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Aktionstag stellt bedrückende Lage vieler Frauen ins Zentrum

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Von: Anne Quehl

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Heidemarie Lange und Bärbel Spohr sitzen an einem Tisch. In den Händen halten sie Flyer.
Aktionen, Poster, Flyer: Links Heidemarie Lange (Awo-Beratungszentrum Schwalm-Eder) und Bärbel Spohr vom Kreisfrauenbüro werben für die breite Teilnahme am Freitag. © Anne Quehl

Wenn am Freitag der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen begangen wird, ist an gleich zwei furchtbare Taten im zurückliegenden Jahr zu denken, die die Menschen unserer Region erschütterten.

Gilserberg/Schwalm-Eder Im Aldimarkt in Treysa wurde im Mai eine Frau von ihrem Ex-Partner erschossen, in Stadtallendorf vorigen Monat eine Frau vom getrennt lebenden Ehemann mit zahllosen Messerstichen getötet. Es sind grausame Belege dafür, dass in Deutschland statistisch gesehen an jedem dritten Tag eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners stirbt. 2020 gab es 139 dieser Fälle, Fachbegriff Femizid.

Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen: Er basiert auf einer UN-Resolution von 1990, seit 20 Jahren initiiert die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes eine Fahnenaktion, die auch im Schwalm-Eder-Kreis seit Jahren flächendeckend in allen Kommunen stattfindet sowie mit einer zentralen Veranstaltung in je einer der 27 Gemeinden. 

Jede dritte Frau ist von Gewalt betroffen

Bestürzende Zahlen: Jede dritte Frau in Deutschland ist von sexualisierter oder körperlicher Gewalt betroffen, 145 000 Fälle häuslicher Gewalt werden pro Jahr aktenkundig – 13 pro Stunde, wobei von einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen ist. 2022 lautet der Slogan daher #TrautesHeimLeidAllein.

2021 bilanziert die Statistik der Polizei allein im Schwalm-Eder-Kreis 238 Gewalttaten gegen Frauen. Im Schnitt werden Beamte jede Woche zu fünf Fällen häuslicher Gewalt gerufen. Fast ein Viertel aller Frauen wird in ihrem Leben Opfer von Stalking, wobei digitale Fälle via Messengerdiensten ständig zunehmen. Die Schaffung von Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit sei enorm wichtig, denn Dunkelfälle seien die Regel, betonen Heidemarie Lange und Bärbel Spohr.

Beratungsangebote sollen helfen

Was dem entgegengesetzt wird: Nur rund 20 Prozent der Betroffenen nutzen die vorhandenen Hilfs- und Beratungsangebote. An mehr Wahrnehmbarkeit und der gesamtgesellschaftlichen Ächtung arbeitet das „Netzwerk gegen häusliche Gewalt“ mit zahlreichen Partnern.

Um die Hemmschwelle zu senken, gibt es Telefon- und Videoberatung in vielen Sprachen (Tel. 08000 116 016, Tag und Nacht), unterstreicht Heidemarie Lange. Das Marburger Modell wird seit 2016 auch im Schwalm-Eder-Kreis umgesetzt: Durch dieses kann die Polizei nach Vorfällen häuslicher Gewalt die Gerichtshilfe informieren, die schnell Gespräche mit den Opfern führt und auch den Tätern Hilfsangebote macht sowie für die Vermittlung an spezialisierte Fach- und Beratungsstellen sowie die Koordination der beteiligten Behörden sorgt.

Hier sei schon viel erreicht worden, so Lange und Spohr, wobei am Ausbau von Personal und Strukturen selbstverständlich immer weiter gearbeitet werden müsse.

Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen

Das passiert am 25. November: Am Freitag wird in allen Schwalm-Eder-Kommunen die Aktionsfahne von Terre des Femmes gehisst, die zentrale Veranstaltung ist in diesem Jahr in Gilserberg (Rathaus, 15 Uhr).

Zudem wurde ein Poster mit Fotos von der Aktion aus den Vorjahren aufgelegt, Auflage 500 Stück, und wie auch der Flyer „Frei leben – Ohne Gewalt“ verteilt. Schulen, Kitas und viele weitere Unterstützer beteiligen sich am weltweiten „Orange Day“ mit orangefarbener Beleuchtung, Kleidung, Ballons und Lichtern. (Anne Quehl)

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