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Getreideernte war zufriedenstellend - große Verluste beim Mais

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Von: Matthias Haaß

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Altkreis Ziegenhain: Landwirte nutzen gutes Sommerwetter für die Ernte
Altkreis Ziegenhain: Landwirte nutzen gutes Sommerwetter für die Ernte © Regina Ziegler-Dörhöfer

Das Erntejahr 2022 war zu heiß und auch zu trocken. Die Erntebilanz im Schwalm-Eder-Kreis fällt daher zweigeteilt aus. Besonders bei den Sommerkulturen wie Mais gab es teilweise große Verluste.

Die Ernte ist größtenteils eingefahren und der Regionalbauernverband Kurhessen zog in dieser Woche auf dem Hof des Biolandwirt Dr. Andreas Schaal in Sebbeterode ein vorläufiges Fazit. Besorgt sind die Landwirte über die Veränderungen des Klimas, die sich in diesem Jahr auf die Erträge ausgewirkt haben.

Bei einigen Kulturen rechnen die Landwirte im Verbandsgebiet mit bis zu 50 Prozent Ertragsverlust. Insbesondere die Sommerkulturen wie zum Silomais, Ackerbohnen und Zuckerrüben sind betroffen. Mit Blick auf Regenmangel und hohe Temperaturen in den Sommermonaten könne man durchaus von einer katastrophalen Entwicklung sprechen, bilanziert Frank Käufler vom Arbeitskreis Ackerbau. Mit je 300 Sonnenstunden zählen Hessen und Rheinland-Pfalz zu den trockensten Bundesländern. Dieser Sommer sei einer der sechs trockensten seit 1881 gewesen, heißt es seitens des Bauernverbands.

Abhängig vom Wetter

Man habe in diesem Jahr wieder gesehen, wie abhängig die Landwirtschaft vom Wetter sei, so Käufler: „Wir haben ein Extrem erlebt.“ In den Sommermonaten sei der Boden stellenweise bis zu 60 Zentimeter trockengefallen, berichtete Käufler. Die Getreideernte begann 2022 gut zehn Tage früher als üblich. Teilweise wurden die Bestände aufgrund des fehlenden Regens notreif. In der Quantität konnte die Weizenernte durchaus überzeugen, die Qualität ließ aber zu wünschen übrig. Bedingt durch fehlende Niederschläge, Hitzeperioden und reduzierter Stickstoffdüngung sei der Eiweißgehalt niedrig, schreibt der Bauernverband in seiner Bilanz: „Große Mengen Weizen können daher nicht zu Brot oder Ähnlichem verarbeitet werden.“ Im Verhältnis zur gesamten Ackerfläche lag die Weizenanbaufläche mit 21 300 Hektar auf dem Niveau des Vorjahres, damit bleibt Weizen auch 2022 die wichtigste Getreideart im Schwalm-Eder-Kreis.

Bei allen Problemen sei der Beruf des Landwirts beliebt, freut sich Vorsitzender Norbert Klapp. 110 Menschen im Verbandsgebiet würden eine Ausbildung absolvieren, „darunter mittlerweile 50 Prozent Fachfremde“.

Sommer war viel zu trocken

Wohl nur wenige Berufszweige leben und arbeiten so eng mit der Natur und damit auch dem Wetter zusammen wie die Landwirtschaft – und dabei ist völlig unerheblich, ob es sich um konventionell oder bio bewirtschaftete Betriebe handelt. Landwirte sind die ersten, die merken, wenn es beim Wetter Veränderungen gibt. Die Jahreszeiten verschieben sich, erklärte Frank Käufler, vom Arbeitskreis Ackerbau beim Erntegespräch des Bezirksbauernverbands Kurhessen in Sebbeterode. In diesem Jahr sei der Winter im Grunde ausgefallen. „Wenn Pflanzen zwei Wochen früher mit dem Wachstum starten, dann ist das nicht normal.“ Als Landwirt wünsche man sich einen Winter mit Frost und Schnee, denn das tue dem Boden gut, so Käufler weiter. Wenn das Wachstum aber früher beginne, gebe es Probleme, denn junge Pflänzchen seien für Frost empfindlich. Auch Frühjahr und Sommer seien nicht im Sinne der Landwirtschaft gewesen. Wenn es ab Mai teilweise 28 Grad hat, dann „könne man das nicht gebrauchen. Zu trocken, zu heiß, zu sonnig“.

