 1947 beigesetzt wurde.

Da im Judentum am Sabbat, also von Freitagabend bis Samstagabend, der Friedhof nicht betreten werden darf, wurde dieses Gebot von den Teilnehmern entsprechend befolgt. Einige Beteiligte haben sich daher vorgenommen, die jüdische Begräbnisstätte an einem anderen Wochentag privat zu besuchen. (syg)

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