An Kriegstote erinnern

Sebbetrode: Nach 76 Jahren erhält Gefallener Gedenkstein – Adolf Otto recherchierte

Steinmetzmeister Jonas Hoffmann (links) und Ortschronist Adolf Otto vor einem Grabstein
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Haben dafür gesorgt, dass das Grab des unbekannten Soldaten in Sebbeterode 76 Jahre nach Kriegsende nicht länger namenlos ist: Steinmetzmeister Jonas Hoffmann (links) und Ortschronist Adolf Otto.

Der Zweite Weltkrieg endete vor 76 Jahren. In Sebbeterode wurde jetzt das Grab eines Soldaten wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt.

Sebbeterode. Als im vergangenen Sommer das Gab eines unbekannten Soldaten auf dem Friedhof von Sebbeterode einen Stein erhielt, hat sich für den Ortschronisten Adolf Otto ein lang gehegter Wunsch erfüllt. Jahrzehntelang lag das Grab namenlos und nahezu unbemerkt am Rand des Friedhofs – zuletzt verwahrlost und von Grün überwuchert.

Im Juni 2016 war es die Feuerwehr Sebbeterode, die das Grab des unbekannten Soldaten herrichtete. Als Adolf Otto in der HNA davon las, ließ ihn die Sache nicht mehr los. Auf der Suche nach Zeitzeugen traf der 86-Jährige auf Heinrich Köhler und Elfriede Schwalm, die das Kriegsende als Kinder erlebten.

Heinrich Köhler erinnerte sich, dass der tote Soldat aus der Nähe des sogenannten „Bäumchens“ oberhalb von Sebbeterode auf einem Kutschenwagen des elterlichen Bauernhofes zugedeckt ins Dorf geholt worden war. Elfriede Schwalm, geborene Knieling, erinnerte sich daran, dass der Sarg für den unbekannten Soldaten damals in der Schreinerwerkstatt ihres Vaters gezimmert wurde.

Witwe besuchte das Grab

Sie konnte sich zudem erinnern, dass die Witwe des Soldaten, ein Frau Namens Betti Krause, Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre mehrmals in Sebbeterode war, um das Grab zu besuchen. „Da war sie dann Gast im Haus meiner Mutter Maria Knieling“, berichtet Elfriede Schwalm, Franz Krause könne der Mann geheißen haben.

Doch in Kirchenbüchern, Kriegschroniken und Ortsgeschichten fand er sich zunächst nicht. „Vielleicht befand sich in den Akten das damaligen Bürgermeisters ein Vermerk“, sagt Otto. Sebbeterode war seit dem 30. März 1945 von der US-Einheit besetzt – für eine Bestattung des Soldaten wäre eine Genehmigung des Besatzungsoffiziers erforderlich gewesen. „Sämtliche Akten und Bücher des ehemaligen Bürgermeisteramts sind bei der Eingliederung des Dorfes nach Gilserberg jedoch vernichtet worden.“

Licht in die Angelegenheit brachte schließlich eine Anfrage beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Tatsächlich ist der Name des Gefallenen nicht Franz Krause sondern Josef Kraus. Aus den Unterlagen geht hervor: „Unterfeldwebel, geboren 22.1.1889 in Wilkischen, Kreis Eger, Luftwaffe, Fliegerkompagnie Detmold, Erkennungsmarkte nicht verzeichnet, Todestag 28./29. 3. bzw. 1.4. 1945, Todesort Sebbeterode. Angehörige Betti Kraus, Recklinghausen.“

Steinmetz stiftete neuen Grabstein

Bei einem Gespräch mit Felix Hoffmann, selbst Soldat, kam der Stein bald darauf sprichwörtlich ins Rollen. Otto: „Er erklärte spontan, dass er und sein Bruder, Steinmetzmeister Jonas Hoffmann – beide sind im Ortsbeirat – den Stein stiften möchten. So bleiben Gedenken und Erinnerung sichtbar gewahrt.“

„Unterfeldwebel Josef Kraus, geboren 22. Januar 1889, gestorben 28. März bis 1. April 1945, gefallen am Bäumchen, Sebbeterode“ – so lautet nun die Inschrift im Granit. Es war einer der letzten Kämpfe, fünf Wochen vor Kriegsende am 8. Mai, bei denen Josef Kraus am Ortsrand von Sebbeterode sein Leben ließ. (Kerstin Diehl)

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