Gespräch am Gartenzaun im schönen Schönstein 

Abkühlung am Tretbecken: Beatrice Boike kneippt im kühlen Nass.

Die Bussarde kreisen über Schönstein und halten vom Kellerwald aus nach Nahrung Ausschau. Das Dorf am Fuße des Wüstegartens ist umrahmt von Wald. „Schönstein ist schön“, sagt Beatrice Boike. 

Sie hatte sich 2012 auf einer Ausfahrt sofort in das Dorf verliebt und zog in das kleine Häuschen, das zum Verkauf stand.

Die Liebe zu ihrem Ort eint Zugezogene und Alteingesessene wie Reinhard Horn. Er erzählt begeistert von den 1960er-Jahren, als in Schönstein der Fremdenverkehr boomte. Eine ehemalige Pension zeugt noch davon. Was sofort auffällt, der Ort ist weitläufig. Etwa einen Kilometer lang zieht sich die Straße Richtung Gilserberg. Das liege daran, dass Schönstein einst zweigeteilt war, erzählen die Dorfbewohner. Es entstand aus der Rommershäuser Hütte und der Siedlung Jeust, in der die Arbeiter lebten, die etwas außerhalb untergebracht wurden. Später wurde aus beiden Orten Schönstein.

Die Straße ist allerdings in einem schlechten Zustand. „Das ist die größte Buckelpiste. Seit 25 Jahren warten wir darauf, dass sie saniert wird und wir brauchen dringend einen Gehweg“, sagt Horn. Außerdem hakt es mit der Internetverbindung. Manche müssen auf den Friedhof gehen für guten Empfang. Doch Besserung ist in Sicht. „Breitband wurde bereits verlegt, aber es kann frühestens in 2020 aktiviert werden“, sagt Hartmut Noll.

Kritik gibt es auch beim ÖPNV. Der Schulbus hält in Schönstein, da könne man zur Not miteinsteigen. Ein Anrufsammeltaxi ist eine weitere Möglichkeit. Diane Schulze hat sich geholfen. Die Lehrerin und Mutter von drei Kindern hat E-Bikes für ihre Kinder angeschafft. „Damit fahren sie bis nach Jesberg, Bad Zwesten oder Gilserberg“, sagt sie. So habe sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren 500 Fahrten mit dem Auto sparen können. In Schönstein selbst muss man gut zu Fuß sein, denn der Weg hoch zur ehemaligen Schule ist steil. Er führt vorbei am Backhaus, an dem sich die Dorfgemeinschaft zum gemeinsamen Backen oder Feiern trifft, und den Kamerunschafen von Fritz Gatzke. Von dort fällt der Blick auf das liebevoll sanierte Fachwerk-Forsthaus. Kornelia und Hartmut Noll haben das ehemalige Haus des Hüttenvogtes liebevoll saniert.

Wild mag es dagegen Christine Nestler. Die Künstlerin aus Berlin lebt im Sommer in der ehemaligen Schule. Außergewöhnlich ist der Garten, der zum Haus gehört, ein verwunschener Weg aus Basaltsteinen windet sich durch das Dickicht des wild bewachsenen Schattengartens. Für sie ist Schönstein ein Ort der Ruhe und Erholung.

Arbeit ist es gerade für Armando Rivera. Der Hundetrainer hat einen neuen Klienten. Er führt Mischling Oskar, der mit Maulkorb ausgerüstet ist, an der Leine durch den Ort und will herausfinden, wie aggressiv er auf andere Hunde reagiert.

Nach dem Rundgang lockt Abkühlung im örtlichen Tretbecken. Es liegt idyllisch an der Norde und wurde einst für den Tourismus angeschafft. Jetzt präsentiert es sich gerade frisch saniert. „Hier spielen oft die Kinder “, erzählt Beatrice Boike. Derzeit sind allerdings alle im Urlaub. Im Dorf leben 15 Kinder und Jugendliche, doch mindestens auch 30 Menschen über 60 Jahre, rechnet die Gruppe nach: „Wir sind überaltert.“ Hinter dem Tretbecken geht es über die Wiese zur ehemaligen Eisenhütte, die von Heide von Ritgen bewohnt wird. Sie ist der historische Ursprung des Ortes. Nun zeugt nur noch der herausragende Turm von den Zeiten.

Schönstein hat drei Vereine – die Feuerwehr, die Landfrauen und den Schützenverein. Sie sind im Dorfgemeinschaftshaus untergebracht. Der Schützenverein hat 50 Mitglieder und schießt mit zwei Mannschaften. In der Feuerwehr sind etwa 30 Mitglieder.

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