Kreissparkasse schließt Filialen im Altkreis

Schwalm und Knüll: Stilles Ende nach 40 Jahren

Heinrich Lorenz, Filialleiter der ersten Stunde, hat einen Trauerflor anlässlich der Schließung an dem Sparkassengebäude in Gilserberg angebracht.
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Enttäuscht: Heinrich Lorenz, Filialleiter der ersten Stunde, hat einen Trauerflor anlässlich der Schließung an dem Sparkassengebäude angebracht.

Seit dem 1. Dezember sind die Filialen der Kreissparkasse in Gilsberg, Schrecksbach und Oberaula geschlossen. Viele Menschen kritisieren den Kommunikationsstil der Sparkasse.

Gilserberg/Schrecksbach/Oberaula. Der Rückzug der Kreissparkasse Schwalm-Eder aus der Fläche geht weiter. Nach Filialschließungen im Altkreis Melsungen traf es nun auch die Zweigstellen in Gilserberg, Schrecksbach und Oberaula. Viele Kunden kritisieren den Kommunikationsstil der Sparkasse, die lediglich über Aushänge in den Filialen über die Schließungen informierte.

Wie von Sparkassenkunden aus Oberaula zu erfahren war, ist die Filiale in der Niederrheinischen Straße seit 1. Dezember geschlossen, der Schalterbetrieb eingestellt. Die Automaten im Vorraum werden weiter betrieben. Für eine Stellungnahme war Bürgermeister Klaus Wagner weder per E-Mail erreichbar noch telefonisch für die HNA zu sprechen.

Aus Gilserberg teilt Bürgermeister Rainer Barth mit, dass der Ältestenrat aktuell über ein gemeinsames Statement aller drei Fraktionen berät. Es soll am 14. Dezember in der Gemeindevertretung beschlossen werden.

Sparkassenschließung: Gebäude sollen verkauft werden

Auch Schrecksbachs Bürgermeister Andreas Schutheis spricht von keiner guten Entwicklung und erwägt ebenfalls Stellungnahmen aller Fraktionen. Zwar gebe es noch die Automaten, jedoch sei der Standort ungünstig, das Kreissparkassen-Gebäude könnte verkauft werden: „Wir brauchen für die Gemeinde eine mittelfristige Lösung.“

In einer gemeinsamen Presseerklärung von Landkreis und Kreissparkasse heißt es, dass betriebswirtschaftliche Gründe und verändertes Kundenverhalten ursächlich für die Schließungen gewesen seien. Weiter heißt es, dass die Gebäude verkauft werden sollen. Mit der Kooperation von Kreissparkasse Schwalm-Eder und VR Bank Hessenland werde das Angebot beider Kreditinstitute in Gilserberg und Schrecksbach gebündelt, so KSK-Vorstandsvorsitzender Michael von Bredow. In Oberaula möchte die Kreissparkasse weiterhin Bargeld und Überweisungen an Automaten anbieten.

Er bedauere die notwendigen Veränderungen im Filialnetz der KSK Schwalm-Eder, sagte Landrat Winfried Becker: „Das anhaltende Niedrigzinsniveau erfordert von allen Banken und Sparkassen Maßnahmen, um die Kosten im Griff zu behalten und wirtschaftlich fortbestehen zu können.“ Auf die Anfrage unserer Zeitung teilte ein Sprecher der KSK zudem mit, dass derzeit keine weiteren Schließungen geplant seien, man das Geschäftsstellennetz aber regelmäßig überprüfe.

Sparkassenschließung: Ehemaliger Filialleiter übt Kritik

Auch wenn er es hinter vorgehaltener Hand schon vor ein paar Wochen erfahren hat – glauben kann er es bis heute nicht. Heinrich Lorenz, Mann der ersten Stunde der Sparkasse in Gilserberg, ist noch immer fassungslos – traurig und wütend zugleich. Als Zeichen dafür hat er jetzt einen Trauerflor in die große Glasscheibe der Gilserberger Geschäftsstelle gehängt.

Darauf steht es schwarz auf weiß: Heinrich Lorenz trauert um die Schließung.

Er war der Mann der ersten Stunde, als die Filiale in Gilserberg eröffnete. 1981 war das, Lorenz wechselte hierfür eigens von der Stadt- zur Kreissparkasse. Das ging damals nicht ganz geräuschlos vonstatten, erinnert sich der vitale 85-Jährige, der in seiner Trauer und Wut schimpfen kann wie ein junger Rohrspatz.

Umso erstaunter ist er um die Stille, mit der sich die Kreissparkasse nun verabschiedet. „Ab dem 1. Dezember stehen Ihnen unsere Geräte zur Selbstbedienung zur Verfügung. Zur persönlichen Beratung heißen wir Sie in unserem Beratungs-Center in Ziegenhain herzlich willkommen“, steht auf einem kleinen Plakat an der Eingangstür der Gilserberger Geschäftsstelle. Mehr nicht.

Mitteilung: Mit einem Aushang wurden die Kunden über die Schließung informiert.

Sparkassenschließung: Kunden vermissen persönlichen Kontakt

Manuela Knieling aus Sachsenhausen hat den Hinweis glatt übersehen, als sie ihre Kontoauszüge und Bargeld holen will. Das ist weiterhin noch möglich, doch die Türe zu den Räumen der Geschäftsstelle ist geschlossen, der Vorhang fest zugezogen. Manuela Knieling kann es kaum glauben. „Die hätten einen ja wenigstens mal benachrichtigen können“, so die 50-Jährige. „Ich mache kein Online-Banking, sondern bin immer gern noch hier an den Schalter gegangen, um meine Bankgeschäfte zu erledigen“, so die Sachsenhäuserin. Postalischer Kundenbrief? Elektronische Mail? Fehlanzeige. Wie ein Dieb in der Nacht, so scheint es, schleicht sich die Kreissparkasse aus der Fläche.

Dass Kunden wie Manuela Knieling die den persönlichen Kontakt suchen, immer weniger, in Zeiten niedriger Zinsen das Geschäft für die Kasse immer schwieriger werden, sei unbestritten, sagt auch Heinrich Lorenz. „Doch was passiert mit den älteren Menschen, die keine Möglichkeit haben, nach Ziegenhain zu kommen?“, fragt der langjährige Geschäftsstellen-Leiter. Die können nun noch nicht mal mehr ihre per Hand vorbereiteten Überweisungen einwerfen: Der Einwurf für Überweisungen, der immer neben dem Kontoauszugs-Drucker im Vorraum stand, ist abgebaut. Einen Briefkasten an der Außenwand gibt es schon lange nicht mehr (Kerstin Diehl)

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