Jugendtraum in Azurblau wird wahr

Historischer Lanz-Bulldog von 1940 wird wieder in Originalzustand versetzt

Ohne Anbauteile: Bei der Restauration des alten Lanz-Bulldogs 28 07/a haben von links Maximilian Göbel und Holger Lau erst einmal Motor und Getriebe frei gelegt.
+
Ohne Anbauteile: Bei der Restauration des alten Lanz-Bulldogs 28 07/a haben von links Maximilian Göbel und Holger Lau erst einmal Motor und Getriebe frei gelegt.

Zwei Freunde aus Gilserberg und Hundshausen restaurieren einen alten Schlepper aus dem Jahr 1940. Seitenteile, Motorhaube, Räder – alles haben sie bereits ab- und unter die Lupe genommen.

Gilserberg/Jesberg – Seltener Anblick: Nackt bis auf die Knochen, genauer Motor und Getriebe, steht er in der Werkstatt. Da haben die Schrauber ganze Arbeit geleistet: Von dem alten Schlepper, Baujahr 1940, ist kaum noch etwas übrig geblieben. Nur die enzianblaue Farbe an dem Rumpf aus Gusseisen weist darauf hin, dass es sich um das Herzstück eines Lanz-Bulldogs handelt. „Im Frühjahr soll er als solcher fertig – originalgetreu – sein“, sagen Maximilian Göbel (26) aus Gilserberg und der Hundshäuser Holger Lau (47). Bis dahin nutzen die beiden Freunde fast jeden Feierabend, um an dem Oldtimer-Schlepper zu schrauben.

Für Lau geht mit der Restauration des alten Lanz ein Jugendtraum in Erfüllung: „Ich wollte schon lange so einen haben. Wir hatten früher zu Hause auch zwei alte Lanz, als kleiner Junge bin ich noch damit gefahren.“ Für Göbel, der Landmaschinenschlosser gelernt hat, ist es bereits der dritte Oldtimer, dem er wieder zu altem Glanz verhilft – schon einen MB Trac 800 und einen alten Eicher hat der Meister restauriert. Der alte Lanz ist ihr erstes gemeinsames „Schraubprojekt“, wie sie sagen – „und mit Abstand das Aufwändigste“.

Bei Fragen klicken sich die Schrauber durchs Internet

Seitenteile, Motorhaube, Räder – alles haben sie bereits ab- und unter die Lupe genommen. Jede einzelne Schraube. Haben sie Fragen, klicken sie sich im Internet ins deutschlandweite Lanz-Forum ein. Die beiden Schlepper-Fans sind darauf bedacht, das alles wieder in den Originalzustand zu versetzen. Nur beim Motor machen sie eine Ausnahme: Damit der Bulldog mehr als die ursprünglichen 18 Kilometer pro Stunde fährt, tauschen sie zwei Zahnräder im Getriebe. „Er muss schneller werden, sonst komme ich bei Ausfahrten nicht hinterher“, sagt Lau. So wird der 28-PS-Schlepper am Ende bis zu Tempo 30 auf der Straße bringen.

Um den Lanz wieder in Originalzustand zu versetzen, ist Lau kein Weg zu weit. In Hilgert bei Koblenz besorgte er bei Lanz-Mannheim neue Getriebeteile, Blinker und Reifen. Wieder hinzu kommt ein originalgetreues Dach aus Holz. Dies war an dem Schlepper über die Jahre abhandengekommen, wie auch die Ackerschiene und die Kotflügel. Letztere hat Lau bei einem Spezialisten in Bremen abgeholt.

Die entfernten Anbauteile aus Blech werden von einer Fachfirma in Allendorf/Landsburg sandgestrahlt, grundiert und neu lackiert. „RAL 5009“, so Holger Lau, nennt sich die typische Lanz-Farbe in Azurblau. Heiko Leimbeck aus Sebbeterode war es, der den Bulldog in Battenberg entdeckte und gleich an Laus’ Liebe zu Lanz dachte. Auf den ersten Blick sei der Oldtimer gar nicht zu erkennen gewesen – schwarz lackiert und mit Auto-Scheinwerfern und Plastikhupen aufgeprotzt. „Er war sehr verbastelt“, beschreibt es Göbel. Die letzten sieben Jahre hatte der Trecker verdreckt in einer Scheune gestanden, bis sie ihn wenige Wochen vor Weihnachten mit Leimbecks Tieflader nach Gilserberg holten.

Historischer Lanz-Bulldog: Beide freuen sich darauf, wenn der Schlepper wieder fährt

Auf eines freuen sich die beiden Schrauber schon am meisten, wenn der alte Bulldog wieder von selbst fährt. „Der Sound beim Anlassen, der ist einzigartig“, sagt Lau. „Den hört man schon aus weiter Ferne.“ Nicht nur das, ein alter Schlepper sei eine Rarität, erklärt Lau, der den Original Fahrzeugbrief von 1940 in den Händen hält. Demnach ist Lau nach einem Sammler in Battenberg der sechste Besitzer des historischen Ackerschleppers. Kurt Kramer, Bauer und Bürgermeister aus Wehren, war 1941 der Erste. Danach ist Karl Cramer, ebenfalls Landwirt in Wehren, 1959 als neuer Besitzer eingetragen sowie 1962 Walter Knaust, Landwirt in Lohre und 1963 Karl Ewald, Landwirt aus Rothelmshausen.

Wenn der Schlepper fertig restauriert ist, werden auch wieder die Initialen HL für Heinrich Lanz gelb auf rot in den Felgen zu erkennen sein. „HL könnte dann aber auch für Holger Lau stehen“, freut sich der neue Besitzer. (Kerstin Diehl)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.