Jungmitgliederzahl hat sich verdoppelt

Feuerwehren im Schwalm-Eder-Kreis setzen auf die Jüngsten

+
Modell kommt gut an: Die Hochland Kinderfeuerwehr in Gilserberg kann sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. Zur Zeit engagieren sich 27 Kinder aus sieben Ortsteilen bei den Nachwuchsbrandschützern. 

Schwalm-Eder/Gilserberg. Nicht nur Vereine beklagen Mitgliederschwund, sondern auch die so wichtigen Feuerwehren. Deren Hoffnung liegt auf den "Bambini".

Die Kinderfeuerwehren boomen, aber die Trendwende kommt bei den Feuerwehren im Kreis nur langsam an. Egal ob bei der Jugend oder in den Einsatzabteilungen: Vielerorts klagen die Wehren über Mitgliederschwund. Seit 2013 ging die Zahl der Aktiven um rund 300 auf 4900 zurück. Bei den Jugendfeuerwehren sank die Mitgliederzahl von 2100 auf rund 1870. Zehn Jugendfeuerwehren mussten in dem Zeitraum aufgeben. 

Einen Gegensatz dazu bilden die Kinder – oder Bambinifeuerwehren – dort geht es steil nach oben. Immer mehr Feuerwehren setzen bei der Nachwuchsarbeit auf die ganz Kleinen. Seit 2013 hat sich die Mitgliederzahl fast verdoppelt. Aktuell gibt es im Landkreis 78 Kinderfeuerwehren mit rund 950 Mitgliedern. Es sei ein Erfolgsprojekt, so Landkreisssprecher Stephan Bürger: „Viele der Kinder finden über die Kinderfeuerwehren den Weg in die Jugendfeuerwehren und später zur Einsatzabteilung.“ 

Die Verantwortlichen der drei Kreisfeuerwehrverbände (KFV) sind für das Konzept voll des Lobes. Man müsse nur beachten, dass die Kinderfeuerwehr keine Jugendfeuerwehr für kleine Kinder sei, betont der Vorsitzende des KFV Ziegenhain, Markus Böse: „Der Dienst muss altersgerecht gestaltet werden. Feuerwehrtechnische Ausbildung ist da fehl am Platz, denn Spiel und Spaß stehen im Vordergrund.“ 

Die Kinderfeuerwehren seien eine gute Möglichkeit, den Nachwuchs trotz vieler Freizeitangebote früh an die Feuerwehren zu binden, ist Frank Nuhn vom KFV Melsungen überzeugt: „Es bedarf jedoch qualifizierter Betreuer, die speziell für diese Altersgruppe entsprechende pädagogische Fähigkeiten besitzen.“ Die Kreiskinderwartin des KFV Ziegenhain, Anja Prinzel, fasst die Notwendigkeit kurz und knapp zusammen: „Die Kinder und Jugendlichen von heute sind die Zukunft der Feuerwehren.“

Teamgeist in Gilserberg

Ihr 15-jähriges Bestehen feierte jüngst die Hochland-Kinderfeuerwehr. Grund zum Feiern gab es genug: Mit den Jahren ist auch die Zahl der Kinder gewachsen, die die einst von Wehrführer Oliver Weissing gegründete Nachwuchsgruppe im Feuerwehrhaus Gilserberg besuchen. 27 an der Zahl zurzeit.

„Uns ist wichtig, dass es nicht nur um Feuerwehrtechnik geht“, sagen Hildegard Damm und Patrizia Schlung, die vor acht Jahren Thomas Heyn als Betreuer ablösten. Seit zwei Jahren ist auch Janina Blaufuß mit im Team - Mitglied der ersten Stunde der Gilserberger Kinderfeuerwehr, als sie noch Bambinifeuerwehr hieß. „Die Kinder sollen vor allem lernen, im Team zusammen zu arbeiten“, sind sich die Betreuerinnen einig.

Waren oder sind alle in der Kinderfeuerwehr: (von links) Betreuerin Hildegard Damm, Theresa Schaal, Nick Vaupel, Sebastian Stremme, Betreuerin Patrizia Schlung und Leon Schlung.

Und das funktioniert in Gilserberg auf ganz unterschiedliche Weise: Neben Übungen zur Tatzen-Abnahme – als Tatzen werden die Abzeichen der Kinderfeuerwehr bezeichnet – basteln, backen und spielen die Kinder regelmäßig im Feuerwehrhaus.

So manch ein Nachwuchsbrandschützer weiß am Ende seiner Zeit bei der Kinderfeuerwehr nicht nur, wie ein Mastwurf mit Spierenstich, ein recht anspruchsvoller Feuerwehrknoten, zu binden ist, sondern hatte vor allem auch eine Menge Spaß.

„Wir gehen direkt auf Eltern zu“, erklärt Hildegard Damm das Phänomen, dass viele Vereine über Nachwuchsmangel klagen, die Hochland-Kinderfeuerwehr jedoch mit den Jahren an Mitgliedern gewonnen hat.

Angefangen mit zehn Kindern

Ob Osterkörbchen, Weihnachtsplätzchen oder ein kleines Löschfahrzeug aus Tonpapier und Pergament – an Ideen mangelt es dem Kinderfeuerwehr-Team nicht. Und das kommt bei den Sechs- bis Zehnjährigen gut an: Rund 20 Mädchen und Jungen kommen regelmäßig zur Kinderfeuerwehr. 

Angefangen hat alles mit knapp zehn Kindern. „Unser Angebot ist zentral für alle Kinder der Gemeinde Gilserberg“, sagt Hildegard Damm. Mädchen und Jungen aus sieben verschiedenen Ortsteilen des Gilserberger Ortsteilen besuchen zurzeit die Kinderfeuerwehr.

An Fasching kommen sie verkleidet und einmal im Jahr dürfen die Kinder im Feuerwehrhaus übernachten. Höhepunkt der Kinderfeuerwehr-Termine ist ein Besuch der Fahrzeughalle, „das bringt alle Kinderaugen zum Glänzen“, sagt Hildegard Damm. 

Viele Mitglieder der Kinderfeuerwehr wechseln in die Jugendfeuerwehr in ihrem Ortsteil und später in die Einsatzabteilung. Wie Nick Vaupel und Sebastian Stremme. Die beiden 16-Jährigen stehen kurz davor, den Grundlehrgang als Feuerwehrmann zu belegen - angefangen hat alles bei der Hochland-Kinderfeuerwehr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.