Ausverkauft: Erste Keller-Kultur-Nacht lockte viele Besucher ins unterirdische Treysa

Grusel in den Gewölben

Udo Lohr

Treysa. Scharen von Menschen, die über den Marktplatz in Treysa flanieren - das ist tags wie abends ein eher seltenes Bild. Am Samstagabend war hingegen ein stetes Kommen und Gehen zwischen den schmucken Fachwerkhäusern zu beobachten. Wenngleich zu jeder vollen Stunde das unterirdische Treysa seine Gäste wieder buchstäblich verschluckte.

Altstadtfreunde

Denn die Menschen stiegen in die historischen Gewölbe hinab - zur ersten Keller-Kultur-Nacht. Organisiert hatte den Abend der noch junge Verein der Altstadtfreunde Treysa. Die Mitglieder boten in Absprache mit den Eigentümern einmalige Einblicke in die zumeist privaten Keller unter der Oberstadt. In fünf Gewölben entrollte sich Literarisches, Musisches und Dramatisches. Drei Keller konnten die Besucher mit ihren Tickets jeweils zur vollen Stunde besuchen. 15 Vereinsmitglieder koordinierten das Ganze: „Das ist eine Premiere. Sicher werden wir aus manchen Erfahrungen für eine zweite Auflage lernen. Aber die Veranstaltung soll keine einmalige bleiben“, sagte Horst Krause-Willenberg.

Begrenzter Platz

Mancher Gast beschwerte sich, dass sich die Keller allzu schnell wieder mit Gästen füllten, aber die Kapazitäten in den Gewölben waren bau- und sicherheitstechnisch begrenzt. Wer ein Plätzchen fand, genoss die Atmosphäre bei Kerzenschein und dezenten Lichtreflexen.

Unter der Stadtapotheke spielten Stefan Reitz (Akkordeon) und Tobias Altmann (Saxophon) auf. Sie begleiteten Sängerin Karina Neumann und versprachen Jazz, Klezmer und Chansons. Die Zuhörer wippten zu Standards wie „Hang on little tomato“, „Bei mir bist du scheen“ oder einer Hommage an Edith Piaf. Nach 30 Minuten öffnete sich die Pforte zum Licht und die Keller gaben ihre Gäste wieder frei. Die flanierten weiter, etwa zum Markteck, unter dem Gebäude begrüßte sie der Pförtner vom Bundestag alias Udo Lohr. Er brillierte mit politischem Kabarett und genoss den Rollenwechsel ins Satirefach sichtlich. Unter der Stadtkasse blieb es im wahrsten Sinne des Wortes stockdunkel: Olga Wald und ihre Truppe von der „Black Box“ präsentierten morbides Schwarzlichttheater - Geister, Knochenmänner und Hexen trieben im Keller ihr Unwesen.

Das Gruseln lehrte die Besucher auch Ute Harras-Fink. Bei einem Glas Wein lauschten die Zuhörer unter dem „Specht“ ihren Schauergeschichten.

Das in Indien entwickelte Instrument Sitar lernte das Publikum im Bollmann-Keller kennen: „Aber wir spielen ganz unindisch“, erklärte Musiker Stefan Kiessling. Die Kombination mutete durchaus ungewöhnlich an. Ihm zur Seite saß Ruth Ganzevoort am Cello.

In den 60er-Jahren habe das Instrument seinen Weg in die westliche Rockmusik gefunden, auch George Harrison erlernte das Spiel auf der Sitar. Das Duo interpretierte unter anderem ein mazedonisches Volkslied.

Von Sandra Rose

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