Schwälmer Rübchen in der heimischen Küche

Schwalmstadt: Traditionsgemüse in neuem Gewand

An der Mulch-Pflanz-Maschine Bild Biolandwirt Lucas Kohl vom Weidehof (Zweiter von rechts) mit (von links) Andreas und Jonas Schaal, Auszubildender Michel Herbst sowie Johannes Storch, der die Maschine im Westerwald entwickelt hat. Im Hintergrund Thomas Lüniger vom Maschinenring Schwalm-Eder.
+
Ein Gerät, viele helfende Hände: Mit einer innovativen Mulch-Pflanz-Maschine wurden die Steckrüben auf einem Feld des Weidehofs in Gilserberg in den Boden gesetzt. Auf dem Bild Biolandwirt Lucas Kohl vom Weidehof (Zweiter von rechts) mit (von links) Andreas und Jonas Schaal, Auszubildender Michel Herbst sowie Johannes Storch, der die Maschine im Westerwald entwickelt hat. Im Hintergrund Thomas Lüniger vom Maschinenring Schwalm-Eder.

So mancher kennt die Steckrüben noch aus der Nachkriegszeit, teilweise gab es kein anderes Gemüse auf dem Tisch. Viele konnte es nicht mehr sehen. Inzwischen punktet es erneut mit vielem.

Gilserberg. Viele kennen sie noch, die Steckrüben, auch Unterkohlraben - „Unnerkohlrabi“ genannt. Doch ist das Gemüse weitgehend aus der heimischen Küche verschwunden.

Dies soll sich ändern: Traditionelle nordhessische Gemüsesorten vor dem Vergessen zu bewahren, sie wieder bekannter und beliebter zu machen ist ein Ziel der Ökomodellregion Schwalm-Eder. Unter dem Namen „Schwälmer Rübchen“ sollen sie wieder auf den heimischen Tellern landen.

Schwälmer Rübchen sind Steckrüben, auch Unterkohlrabi genannt.

„In der Vergangenheit wurden regionale und saison-typische Gemüsesorten aus dem Angebot verdrängt, die auch Teil einer regionalen Küche waren und damit Teil unserer Alltagskultur“, sagt Stefan Itter, einer der beiden Koordinatoren der Anfang des Jahres gegründeten Ökomodellregion Schwalm-Eder.

Stattdessen sei die Gemüseauswahl im Lebensmittel-Einzelhandel davon geprägt, dass alles jederzeit verfügbar sei – und das zu vergleichsweise niedrigen Preisen.

Dass dies oft auch auf Ausbeutung von Umwelt und Menschen in den Herkunftsländern beruht, werde immer mehr Verbrauchern bewusst, so Itter.

Die Ökomodellregion Schwalm-Eder helfe, den Anbau des Traditionsgemüses bis hin zur Vermarktung an Caterer, Kantinen, Großhändler und an den Lebensmittel-Einzelhandel zu fördern. Die HNA begleitet das Projekt und war dabei, als die ersten Steckrüben auf dem Weidehof in Gilserberg in die Erde kamen.

Altes Gemüse, neue Technik: Mit einem innovativen Mulch-Pflanz-Geräte wurden die Schwälmer Rübchen in die Erde gebracht.

Der Ökobetrieb der Familie Kohl gehört neben dem Biobetrieb Ruhlengut in Morschen sowie der Hephata Diakonie, die als Bündler und zentraler Anbieter des Biogemüses eine wichtige Rolle spielt, zu den Partnern des Projekts, das von der Ökomodellregion initiiert und koordiniert wird.

Während die Steckrüben auf dem Ruhlengut in Morschen sowie in der Hephata-Gärtnerei ausgesät wurden, war auf dem Weidehof in Gilserberg eine innovative Mulch-Pflanz-Maschine im Einsatz.

Interesse an der neuen Pflanztechnik, bei der das Pflanzgut in eine dicke Mulchschicht aus Roggen und Kleegras eingearbeitet wird, zeigte auch Thomas Lüninger vom Maschinenring in Wabern: „Wir interessieren uns für Technik, die die Landwirte brauchen, die sich jedoch nicht jeder Landwirt einzeln leisten kann oder möchte“.

Stefan Itter, Koordinator der Ökomodellregion.

Ob gesät oder gepflanzt – neu ist der Anbau der Steckrüben im großen Stil für alle Beteiligte. Die regionale Vermarktung und etwas neues auszuprobieren habe ihn motiviert, an dem Projekt teilzunehmen, sagt Diplom-Agraringenieur Lucas Kohl vom Weidehof.

Derzeit gebe es bei vielen landwirtschaftlichen Direktvermarktern mit Hofladen oder Abokiste eine wachsende Nachfrage, sagt Itter. „Doch nicht alle Verbraucher finden den Weg zu den Hofläden und nicht jeder Landwirt fühlt sich zur Direktvermarktung berufen.“

Ziel der Ökomodellregion sei es, auch über größere Lebensmittelmärkte ein interessantes Angebot regionaler Bioprodukte zu entwickeln. „Dabei sollten wir wettbewerbsfähig werden mit guten Ideen und deren Umsetzung und nicht beim Preis“, so der Koordinator.

Kontakt: Stefan Itter, Ökolandbau Modellregion Schwalm-Eder, Telefon: 05622-994 120, 0163 6063896, Stefan.itter@schwalm-eder-kreis.de, oekomodellregion@schwalm-eder-kreis.de (Kerstin Diehl)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.