Hospizarbeit

Bischof Martin Hein holte Antrittsbesuch nach und sprach über Sterbeprozess

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Ins Gespräch gekommen: Bischof Dr. Martin Hein (zweiter von rechts) besuchte das Hospiz Kellerwald und traf Mitarbeiter, Hospizgäste und Ehrenamtliche. Neben Hein Lothar Vestweber (Förderverein) und Leiterin Erika Karama, hinten  Dr. Dagmar Federwisch, Geschäftsführerin Asklepios Schwalm-Eder.

Gilserberg. Bei seinem Besuch des Kellerwald-Hospizes sprach der Bischof der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck auch über seine Ansichten zum Thema Suizid.

„Sein letzter Sonnenuntergang“ so eine Bildunterschrift, die Angehörige im Erinnerungsbuch des Kellerwald-Hospizes niedergeschrieben haben. Im Februar jährte sich die Eröffnung des Hauses, wo bislang 120 Menschen auf ihrem letzten Weg würdevoll begleitet wurden.

Am Montagnachmittag stattete der Bischof der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck, Professor Dr. Martin Hein, der aufgeschlossenen Einrichtung einen Besuch ab und kam dabei mit Mitarbeitern des Hauses, zahlreichen Seelsorgern, die im Hospiz Beistand leisten, ehrenamtlichen Hospizhelfern und auch mit Hospizgästen ins Gespräch.

Hein hatte am Eröffnungstermin des Hauses nicht teilnehmen können, jetzt löste er sein Versprechen ein, sich selbst einen Eindruck vom Haus zu machen. 

„Leben bis zuletzt“ sei das Credo der Hospizarbeit, die Bischof Hein als wahre Alternative in der Debatte um eine Assistenz beim Suizid sieht. 

Eine Chance fürs Gemeindeleben

„Gute Hospizarbeit kann den Wunsch nach Suizid dämpfen. Der Betroffene kann, in einem Hospiz begleitet, nicht einsam dem Prozess des Sterbens entgegengehen. Eine Begleitung kann helfen, das Sterben anzunehmen“, so der Bischof, der sich in seiner Funktion im Deutschen Ethikrat seit vielen Jahren mit Fragen des assistierten Suizids, Abtreibung und Leihmutterschaft befasst.

Hein erkundigte sich nach der gesellschaftlichen Akzeptanz eines Hospizes in ländlicher Region, fragte nach möglichen Vorbehalten. „Der Schwälmer ist liebenswert, aber in vielen Ansichten auch eingefahren. Doch die Menschen öffnen sich Stück für Stück, sehen, dass ein Hospiz kein dunkler Ort der Traurigkeit ist“, erklärte Christa Schmidt als Ehrenamtskoordinatorin. 

Manche Pfarrer sehen in der Hospizarbeit auch die Chance für das eigene Gemeindeleben. „Was können wir an ehrenamtlichen Einsatzgebieten auf unseren Dörfern bieten. Ein Kaffeekochen für den Seniorenkreis kann nicht alles sein“, hieß es von seelsorglicher Seite: „Ungeahnte Talente schlummern auf den Dörfern.“

Hospizmitarbeiter und vor allem auch die ehrenamtlich aktiven Hospizhelfer wünschten sich eine frühere Kontaktaufnahme mit der Hospizarbeit. Die meisten Gäste kämen erst in einem sehr späten Stadium zum Hospiz, was eine Bindungsaufnahme erschwere.

Ein Gurkenpflänzchen im Garten

„Wir dürfen nicht nachlassen, Hospizarbeit öffentlich bekannt zu machen“, sagte Hospizleiterin Erika Karama. Im Haus in Gilserberg arbeiten 24 Fachkräfte, die bereits eine Palliativ-Care-Weiterbildung haben oder diese noch machen werden. 

„Ich freue mich Tag für Tag auf meine Arbeit. Bei allem Respekt vor dem was ein Tag im Hospiz bringen kann – diese Arbeit gibt einem ganz viel“, sagt Christa Schmidt, die beispielsweise dem Wunsch einer Hospizbewohnerin nach einem Gurkenpflänzchen im Garten nachkam und am Rande des Erinnerungsgartens einen Platz für das gewünschte Pflänzchen fand.

Das stationäre Hospiz und auch die ambulante Hospizhilfe sind auf ein großes funktionierendes Netzwerk stolz. „Hospize arbeiten vielleicht defizitär in den Finanzen, aber nicht defizitär im Engagement“, sagte Bischof Martin Hein. So bleibt auch der Förderverein daran, mit Spendengeldern die vom Gesetzgeber gewollte fünfprozentige Versorgungslücke im Hospiz zu füllen.

Von Regina Dörhöfer

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