Bischof nimmt Videobotschaft auf

Gilserberg: Katholischer Pfarrer geht zur historischen Feier des Klemensfestes neue Wege

Von der Kriegsgefangenenunterkunft zum Gotteshaus: Die Barackenkirche St. Klemens Maria Hofbauer in Gilserberg stand vor 75 Jahren im Kriegsgefangenenlager in Trutzhain.
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Von der Kriegsgefangenenunterkunft zum Gotteshaus: Die Barackenkirche St. Klemens Maria Hofbauer in Gilserberg stand vor 75 Jahren im Kriegsgefangenenlager in Trutzhain.

Bischof Dr. Michael Gerber kann nicht zur Messe nach Gilserberg kommen und schikct Andacht als Videobotschaft. Katholischer Pfarrer fährt auf die Dörfer.

Zur Feier des Klemensfestes war im 70. Weihejahr der Kirche Bischof Dr. Michael Gerber geladen. Die Festmesse zum Patronatstag (15. März) sollte mit dem Bischof in der Klemens Maria Hofbauer gefeiert werden. „Es ist zudem das Jahr des 200. Todestages des Namenspatrons. Die derzeitigen Umstände ließen die Messfeier aber so nicht zu“, erklärte Pfarrer Michael Brüne.

Der Bischof hat die Gilserberger aber nicht vergessen, sondern teilte am Samstag Pfarrer Brüne telefonisch mit, dass er bei seiner Sonntagsmesse, die er nun in der Michaelskirche in Fulda feiern würde, explizit an die Gemeinde in Gilserberg denken würde. Der Bischof ließ die Messfeier aufzeichnen und stellte den Gläubigen auch seine Predigt zum Nachlesen zur Verfügung. „Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen“, sagt Brüne, der sich über die persönlichen Predigtworte des Bischofs sehr freute.

Persönlicher Worte an die Gemeinde

Gerber lobte das Miteinander der Generationen, wo junge Menschen sich organisierten, um ältere Mitmenschen mit Lebensmitteln zu versorgen. „Mitten in dem was bedrohlich ist, werden Initiativen geweckt - damals wie heute!“, so der Bischof, der die aktuelle Grundentscheidung, alle Menschen, auch die Schwächsten und Bedrohten, zu schützen, als ein Hoffnungszeichen in der Welt wertete.

Pfarrer Michael Brüne selbst geht derzeit auch viele neue Wege, um mit seinen Gemeindemitgliedern Kontakt zu halten. „So viele E-Mails, Whats App-Nachrichten und Telefonate habe ich noch nie geschrieben und beantwortet. Die Beantwortung aller Nachrichten ist fast ein Vollzeitjob“, schmunzelt der Seelsorger, der sich dennoch über jede einzelne Nachricht freut und für seine Gemeindemitglieder da ist.

Pfarrer hält Kontakt zu seiner Gemeinde

Auch wenn er sie derzeit nicht persönlich aufsuchen oder er sie zu seinen Gottesdiensten begrüßen kann. „Wenn ich die Messe vor den leeren Kirchenbänken feiere, dann denke ich ganz intensiv an diejenigen, deren Plätze verwaist sind“, so Brüne. Am Sonntag machte sich Brüne auf den Weg durch viele seiner Kirchorte, um den Menschen in ihren Häusern den Segen zu bringen.

Hin und wieder griff Brüne zum Telefon, rief seine Gemeindemitglieder spontan an, die sodann ein Fenster öffneten, auf den Balkon oder in den Hauseingang traten, um zum Teil mit Tränen in den Augen mit ihrem Pfarrer zu singen und zu beten. „Solch intensive Nähe habe ich trotz der äußeren Distanz zu den Menschen erstmals erlebt. Man konnte die innere Verbundenheit und ein ‘Wir stehen zusammen’ spüren“, so der Seelsorger.

Bislang seien die Gemeindemitglieder wohl noch nicht in existenziellen Nöten, denn Angehörige oder Nachbarn kümmerten sich um die Älteren.

Gemeinde bleibt in Kontakt

Im Pfarrgemeinderat habe man zudem ein Auge darauf, ob jemand Hilfe benötigen könnte. „Viele haben Mut und Zuversicht“, so Brünes Einschätzung, der auf seiner Sonntagsroute durch die Dörfer auch praktische Tipps zum Zeitvertreib gab.

„In jeder Prüfung steckt eine Chance für das Wesentliche“, so der zuversichtliche Seelsorger. Das Gemeindeteam suche nach immer neuen Möglichkeiten des Kontakthaltens und biete online über Videobotschaften Impulse für geistliche Begleitung in den kommenden Wochen. 

VON REGINA ZIEGLER-DÖRHÖFER

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