Parteien in der Schwalm und im Hochland analysieren Kommunalwahl

Schwalm: Bundestrend wird unterschiedlich interpretiert

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Bei der Kommunalwahl 2021 machten CDU und SPD in einigen Orten den Bundestrend für ihr abschneiden mitverantwortlich. (Symbolbild)

Auch in Schrecksbach und Gilserberg lagen am Mittwoch die vorläufigen Ergebnisse der Kommunalwahl vor. Gegenüber den Trendergebnissen vom Montag (wir berichteten) gab es nach der Auszählung aller Stimmen teilweise noch einmal deutliche Verschiebungen.

Gilserberg/Schrecksbach. Wir sprachen mit den Fraktionsvorsitzenden der Parteien in den beiden Kommunen und baten um eine kurze, erste Analyse.

Gilserberg

Großer Wahlsieger in der Gemeinde Gilserberg ist zweifelsohne die Bürgerliste Hochland (BLH). Nach Auszählung aller Stimmen kommt die BLH auf 31,26 Prozent der abgegebenen Stimmen. Das ist gegenüber der Kommunalwahl 2016 ein sattes Plus von 11,3 Prozent.

Der Wähler habe die gute Arbeit der BLH honoriert, sagte Fraktionsvorsitzender Bernd Vaupel im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir haben objektiv gute Arbeit gemacht.“

Die Ansiedelung des Netto-Marktes im Kernort Gilserberg habe einen wesentlichen Anteil am Stimmenzuwachs, ist Vaupel überzeugt. Beim Thema Nahversorgung habe sich die BLH sehr stark für die Lösung Netto-Markt eingesetzt, betont Vaupel weiter und ist überzeugt, dass dieses Engagement quer durch das Hochland von den Menschen anerkannt worden sei. Das gelte im gleichen Maße auch für den Ausbau der Ortsdurchfahrt Schönstein, so Vaupel: „Da sind wir politische Wege gegangen, die sonst keiner gegangen ist.“ Zusammen mit einer attraktiven jungen Kandidatenliste habe das die Gilserberger überzeugt, meint der Fraktionssprecher.

Wo es Sieger gibt, gibt es auch Verlierer: Im Gegensatz zur BLH musste die SPD Gilserberg massive Stimmenverluste hinnehmen. Am Ende waren es 11,63 Prozent weniger als bei der Wahl vor fünf Jahren. Vereinfacht gesagt: Der Zugewinn der BLH ist der Verlust der SPD. Martin Dippel führt das schlechte Abschneiden seiner Partei unter anderem auf den allgemeinen Bundestrend vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie zurück. Das Wahlergebnis habe auch etwas mit dem Frust gegenüber Berlin zu tun, ist Dippel überzeugt: „Es herrscht eine allgemeine Unzufriedenheit, dann macht sich das besonders bemerkbar.“ Unabhängig davon sei es als Oppositionspartei natürlich immer schwierig, Akzente zu setzen, bedauert Martin Dippel.

Dass man trotz der CDU-Skandale in jüngster Vergangenheit ein gutes Ergebnis erzielen konnte, sei sehr positiv, sagt Tim Dehnert (CDU): „Wir sind zufrieden.“ Mit Blick auf die Sitzeverteilung im Gilserberger Parlament – alle Fraktionen haben fünf Sitze – freue er sich auf eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, so Dehnert.

Schrecksbach

Im Gegensatz zur Gilserberger SPD können die Sozialdemokraten in der Gemeinde Schrecksbach feiern. Nach Auszählung aller Stimmen kommt die SPD auf 53,48 Prozent und hat damit die Mehrheit im Parlament.

Es sei erfreulich, dass das Pendel wieder in Richtung der SPD ausgeschlagen ist, sagt Fraktionsvorsitzender Thomas Zulauf: „Wir freuen uns, dass wir den einen Sitz zurückgeholt haben.“ Schrecksbach könne auf eine lange SPD-Tradition zurücksehen, erklärte Zulauf und daher sei bei der Kommunalwahl der Bundestrend nicht ausschlaggebend gewesen. Für die kommende Legislaturperiode wünscht sich der SPD-Mann ein Parlament, in dem die Fraktionen miteinander und nicht gegeneinander arbeiten: „Ich hoffe, dass frischer Wind reinkommt.“

Dass bei dieser Kommunalwahl politische Schwergewichte wie der verstorbene Klaus Hahn nicht mehr zu Wahl standen, habe sich im Ergebnis niedergeschlagen, analysiert Michael Grothe von der CDU. In Summe sind es 4,15 Prozent weniger als 2016. „Die Mehrheitsverhältnisse haben sich gedreht“, bringt es Grothe auf den Punkt. Auch wenn der Wähler bei dieser Wahl die SPD bevorzugt habe, sei das Ergebnis für die CDU Schrecksbach noch nicht dramatisch, meint Grothe und sieht die Schuld auch bei überregionalen Themen wie der CDU-Maskenaffäre, die „zu einer Unzeit kam“.

Zufrieden mit dem Wahlergebnis ist Horst Klitzsch (UWG). Man habe die Sitze im Parlament verteidigt und gehe mit Optimismus in die kommende Legislaturperiode. Foto: Martin Dippel/Frank Solf

Termine: In Gilserberg ist die konstituierende Sitzung des Parlaments am Dienstag, 20. April, und in Schrecksbach am Donnerstag, 22. April. (Matthias Haaß)

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