Erntegespräch in Sebbeterode auf dem Hof von Dr. Andreas Schaal. Von links Frank Käufler, Josef Schaal, Kerstin Diehl, Dr. Andreas Schaal, Karsten Schmal (Präsident Hessischer Bauernverband), Thomas Sporleder, Rainer Ochs, Christian Fiege, Norbert Klapp (Vorsitzender Regionalbauernverband), Christine Weingarten (Mitarbeiterin RBV), Jan Siebert (Schwalm-Eder-Kreis) Stefan Strube (Geschäftsführer RBV).
Erntegespräch in Sebbeterode auf dem Hof von Dr. Andreas Schaal. Von links Frank Käufler, Josef Schaal, Kerstin Diehl, Dr. Andreas Schaal, Karsten Schmal (Präsident Hessischer Bauernverband), Thomas Sporleder, Rainer Ochs, Christian Fiege, Norbert Klapp (Vorsitzender Regionalbauernverband), Christine Weingarten (Mitarbeiterin RBV), Jan Siebert (Schwalm-Eder-Kreis) Stefan Strube (Geschäftsführer RBV). © Matthias Haaß

Dadurch ergibt sich bei der Ernte ein zweigeteiltes Bild: Die Winterkulturen konnten noch von einem verhältnismäßig nassen Winterhalbjahr profitieren. Die Gerstenernte bezeichnet der Regionalbauernverband grundsätzlich als gut, konnten hier doch zehn bis zwölf Dezitonnen über dem langjährigen Durchschnitt mit guter Qualität geerntet werden. Ein ähnliches Bild bei Weizen und Raps. „Die Ernte im Verbandsgebiet sei unterschiedlich. Der Ertrag aber sei auch immer eine Standortfrage“, so Verbandsvorsitzender Norbert Klapp, „der Südkreis hatte deutlich weniger Regen“.

Sommerhitze und fehlender Niederschlag machten sich bei den Sommerkulturen bemerkbar. Besonders deutlich bei Mais: Vier Wochen früher rollten die Häcksler über die Felder, um zu retten, was zu retten ist. Dennoch hatte die beschleunigte Abreife Ertragsverluste von bis zu 50 Prozent zur Folge. Die Versorgungslage in den rindviehhaltenden Betrieben sowie für Biogasanlagen sei daher angespannt, so teilt der Verband mit.

Futtermangel im Winter

Ein ähnliches Bild beim Gras. Oft gab es keinen dritten oder vierten Schnitt, und auch die Weidehaltung erwies sich als problematisch. Wo kein Gras wächst, kann auch keine Kuh weiden. In der Folge mussten viele Landwirte bereits zufüttern, was sich auf den eigentlich für den Winter vorgehalten Bestand an Silage und Heu auswirkt. Der Futtermangel bereite ihm Sorgen, erklärte der Präsident des Hessischen Bauernverbands, Karsten Schmal: „Der Winter wird lang.“ In Summe betrachtet sei man in Hessen aber noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen, so Schmal: „Ich hätte solche Erträge nicht für möglich gehalten.“

Mit Sorge blicken auch die Landwirte auf den Winter und das nicht nur wegen des Klimas; steigende Energiekosten wirken sich schon jetzt auf die Bilanzen aus. Außerdem verändert sich das Kaufverhalten der Verbraucher. Hochpreisige Produkte bleiben im Regal stehen,

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