Dr. Andreas Götze erklärt Hintergründe zur Lage im Nahen und Mittleren Osten

Geschichte kritisch lesen

Vortrag in der Hephata-Kirche: Dr. Andreas Götze sprach über die Probleme und Konflikte im Nahen Osten. Foto: Rose

Treysa. Im Nahen und Mittleren Osten brodelt es: In Syrien, im Irak, in Israel und Palästina bestimmen Extremisten die Szene. Doch was sind die Hintergründe für diese Auseinandersetzungen im Namen der Religionen? Der Berliner Experte Dr. Andreas Goetze ging am Donnerstagabend diesen Fragen nach.

Auf Einladung der Diakonischen Gemeinschaft Hephatas und des evangelischen Forums Schwalm-Eder beleuchtet Goetze inwieweit religiöse Überzeugungen die Politik beeinflussen. Sein Augenmerk galt dem israelisch-palästinensischen Konflikt.

Bewusstsein für Unruheherde

Was bedeutet das Land für Juden, Christen und Muslime? „Ich möchte die Hintergründe für die Konflikte sichtbar machen“, sagte der Pfarrer. Bei der Kurden-Problematik würde der Konflikt den Menschen quasi in die Wiege gelegt: „Es wurden Grenzen gezogen. Aber eben Grenzen, die den Menschen weder historisch noch geografisch entgegen kommen.“ Mit seinen Vorträgen wolle er ein Bewusstsein dafür schaffen, worin die Unruheherde begründet seien.

Unlängst hätten 120 Gelehrte ein Papier verfasst, das an den Kalifen der Isis gerichtet gewesen sei. „Darin ist zu lesen, dass die Taten mit dem Islam nicht zu vereinbaren sind.“ Götze kritisierte das stark vom Islamismus geprägte Medienbild. Er warnte, alle Muslime für den Konflikt haftbar zu machen. Denn die Konflikte seien nicht primär religiös geprägt: „Es geht um Territorien, um Clans, um Wasser, um Diktatur und den Mangel an einer Zivilgesellschaft. Religion kann dabei zum Katalysator werden.“

Mythen und Ideologien

Im israelisch-palästinensischen Konflikt hätten sich Berichte über geschichtliche Ereignisse verfestig: „Sie leben davon, dass Menschen davon überzeugt sind, ein Recht darauf zu haben in diesem Land zu leben – weil sie die Opfer sind“, erklärte Götze. Kirche solle versuchen, Versöhnung zu bewirken.

Selbst die Wetterkarte – auf der Städte nicht existent seien – zeige den Umgang miteinander. Der Experte machte deutlich: „Es geht darum, Geschichte kritisch zu lesen. Es gibt Mythenbildung, viel Ideologisierung. Religion kann Mythen verstärken. Mir ist es wichtig, Nachrichten sensibler zu hören, nicht zu schnell auf eine Seite zu springen.“

Von Sandra Rose

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