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Gewalttaten nach erstem Verhandlungstag ungeklärt

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Das Amtsgericht Schwalmstadt verhandelte den Fall des 51-Jährigen aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis. Er gestand und muss sich zu einem Therapeuten begeben.
Verschleiert eine 35-jährige Frau Gewalttaten des Mannes, mit dem sie nach einer Trennungszeit inzwischen wieder in einer kleinen Gemeinde im Altkreis Ziegenhain zusammenlebt? © Johannes Rützel

Der Prozess um eine misshandelte Frau muss im Herbst in Schwalmstadt neu aufgerollt werden. Die Ursache: Die Frau nimmt den Täter in Schutz.

Schwalmstadt – Verschleiert eine 35-jährige Frau Gewalttaten des Mannes, mit dem sie nach einer Trennungszeit inzwischen wieder in einer kleinen Gemeinde im Altkreis Ziegenhain zusammenlebt? Die Richterin will herausfinden, unter welchen Umständen sich die häuslichen Taten ereigneten, obwohl sie durch Polizeifotos gut dokumentiert schienen. Ein Urteil sei noch nicht möglich, befand die Amtsrichterin in Treysa schließlich.

Der Prozess wird nun im Herbst neu aufgerollt, dann mit weiteren Zeugen, vor allem den Polizeibeamten, die die früheren Aussagen der 35-Jährigen aufgenommen hatten. Auch die Kinder des Opfers sollen von der Gewalt des mutmaßlichen Täters betroffen gewesen sein, auch sie sollen nun nach dem Willen der Richterin dann gehört werden.

Tritte mit Stahlkappenschuhen

Diese Kinder brachte die mutmaßlich Misshandelte mit in die Beziehung zu dem Angeklagten, dem gefährliche Körperverletzung in mehreren Fällen und Nötigung vorgeworfen wird. Bevor es zu einer Trennung kam, soll er die Frau laut der Anklageschrift in drei Fällen in den Jahren 2020 und 2021 geschlagen oder getreten zu haben. Dabei soll er Schuhe mit Stahlkappen getragen haben.

Zu Beginn der Verhandlung in Treysa räumte der Angeklagte eine Tat ein, die anderen bestritt er. Der Mann schilderte sich selbst als eigentlich nicht aggressiv oder gewalttätig. Vor den Taten habe es immer Streit gegeben, und Streit sei an der Tagesordnung gewesen. „Das soll keine Rechtfertigung sein“, beteuerte er.

Die Frau ist wieder vom mutmaßlichen Täter schwanger und sucht die Schuld bei sich

Inzwischen habe er erfolgreich eine Antiaggressionstherapie absolviert und sei dadurch ruhiger geworden. Opfer und Täter sind inzwischen wieder liiert, leben zusammen und die 35-Jährige ist schwanger vom mutmaßlichen Täter.

Belasten konnte oder wollte sie den Mann in der Verhandlung nicht. Vielmehr gab sie sich selbst die Schuld an den regelmäßigen Auseinandersetzungen. Sie habe ihren Partner provoziert und sich die meisten Anschuldigungen nur ausgedacht, behauptete sie. An häusliche Gewalt oder auch an ihre Polizeivernehmungen konnte sie sich angeblich nicht erinnern. „Ich weiß es nicht“, wiederholte sie immer wieder auf die Fragen der Richterin.

In dem einen Fall, an den sie sich erinnern konnte, unterschied sich ihre Aussage sowohl von der, die sie gegenüber Polizeibeamten gemacht hatte, als auch von der, die der Angeklagte im Gerichtssaal vorstellte, wie der Staatsanwalt schließlich ernüchtert in der rund zweistündigen Verhandlung feststellte. Von Philipp Knoch

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