Dorfbewohner fühlen sich mit Wunsch nicht ernstgenommen

Ärger um Bordsteine in Schönstein

Streitpunkt Bordstein: Einen niedrigen Bürgersteig wüschen sich (von links) Hermann Langel, Ortsvorsteher Hartmut Noll und Ortsbeiratsmitglied Jan Lehsau. Die Gemeinde und Hessenmobil lehnen die Forderung ab.
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Streitpunkt Bordstein: Einen niedrigen Bürgersteig wüschen sich (von links) Hermann Langel, Ortsvorsteher Hartmut Noll und Ortsbeiratsmitglied Jan Lehsau. Die Gemeinde und Hessenmobil lehnen die Forderung ab.

Eigentlich könnten die Schönsteiner zufrieden sein, denn seit einigen Tagen wird in dem kleinen Gilserberger Ortsteil am Rand des Schwalm-Eder-Kreises die Ortsdurchfahrt von Grund auf saniert. Ein Projekt, das sich die Menschen in dem Dorf seit Langem gewünscht hatten.

Schönstein – Nicht nur die Straße wird erneuert, das Dorf bekommt erstmals auch einen Bürgersteig entlang der Kellerwaldstraße. Etwas, das von den Schönsteinern im Grunde begrüßt wird, sich nun aber zum Streitthema entwickelt. Denn genehmigt ist ein normaler Bürgersteig, nur an Grundstückseinfahrten wird der Bordstein tiefergelegt.

„Da sind wir total dagegen“, sagt Ortsvorsteher Hartmut Noll: „Was macht es für einen Sinn, einen Bürgersteig wie eine Berg- und Talbahn zu bauen.“ Stattdessen wünsche man sich durchgehend einen Bürgersteig mit abgesenkten Bordsteinen, erklärt der Ortsvorsteher, der für dieses Ziel sogar den Petitionsausschuss des Landtages anrufen möchte.

Bauprojekt: Gemeinsam mit Hessenmobil saniert die Gemeinde Gilserberg für rund 1,6 Millionen Euro die Durchgangsstraße in Schönstein.

Noll ist mit seiner Meinung im Ort offenbar nicht alleine. Auf einer Unterschriftenliste hätten sich 99 Prozent der Schönauer für niedrige Bordsteine ausgesprochen, sagt der 64-Jährige. Von diesem eindeutigen Votum sei Bürgermeister Rainer Barth sehr überrascht gewesen, erzählt der Ortsvorsteher beim Ortstermin mit der HNA.

Beim Gang über den ersten Abschnitt der Baustelle schließen sich auch Anwohner Herman Langel und Ortsbeiratsmitglied Jan Lehsau an. Durch niedrige Bordsteine hätte man viel mehr Möglichkeiten, finden die drei Männer. Man habe ihnen seitens Gemeindeverwaltung und Hessenmobil aber gesagt, dass eine Umplanung aus genehmigungsrechtlichen Gründen nicht mehr möglich sei, so der Ortsvorsteher. Eine Aussage, die die Schönsteiner nicht nachvollziehen können. Es gehe doch nur um Bordsteine und den Bauarbeitern sei es letztlich egal, welche Variante verbaut werde, meint Hartmut Noll und fragt: „Ist die Änderung der Baugenehmigung wirklich notwendig?“ Man sei von der nun geplanten Bauausführung jedenfalls überrascht worden, denn in der Vergangenheit sei durchaus auch von niedrigen Bordsteinen gesprochen worden, ärgert sich der 64-Jährige: „Man hat hier einfach Tatsachen geschaffen.“

Die Markierung zeigt, wo der Bürgersteig abgesenkt wird.

Anlieger Langel findet, dass die Behörden die Interessen der Menschen nicht berücksichtigt würden: „Wir sind ja nur die dummen Bürger, die Fragen stellen.“

Mittlerweile hat es in der Sache bereits zwei Termine mit den Verantwortlichen gegeben. Am vergangenen Montag seien rund dreißig Schönsteiner dabei gewesen, schätzt Herman Langel. Ein Ergebnis gab es nicht. Er würde sich seitens der Behörden mehr Flexibilität wünschen, erklärt Langel: „Wir wollen doch gar nicht viel. Nur weniger Bordsteine und weniger Beton.“

Das sagt der Bürgermeister Rainer Barth: Sicherheit steht im Vordergrund

Er könne die Argumentation von Ortsvorsteher Hartmut Noll nicht nachvollziehen, sagt Gilserbergs Bürgermeister Rainer Barth. Ein Hauptgrund für den neuen Bürgersteig in der jetzt geplanten und genehmigten hohen Form sei immer der Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer – insbesondere Kinder – gewesen, so Barth: „Die Sicherheit stand für mich immer an erster Stelle.“ Das würden im Übrigen auch Polizei, Hessenmobil und Landkreis so sehen, betont der Verwaltungschef und gibt zu bedenken: „Einem abgesenktem Bordstein würden diese Behörden keine Genehmigung erteilen.“ Der Bürgermeister machte noch einmal deutlich, dass der Ortsbeirat in die Planungen immer miteinbezogen gewesen sei und dass man auch die Bürger informiert habe. Der Protest des Ortsbeirats Schönstein an der Art der Bauausführung sei daher für ihn zum jetzigen Zeitpunkt überraschend, erklärte Gilserbergs Bürgermeister.

(Matthias Haaß)

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